Masha Qrella

Keine versöhnliche Musik

24.02.2005, 17:16, Text: Sonja Eismann, Sonja Eismann

Als das erste Soloalbum ›Luck‹ von Masha Qrella vor über zwei Jahren bei Monika Records geheimnisvoll wie aus dem Nichts aufblitzte, konnte man fast hören, wie an vielen Stellen verblüfft-verzückt der Atem angehalten wurde. Die umtriebige Ostberliner Musikerin, die man als stilbildendes Mitglied von Mina und Contriva kannte, ließ zu wunderbar reduzierten stolperigen Hooks und verschleppten Beats zum ersten Mal so richtig ihre Stimme raus, und man war fast empört, dass einem die elektrisierende, unkitschige Zartheit vorher so lange vorenthalten worden war. Nachdem Masha das erste Album quasi nebenher und ganz für sich allein aufgenommen hatte - nicht aus mangelndem Selbstbewusstsein bezüglich ihrer Skills, sondern um sich in Ruhe Mechanismen als Solo-Artist zu erarbeiten -, waren jetzt bei ›Unsolved Remained‹, das auf Morr Music erscheint, gleich von Beginn mehrere Kollegen involviert.

Rechenzentrum, Henrik Johannsen und Norman Nitzsche, der mit Masha zusammen in ihrem neuesten Projekt NMFarner spielt, haben (Teil-) Tracks beigesteuert, ›C. Bones‹ basiert auf einem Sample von Iso 68, aber dass Masha Herrin über fast alle Instrumente und die Produktion war, ist unüberhörbar. Als ich mit ihr über die Unterschiede zwischen dem ersten und zweiten Album spreche, ist sie fast enttäuscht über meinen Hinweis auf eine gefühlte gesteigerte Zielstrebigkeit bzw. Professionalität. Weil durch das aufregende Trial&Error-Verfahren auf ›Luck‹ einige interessante falsche Ergebnisse stehen gelassen wurden, habe sie sogar wieder versucht, \"Loops, die nicht stimmen\", einzuflechten, \"aber wie das halt so ist: wenn man Sachen gezielt macht, wirken sie dann doch wieder ganz anders.\" Aber die Grundüberlegung ihrer sehr analytisch durchdachten Ästhetik, die sie im Interview immer wieder mit stiller, aber bestimmter Stimme vorbringt, ist trotz einer spürbaren Gitarrenverliebtheit, die auch mal wüstenrockige Calexico-Teppiche generieren kann, immer noch das verbindende Argument: \"Mein Ziel ist nicht, eine Schnittstelle zwischen Elektronik und Indie-Rock aufzumachen, wie das oft verstanden wurde. Ich finde diese für mich selbstverständliche Mischung verschiedener Medien auch nicht so zentral. Mir geht es eher darum, das Songwriting so spröde zu halten, wie es nur irgend geht. Ich möchte es nicht romantisierend einsetzen und so eine Art versöhnlicher Musik schaffen, bei der man sich wohlig zurücklehnt und denkt: ›Ach, früher war alles besser.‹ Ich habe keine Lust, diesen Reflex zu bedienen, aber das ist gar nicht so einfach.\" Auf meinen Einwurf, dass einige HörerInnen sicherlich gerne zugunsten einer balsamierenden Sanftheit, die durch Mashas außergewöhnlich schöne, sanfte Stimme suggeriert wird, die widerspenstigen Elemente ausblenden würden, meint sie so ehrlich erschrocken wie amüsiert: \"Sanft? Dann muss ich beim nächsten Mal wohl noch was anders machen!\"



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aus Intro #125 (März 2005)
 
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