Les Transmusicales de Rennes
Unter Verrückten
24.02.2005, 12:24, Text:
Katharina Kühbauer,
Katharina Kühbauer
02.-04.12. – Rennes, diverse Locations
Steht man an einem Samstag am Strand, dann spült das Meer vielleicht gerade eine Erinnerung weg. Wie sich am Donnerstag Mick Jones mit dem Oparock seiner neuen Band Carbon / Silicon blamierte. Wie die Trachtenburg Family Slide Show ein 11-jähriges Mädchen hinter dem Schlagzeug platzierte, Mama Flohmarktdias zeigen und dazu Papa Indiepop in Bonbonfarben singen ließ. Derartiges wird aus dem mittelfristigen Gedächtnis getilgt, wenn folgende Voraussetzungen gegeben sind: Es ist Dezember im Jahr 2004, der Strand bildet die Grenze zwischen Stadt und Natur von St. Malo. Und man blickt von dort aufs Meer, eine Iodluft-Insel im grünen und blauen Dunst der Transmusicales de Rennes.
Notgedrungen haben sich die Transmusicales zu ihrer 26. Ausgabe vergrößert: Das Liberté, langjähriges Betonheim inmitten der Hauptstadt der Bretagne, wird umgebaut. Ersatz wurde im Wellblech&Beton-Areal der Expo de Rennes gefunden, deren drei Megahallen viel Platz und null Ansehnlichkeit besitzen. Um sie zu füllen, wurden auffällig viele Etablierte gebucht. Marilyn Manson sagte kurzfristig ab, die Beastie Boys aber kamen und boten professionelles Entertainment. Ebenso wie Kraftwerk. Les Dusseldorfiens zeigten eine berauschende Liveshow und überraschten mit einer irren Neubearbeitung von ›Radioaktivität‹.
Wichtig ist aber vor allem, dass die Transmusicales ein Festival der Verrückten bleiben: The Hidden Cameras litten unter Soundproblemen und münzten die Frustration in ein selten gereiztes Liveset – der Kontrapunkt zu ihrem Berliner Kirchenauftritt. The PlantLife dagegen spielten ihren Funk für Future Partys und kündigten eine Zukunft in Herzen, Hintern und Charts an. Wang Lei aus dem chinesischen Kanton postierte sich in Kampfkunst-Grundstellung hinter seinen Tools und ließ Schallwellen in der Tradition idiosynkratischer Breakbeats schütteln. Itäväylä aus Helsinki dagegen schockten mit aufgeschwemmten Oberkörpern und V-Flyer-Gitarren, aus denen sie Rock für Sternenreisende mit Alkoholproblemen quälten. Den Rest weiß nur die See.
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