Queens Of The Stone Age

Der magische Marsch-Metal-Groove

24.02.2005, 15:58, Text: Klaus Walter, Klaus Walter

Reden wir über letzte Dinge. Ass shaken, loose getten, Sex, Rock'n'Roll. Es macht Spaß, mit Josh Homme zu reden. Es macht bestimmt Spaß, mit ihm verloren zu gehen, in irgendwas, mit irgendwem. Josh Homme ist ein großer, starker Mann mit roten Haaren und der Fähigkeit zu Genuss und Hingabe. Flüchten, genießen, hingeben und verloren gehen oder: sich verlieren - aus diesen Bewegungen setzt sich der Groove der Queens Of The Stone Age zusammen. Ich bin gekommen, um den Groove zu verstehen. Der Diktionär sagt zu Groove: einen losmachen. Nun ist \"einen losmachen\" ein ebenso hässliches Wort wie \"sich locker machen\". Beide Worte werden von hässlichen Menschen benutzt, die sich auch gerne mal irgendwo \"eingrooven\".

Also blenden wir berechtigte Vorbehalte aus und geben Worten mit vielen Os neuen Sinn: lose, loose, Groove, Rock'n'Roll, Homo. Josh Homme, erklär mir den Groove der Queens!

Der Groove ist extrem wichtig. Warum sollst du nicht auch bei düsteren Themen shake ass to it [arschwackeln? arschschütteln?]? Unsere Musik arbeitet auf einem primary level [Ursprungsniveau? Unmittelbarkeitsebene?]. Du sollst die Platte nicht satt haben nach einer Woche, mit jedem Hören soll etwas Neues dazukommen.

Queens-Platten hatte ich nie satt. Sie haben den rotierenden Groove, den pure Vernunft niemals zu erklären weiß. Woher?
Für mich kommt er von ganz früher, Bluegrass, Polka, Marschmusik. Alle haben unterschiedliche Herzfrequenzen. Vor allem Marschmusik. Die hat ein fast wagnerianisches musikalisches Drama. Ich glaube, ich bin der einzige Marsch-Mann.

Vielleicht der einzige Marsch-Metal-Groove-Mann.
Ich ging als Kind zu einem Bluegrass-Festival, da waren Leute ohne Zähne, mit komischen Armen, aber sie konnten wie verrückt Banjo spielen. Sie kamen aus den Bergen und spielten Bluegrass.

Wo?
In Northern Idaho, da gab's nicht mehr zu tun, als im See zu schwimmen und Gitarre zu spielen. Dieser Gut-Rhythm [Darm-, Eingeweide-, Kern-Rhythmus?], zu dem fühlt sich jeder hingezogen, ass shakin!

Diesmal benutzt ihr Bläser?
Ich liebe die Power von vier, fünf Tuben und Posaunen, die Hörner sind im selben Frequenzbereich wie die Gitarren, also haben wir gesagt: Anstatt die Gitarre zu doppeln ist es cooler, Hörner zu verwenden. Wegen der gutturalen Power. Ich wollte nicht, dass die Hörner die Gitarren ausstechen, sie sollten Händchen halten and skip to the woods [hüpfen, spritzen, abhauen in die Wälder?]. Genau, abhauen in die Wälder! Wir haben gerade fünf Tage in den Wäldern verbracht, um ein Video zu drehen. Wir hoffen, dass es nicht definitiv ist, manchmal schließt ja ein Video die Tür zu einem Song. Wir wollten mehr Fragen stellen als Antworten geben mit der Platte: make more art, make rock'n'roll as mysterious as we can!

Beutet ihr die Geschichte mit der Wüste nicht zu sehr aus?
Ihr Journalisten seid diejenigen, die den Mythos ausbeuten. Ich komme schließlich von dort. Für mich war es immer ein heiliger Ort. Du musst dich aus der Wüste entfernen, sonst braucht sie dich auf. Du wirst sehr fokussiert dort, schaust dir den Sonnenuntergang an, fährst Motorrad, trinkst ein Glas Wein, und dann spielst du vor 20 Leuten. Es ist ein Ort zum Alleinsein, man kann seine Gedanken sortieren und hat nicht so viel Stimulanz von außen. Dasselbe empfinde ich für den Wald und für den Ozean. Sie sind alle verwandt, Brüder und Schwestern.

Esoterischer Käse, klar. Aber mit Josh Homme wäre ich gern in der Wüste. Ein Glas Wein, dann noch zwei, drei, es fehlt nicht an Stimulanz. Und ohne Wald und Ozean wären wir ja gar nix, kein Woody Guthrie und keine Beach Boys.

