VHS Or Beta

Pretty In Pink

24.02.2005, 15:32, Text: MichaelMKrumbein, MichaelMKrumbein

Eigentlich müsste diese Band VHS Or Video 2000 heißen. Schließlich war das eine der entscheidendsten Fragen in den Achtzigerjahren - und genau an diese Epoche erinnert der Sound des Quartetts. \"Wir machen keinen Hehl daraus, dass wir Duran Duran oder Echo & The Bunnymen mögen\", gesteht Gitarrist - und neuerdings auch Sänger - Craig Pfunder. \"Aber ich finde, dass wir die Musik dieser Leute nicht nur nachspielen, sondern sie auch weiterentwickeln.\" Nun, in seiner Situation hätte wahrscheinlich jeder so etwas gesagt. In diesem Fall aber sei dem Einspruch stattgegeben. Denn VHS Or Beta unterlegen ihre gitarrengetriebenen, hymnischen Popsongs mit knackigen, kontemporären Dancebeats, sodass man sich durchaus vorstellen kann, dass man mit ›Night On Fire‹ sowohl Wohnzimmer als auch Tanzschuppen oder Stadien in Aufruhr versetzen kann.

Was man sich allerdings angesichts des Albums gar nicht vorstellen kann, ist, dass das Quartett a) aus Kentucky stammt und b) als Instrumental-Indie-Noiseband angefangen hat. Der Bundesstaat im Osten der USA ist schließlich eine Bush-Hochburg, dort wohnen doch nur Hinterwäldler. \"Ich glaube, da unterschätzt man uns\", so Pfunder. \"Viele Bands in den USA schauen nach Europa und gucken, wie sich die Musik dort entwickelt. Und gerade in den Achtzigern war das Interesse an europäischer Musik sehr groß.\" Die \"Second British Invasion\" von 1983 bis 1986 machte Bands wie The Fixx, Depeche Mode oder Duran Duran in den Staaten populär. Zu genau dieser Zeit erwachte auch Pfunders Interesse an Musik. \"Von dem Geld meines ersten Ferienjobs habe ich mir den Soundtrack von ›Pretty In Pink‹ gekauft. So lernte ich Echo & The Bunnymen, The Smiths und New Order kennen.\" Wobei Pfunder, Jahrgang 1975, und seine drei Kollegen nie vorhatten, sich vorrangig an ihren Jugendidolen zu orientieren. Als Instrumental-Indie-Noiseband veröffentlichte man in Eigenregie zwei EPs, bevor man sich der Tanzmusik aus Europa zuwandte. ›Le Funk‹, 2001 erschienen, war ein Housealbum im Daft-Punk'schen Sinne und markiert bereits einen großen Schritt hin zu dem Popformat, dem VHS Or Beta nun auf dem Longplayer ›Night On Fire‹ huldigen. \"Ob wir jetzt am Ende unserer Entwicklung angekommen sind? Ich weiß es nicht\", räumt Pfunder ein. \"Ich weiß nur, dass wir immer wieder versuchen, etwas Neues zu probieren.\" Und das war dieses Mal Gesang. \"Bei der nächsten Platte könnte es etwas ganz anderes sein. Mark [Palgy, Bassist] und ich legen viel auf. Vielleicht bekommen wir so ja neue Ideen.\" Neue Bekannte haben VHS or Beta auf diese Weise jedenfalls schon gemacht: Carlos D. von Interpol remixte den Titeltrack des Albums, die Scissor Sisters nahmen das Quartett als Support für eine US-Tour mit. Es scheint also weiter alles möglich zu sein bei VHS Or Beta - nur keine Festlegung.



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aus Intro #125 (März 2005)
 
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