Das war’s im Dezember 2004

Dann halt basteln - Rundum-Nachlese

25.02.2005, 11:27, Text: Christian Steinbrink, Christian Steinbrink

Köln ließ uns auch dieses Jahr keine Chance, Geld für wirklich nützliche Weihnachtsgeschenke zu sparen. Zu viele Konzerte, bei deren Verpassen man bis zum Heiligen Abend wohl nicht mehr glücklich geworden wäre. Zum Beispiel stellten Q And Not U ihr ganz exquisites neues Album ›Power‹ live vor und hatten als Support die nicht minder großartigen 31 Knots mitgebracht. Letztere erwiesen sich mit ihrem rhythmisch ausgefeilten und expressiven Rumpel-Core als die Gewinner des Abends. Q And Not U hatten zwar großartiges Rohmaterial, aber leider zu wenig Musiker auf der Bühne. Man bekam den Eindruck, dass den drei Washingtonians abwechselnd eine zweite Gitarre oder ein Bass fehlte.

Ebenfalls im Deutzer Gebäude 9 gaben die Delgados aus Glasgow ein paar Tage später eines ihrer Konzerte anlässlich des Releases ihres neuen Albums ›Universal Audio‹. Den Support Cass Mc Combs, der gerade mit ›Prefection‹ ein respektables Album bei 4AD veröffentlicht, bekam ich leider nur noch zu einem Fitzelchen zu sehen. Dafür beeindruckte aber die auch nach Jahren ungebrochene Spielfreude der Band aus Glasgow: Die Delgados gaben ein Potpourri ihrer mittlerweile recht zahlreichen Fast-Hits, die gerade hierzulande unverständlicherweise nie die Aufmerksamkeit erfuhren, die sie verdient hätten. Unterbrochen wurde deren musikalische Darbietung nur von der sehr humorigen Kommunikation der Musiker untereinander, die sich durch kleine Sticheleien und Anekdoten die Bälle gegenseitig zuspielten. So haben Indiepop-Konzerte auszusehen!

Etwas sperriger gaben sich da die ungekrönten Könige des amerikanischen Avantgarde-Rocks, Jackie-O-Motherfucker. Im bestuhlten Kulturbunker in Köln-Mühlheim nutzten sie ihre Spielzeit, um sich Getränke zu mixen, sich über die Administration ihres Heimatlandes zu beklagen und ganz gemächlich ihre Soundscapes aufzubauen. Und auch wenn ihr Witz manchmal etwas Pennäler-mäßig wirkte, war ihre Version von kreativem Dilettantismus inklusive angedeutetem Ausdruckstanz äußerst anregend.

Eine Spur konventioneller ging es dann etwas außerhalb von Köln zu: Im Essener KKC spielten die schottischen Schwergewichte von Aereogramme zum gefühlt dritten Mal in diesem Jahr. Die neue EP ›Seclusion‹ klingt etwas mehr nach klassischem Hardrock als ihre Frühwerke, die Konzerte strahlen immer noch diese atemlos charismatische Atmosphäre aus, die uns von ihrem fast schon legendären Gig beim Immergut 2002 noch sehr gut in Erinnerung ist. Und damit nicht genug: Auf der nächsten Tour im Februar werden nun auch die letzten Orte, an denen die Band noch nicht war, bespielt. Gut so.



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aus Intro #125 (März 2005)
 
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---HIGHHOLYDISCOMASS comes to town--- Dass Punk und Disco weit mehr verbindet, als nur der Zeitpunkt ihres Entstehens, steht außer Frage. Wem Punk mehr bedeutet als tote Hose und für wen Disco alles andere als ein Schimpfwort ist, der weiß um die Schnittmenge dieser beiden Musikstile, die gleichzeitig beide auch Lebensgefühl waren und sind. Wunderbar beschrieben hat das gerade der englische „NME“ in einer Rezension zu Gossips neuem Album „Music for Men“. “Teenage Jesus and the Jerks crashing Studio 54“, so der Rezensent, vor dessen geistigem Auge beim Genuss von „Music for Men“ die genialen New Yorker No Wave-Dilettanten die wohl bekannteste Disco der Welt aufmischen. Und auch Gossips dralle Gallionsfigur Beth Ditto selbst, eine Punk-Ikone des 21. Jahrhunderts, bringt es auf den Punkt sprich auf die Tanzfläche, wenn sie „For Keeps“ so erklärt: „I wanted it to be the ‚Don’t You Want Me’ of this record“. „Don’t You Want Me“ war bekanntlich der größte Dancefloor-Filler der Electro-Pioniere Human League. Auch Arte erinnert sich gerade an die Zeit, als „Don’t You Want Me’ aus jeden Punkschuppen schallte und zu Nummer 25 der meistverkauften Singles aller Zeiten im UK wurde. So propagiert der TV-Sender den „Summer of the 80s“ und unternimmt eine Zeitreise in das Jahrzehnt, das uns Joy Division und New Order bescherte, Style Council und Prince, Duran Duran und Chic. Grund genug für „HighHolyDiscoMass“. „HighHolyDiscoMass“ (übrigens ein Songtitel der ebenso wie Human League aus Sheffield stammenden Industrial-Avantgardisten Clock DVA) bittet nun mit Bands wie Cabaret Voltaire, Heaven 17, Shriekback, 400 Blows oder Gang of Four (just to name a few) einerseits die Creme de la Creme der 80er Jahre und der damaligen Post-Punk-Ära zum Tanz und schlägt andererseits mit neuen Helden wie Junior Boys, MGMT, Hercules and Love Affair oder White Lies (again just to name a few) die Brücke auf den Tanzboden des dritten Jahrtausends. Da bleibt dann mit David Bowie nur noch eins zu sagen: „Let’s dance!“

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