Surfst du?
No, but I think [oder: No, but I sink]!

You what?
I sink [think] to the bottom. [Er denkt also auf den Grund.]

Stimmt es, dass ihr euch Queens Of The Stone Age genannt habt, um Homophobiker zu provozieren?
Das war ein schöner Nebeneffekt. Ich mag die Vorstellung, dass Kinder zu ihren Eltern sagen: \"Ich geh zu Queens Of The Stone Age\", oder tough guys zu ihren Kumpels.

Warum finden so viele Frauen eure Musik sexy?
Weil wir sexuelle Musik machen, ohne sexistisch zu sein.

Wie geht das?
Weil ich das will! Rock'n'Roll soll sexy und slinky sein [aufreizend, katzenhaft], es ist eine Nachtaktivität. Nick [Oliveri, der die Band verlassen hat] hat die zornige Seite der Band repräsentiert, mir geht's um die Slinkyness. R'n'R ist ein eskapistischer Trip, und ich will, dass die Leute cut loose, not get angry. [Die phonetische und etymologische Nähe von lose ((sich) verlieren) und loose (lose, locker) hilft, die Queens zu verstehen.] Ich habe nie das Bedürfnis gehabt, den Pfau zu spielen. [Er benutzt das schöne Wort peacockery.] Ich will heavy music for lovers machen. Wut und Zorn sind die einfachsten Emotionen, um sie rauszuschreien. Das interessiert mich nicht. Ich sage: don't waste the hate! Focus it!

Warum habt ihr zweimal die Kinks gecovert?
Die Kinks muss man doch mögen! Sie hatten diese Looseness.

Wie kommt Billy Gibbons auf euer Album?
Ich war immer ZZ-Top-Fan. Nicht die Sachen, die sie groß gemacht haben. Die ersten Platten wie ›Fandango‹ oder ›Tejas‹, da klingen drei Leute wie zehn. Er ist einer der Lieblingsgitarristen von Hendrix, ein Bluesman, ein Charakter. He's got style!

Und woher kommt die Steel-Gitarre?
Die Steel-Gitarre hat alles, was sexy ist an einem Instrument, it slips, slows, molasses or moves like lightning, sehr expressiv. Wie kann man nicht berührt werden von diesem Instrument?

Mit wem würdest du gerne Musik machen?
Peaches. Ich würde es lieben, einen Song für Bowie zu schreiben, such a great vooooaaaice. Ich hätte gern mit Johnny Cash gearbeitet. Es ist eine gute Zeit für die Musik. Das Pendel dreht sich, wir hatten Rap-Rock und Nu Metal, jetzt kicken wir back.

Waren die Wipers wichtig?
Klar, aber es gibt andere Einflüsse. Ich war auf der Suche nach dieser robotic repetition, und da kam Hutch, unser Soundman, mit Can an. Ich sagte: Verdammt, da macht schon jemand genau das, was ich tun will! They drone right in the face! [Was der Diktionär für drone hergibt, trifft auf die Queens zu: Drohne, summen, brummen, dröhnen, leiern und ein ferngesteuertes Flugzeug.]

Hat Björk inzwischen die ›Desert Sessions‹ gehört?
Ich weiß nicht, aber wenn, dann hat sie sie geliebt!

Billy Gibbons / Gäste
›Lullabys To Paralyze‹ ist das vierte Album der Queens, das erste ohne Hommes langjährigen Freund und Partner Nick Oliveri, der nach vielen bühnenreifen Vorfällen aussteigen musste. Mark Lanegan gibt wieder den Gastsänger, wie Shirley Manson von Garbage und Brody Dalle (Distillers), Hommes Freundin. Die Tuben und Posaunen der Main Street Band tragen zur hochgradig \"trance inducing music\" bei. Sie nennen es Robot Rock!

Björk
Neulich in London: Björk sitzt am Nebentisch, Homme will ihr die ›Desert Sessions‹ schenken, traut sich aber nicht. ›Desert Sessions‹ ist eine Reihe von Alben mit - eben - Sessions aus der Wüste mit Freunden, zuletzt war PJ Harvey dabei. Die Atmosphäre ist mehr loose und weniger robotic als bei den Queens. Björk wird sie lieben. Auch schön: Hommes Glam-Rock'n'Roll-Projekt Eagles Of Death Metal. Da spielt er Drums.



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aus Intro #125 (März 2005)
 
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