Intro Intim

Besinnlich in Massen

24.02.2005, 12:27, Text: Hendrik Heitbaum / Christian Steinbrink, Hendrik Heitbaum / Christian Steinbrink

06.12. – Berlin, Maria Am Ufer & 08.12. – Köln, Gebäude 9

Intro Intim – unsere fast monatliche Clubkonzertreihe hält sich trotz mancher Widrigkeiten und jeder Menge anderer Arbeit immer noch sehr wacker. Eine Menge einzigartiger Konzerte brachte 2004, und es gibt nicht wenige, die diese Dezember-Ausgabe als das Sahnestück des Jahres bezeichneten.

In Berlin begann die Mini-Ausgabe von Broken Social Scene den Abend, Apostle Of Hustle waren dabei mehr als nur ein Appetizer auf das, was noch folgen sollte. The Wedding Present bewiesen anschließend, dass sie die letzten großen Helden des 80er-Jahre-Anorak-Pops sind – in Würde gealtert und immer noch frisch.

Dann Broken Social Scene, die Lieblinge des diesjährigen Immergut Festivals, live on stage: ein unbeschreiblicher Gig mit einem mehr als zweistündigen Spannungsbogen. Und diese Band hat dabei eine Bandbreite, wie es sie heutzutage kaum noch zu hören gibt: von Calexico-mäßig knalligen Bläsersätzen über wechselnde Gesangseinlagen der Musiker bis zu sechs Gitarren gleichzeitig auf der Bühne – einfach toll. Und die Kunst von Broken Social Scene ist dabei, trotz der opulenten Arrangements nie überladen oder progrockig zu klingen.

Ein wunderbarer Abend, der zwei Tage später im Kölner Gebäude 9 noch einmal durch ein ausverkauftes Haus getoppt wurde. Denn mit den schmissigen Bloc Party, den akustischen Wedding Present, die mit alten Hits dem begeisterten Publikum feuchte Augen bescherten, und – als Krönung – einem Gig der kombinierten Apostle Of Hustle und Broken Social Scene gaben sich Acts ein Stelldichein, die allesamt in dieser Größenordnung und Zusammenstellung lange nicht mehr zu sehen waren oder in Zukunft wohl nicht mehr zu sehen sein werden.

Schon bei Bloc Party konnte man die Luft nur noch mit Kiemen atmen. Die Band hatte am Tag zuvor als Support für die nicht minder grandiosen Interpol gespielt. Und auch in Köln brannten die vier Jungs ein wildes Feuerwerk ab. Extrem sympathisch: Der Sänger der Bloc Party schaute sich noch den kompletten Rest des Intro Intims im Publikum mit an. Sozusagen zum Anfassen. Zum Schluss beim Kollabo-Gig von Broken Social Scene und Apostle Of Hustle wurde es richtig voll auf der Bühne. Und ihr Auftritt war nicht minder großartig als der zwei Tage zuvor in Berlin. Die Abende waren also genau das, was wir uns bei der Entwicklung des Formates Intro Intim vorgestellt hatten: mehr als nur Konzerte, nämlich Partys mit unser aller Lieblingsmusik live. Auf dass uns in 2005 ähnliche Events ins Haus stehen werden. Aber davon – und ich verrate damit nicht zu viel – kann man wohl ruhigen Gewissens ausgehen.



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aus Intro #125 (März 2005)
 
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