
Tim Renner
Der Manager der Zukunft
11.11.2004, 17:44, Text:
Thomas Venker / Linus Volkmann,
Thomas Venker / Linus Volkmann
[8 Kommentare]
›Kinder, Der Tod Ist Doch Gar Nicht So Schlimm‹ (Campus Verlag) heißt das Buch, mit dem Tim Renner, besser bekannt unter seiner einstigen Mogulfunktion als Universal-Deutschland-Chef und als Wunderkind der Branche, das mit ewig guter Laune vom Fanzineschreiber zum Motor-Gründer aufstieg, nun seine Trennung nach fast achtzehn Jahren im Konzern zu verarbeiten versucht. Neben diesem persönlichen Anliegen bleibt aber auch für den Leser einiges an Mehrwert hängen (und als Bonus lustige Schoten wie, dass Robert Miles in der falschen Geschwindigkeit gesignt wurde – man dachte, es sei eine 45-Promo-Maxi, es war aber eine 33er: ein echter Volkmann).
Beim Lesen sind mir so drei Stränge aufgefallen. Ein Strang ähnelt dem Ansatz von Ulf Poschardt mit seinem ›DJ-Culture‹- oder seinem ›Anpassen‹-Buch: Du holst unheimlich aus, erklärst, wie es überhaupt zu Schallplattenfirmen kam, gehst auf die Gründungsmythen von den großen Indies Island und Virgin ein – um später ihr Aufgehen in größeren Konzernen zu beschreiben. Zwischendurch schmeißt du allerdings immer Persönliches rein, so Insider-mäßig, was nur für wenige verständlich kommt, wenn in einem Nebensatz Carol von Rautenkranz (L’Age D’Or) oder Charlotte Goltermann (Ladomat 2000) gedroppt werden oder Laisser-faire-mäßig die Coolness der Fanzine-Tage ausgestellt wird. Und dann ist da der dritte Strang, der Brennen-Download-Teil, wo man merkt, dass das Kern-Anliegen des Buches ist, zu zeigen: »Wir wussten das doch alles und warum Gott verdammt konnten wir das nicht umsetzen.« Also der – in Anführungszeichen gesagt – Teil der Revanche.
Also, die Rechtfertigung, die hat mich eigentlich nie getrieben. Klar, vielleicht unterbewusst, aber wir sind hier ja nicht in der Psychologie. Wissentlich war der Ansatz relativ simpel: Bevor du irgendetwas Neues startest, nachdem du eine siebzehneinhalb Jahre lange Beziehung gehabt hast, gilt es erst mal, Abstand zu gewinnen. Und wie gewinnst du Abstand? Indem du dich nicht sofort auf neue Sachen einlässt. Dafür brauchst du einen Ansprech-Blocker. Ein Buch zu schreiben ist dieer perfekte Ansprech-Blockadeer: »Bitte, ruft mich nicht an und mailt mich nicht zu. Ich schreib ein Buch.« Das hat ganz gut geklappt. Außerdem galt es, durchzureflektieren. Wie konnte es so weit kommen? Wo ist es gescheitert? Und wie könnte es gehen? Das ist ein ganz simpler Ansatzpunkt. Also, an sich ist das Buch eine vom Verlag bezahlte Selbstreflexion.
Das heißt, dass dir während der Arbeit bei Universal der analytische Blick auf das eigene Tun gar nicht mehr möglich war?
Natürlich habe ich beim Schreiben nicht wirklich neues Wissen erworben. Aber es wurden viele Sachen miteinander verbunden, die für mich vorher lose herumlagen. Wenn du eine Sache aufschreibst, kommen auch Sachen auf, wie sie diese persönlichen Laisser-faire-Einschübe kennzeichnen – du gehst aus einer siebzehneinhalb-jährigen Beziehung nicht unbeschädigt heraus. Dir wird danach etwas fehlen. Und natürlich wird es immer hart sein.
