
Roots Manuva
Riskante Träume
24.02.2005, 15:19, Text:
Christian Steinbrink,
Christian Steinbrink
Auch wenn Rodney Smith (a.k.a. Roots Manuva) am Anfang unseres Gesprächs so verkifft rüberkommt wie viele seiner Genregenossen, hat er doch eine breitere Themenpalette zu bieten als nur die Frage nach dem Business und wer gerade real oder fake ist. Zum Beispiel beantwortet er die nahe liegende Frage, ob es zur Debatte stand, überhaupt als produzierender Künstler weiterzumachen, mit einem klaren Ja. Nach seinem letzten Album ›Run Come Save Me‹ beanspruchten ihn nämlich persönliche Probleme und vor allem Stress mit den Finanzbehörden. \"Nach der letzten Platte hatte ich ein wenig Geld. Nicht so viel, dass es für immer reichen würde, aber trotzdem mehr als je zuvor.
Glücklicherweise hat er sich doch für Ersteres entschieden und ist nun, nach dem Remixalbum ›Dub Come Save Me‹, endlich wieder mit neuem Material am Start. \"›Awfully Deep‹ is an album of one man and his sonic dream\", so lautet die Ansage, und deshalb hat Smith sich auch gar nicht darauf eingelassen, seine Ideen durch Gastauftritte anderer Künstler verwischen zu lassen. Lediglich Lotek, ein befreundeter Act aus dem Big-Dada-Umfeld, ist auf einem Track zu hören, obwohl Smith sonst anderen Künstlern aus fremden Genres ganz und gar nicht abgeneigt ist. Immerhin existieren Remixe seiner Songs von z. B. Röyksopp und The Soft Pink Truth. \"Ich kannte sie vorher nicht. Sie hörten meine Platten und stellten den Kontakt zu mir her. Ich bin aber sehr zufrieden mit den Ergebnissen ihrer Remixe. Und ihre eigenen Platten, die ich mittlerweile gehört habe, gefallen mir auch.\"
Seine Offenheit zeigt sich auch auf ›Awfully Deep‹ wieder auf verblüffende Art und Weise. Es ist begeisternd, was für atmosphärische und stilistische Frischzellenkuren er seiner Version von HipHop immer wieder verpasst. Jeder Track ist so weit von dem entfernt, was uns das Musikfernsehen Tag für Tag als state of the art in Sachen HipHop verkaufen will. Diese Ambitionen führen Roots Manuva hin und wieder auch an die Schmerzgrenze: \"Es kam schon mal vor, dass ich auf die Bühne ging und das Publikum zurückwich, als ich die ersten Tracks spielte.\" Glücklicherweise tut sich zuletzt auch was bei der Akzeptanz des Publikums: Die erste Single ›Colossal Insight‹ erreichte in den UK-Charts Ende Januar immerhin Platz 33, mit Tendenz nach oben.
Auf die abschließende Frage, was für Künstler er sich noch für eventuelle Kollaborationen wünschen würde, stellt Smith, ganz die offene Type, eine sehr heterogene Gruppe an Musikern zusammen: Snoop Dogg, OutKast, Kate Bush, Björk und Enya - und schränkt ein: \"Die meisten von denen würden wahrscheinlich wegrennen, wenn sie meine Platten zu hören bekämen.\"
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