
Tarwater
Neue Welle
24.02.2005, 16:52, Text:
Christoph Büscher,
Christoph Büscher
Eigentlich war's schon immer klar: Tarwater - das Berliner Duo, bestehend aus Bernd Jestram und Ronald Lippok - verpflanzen mit ihrer traurig-schönen elektronischen Popmusik Aspekte von 80er-New-Wave ins Hier und Jetzt. Dieser Bezug wird auf dem neuen, inzwischen fünften Studioalbum ›The Needle Was Traveling‹ durch eine Coverversion des Minimal-Compact-Klassikers ›Babylonian Tower‹ deutlich. Auch sonst hatten Tarwater ja schon immer diesen Hang zur fein dosierten Melancholie, zum Orchestralen und gleichzeitig Surreal-Fremdartigen, das sie zum Beispiel immer von der kühleren Minimal-Elektronik, wie sie Ronald Lippok etwa mit seinem anderen Projekt To Rococo Rot verfolgt, unterschieden hat.
Auch wenn Tarwater dieser Tage bereits ihr Zehnjähriges feiern können und seit Mitte der Neuziger nicht aus dem Berliner Elektronik-Untergrund wegzudenken sind, klingt das neue Album so frisch wie nie, geht einen großen Schritt in Richtung klassisches Songwriting und besitzt eine Leichtigkeit und Offenheit, die auf dem Vorgänger ›Dwellers On The Threshold‹ bestenfalls angedeutet waren. Es bleibt zwar bei cleveren Cut-up-Sample-Collagen auf der Schwelle zwischen Electronica und klassischer Bandbesetzung, doch Samples, Loops und elektronische Sounds fügen sich mehr und mehr in ein Gefüge aus Gitarre, Schlagzeug, Bass und Gesang ein. Und selbst im Repetitiven liegt der Zauber grade in der leichten Verschleppung des Sequencings, in der Kunst des kontrollierten Verschleppens, etwa wenn bei ›Seven Of Nine‹ ein Analog-Synth immer leicht neben der Spur tuckert: \"HipHop war und ist da auch immer ein wichtiger Einfluss für uns. Dieser Einsatz von Samples, wenn da Sachen auch mal verstimmt sind, Loops rhythmisch nicht stimmen, aber dafür 'ne Atmosphäre schaffen. Ein karger Beat, ein komischer Sample und Gesang, einfach wunderbar.\"
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