Dient der Poschardt-Teil – also das die Grundlagen aufarbeitende große Faktentum – dazu, den Leuten halt neben der persönlichen Aufarbeitung und dem Ausblick auch noch etwas anderes zu bieten?br> Nee, die ist für mich ja auch selbst wichtig. Mir geht es viel weniger darum, zu sagen: »Freunde, schaut her, das weiß ich alles.« Sondern mir geht’s eigentlich darum zu sagen: »Das ist die Grundlage, das Verständnis.« Hier repetiere ich auch erst mal für mich selbst, um zu verstehen, wie konnte es sich dahin entwickeln. Wenn du im Prozess drin bist, siehst du das nicht mehr.
Im Buch steht, dass du den Job eigentlich mit einer Undercover-Ambition angefangen hast und ein Buch über die Musikindustrie schreiben wolltest.
Hm-m, was ziemlich naiv war.
Du betonst ja, dass das Unterfangen daran gescheitert ist, dass du erkannt hast, dass die Musikindustrie Strukturen bietet, mit denen man die guten Acts fördern kann. Das geht einher mit dem Betonen, wie unheimlich wichtig die Identifikation mit dem Produkt ist. Mal rückblickend die Frage: War das in deinem Haus auch immer der Fall?
Dass die Identifikation mit dem, was du gerade tust, extrem hoch ist? Es war natürlich nicht immer der Fall bei allen Beteiligten, aber es hat bei Motor die höchste Deckung gefunden. Natürlich gab’s da auch immer Ausfälle. Natürlich gab’s da immer Momente, in denen jemand nicht motiviert war oder nur bei Motor angefangen hatte, weil er irgendwie in die Plattenbranche rein wollte. Oder jemand hat einen Alleingang gemacht und die anderen nicht gut motiviert, sodass die irgendwas damit anfangen konnten. Das gab’s, ja. Und trotzdem glaube ich, dass bei Motor in den guten Tagen diese Deckung nahezu geschafft wurde.
An einer Stelle im Buch steht, dass man Artverwandtes, also Plagiate, zulassen muss, damit nicht die anderen Firmen davon profitieren, was man aufgebracht hat. Meint: Man schiebt der eigenen Innovation noch gleich den Trend und somit Scheiß nach – das macht es ja nicht gerade leichter.
Deswegen differenzierte ich ja auch gerade: in den guten Tagen. Natürlich hat Motor dann auch Kompromisse gemacht. Diese Kompromisse haben Motor wirtschaftlich stärker, aber inhaltlich schwächer gemacht. Da wurde dann rein kaufmännisch gedacht und nicht inhaltlich wertend. Im Motivationsantrieb macht man, woran man glaubt – und wird so kurzfristig wirtschaftlich stärker, aber langfristig schwächst du die Leute in ihrem Glauben. Ist es dann kaufmännisch schlau? Nee, und das könnte auch andersrum besser sein.
Nun sprechen wir ja viel von Identifikation. Man neigt ja oft dazu, wenn man oben steht, zu denken, dass die Identifikation da ist und dass das, was man selbst als Vibe empfindet – mit Kickertisch und Arbeiten bis in die Nacht hinein –, von anderen Start-up-mäßig wahrgenommen wird wie eine Sekte.
Motor war allerdings nie richtig groß. Die größte Motor-Ausdehnung waren 32 Mitarbeiter. Sicher, Selbstausbeutung gehört dazu, aber das ist bei einem Laden wie Intro doch auch nicht anders. Den Sektenvorwurf gab es weniger von den Leuten, die rausgegangen sind – das waren auch nicht so viele –, den gab es nicht einmal in dem Benjamin-von-Stuckrad-Barre-Buch, sondern von den anderen. Die anderen fanden das bedrohlich. Es kam ja noch dazu, dass Motor ein eigenes Mitarbeiter-Merchandise gemacht hat. Ich verstehe, dass das bedrohlich aussieht für einen normalen Polygram-Mitarbeiter, wenn plötzlich eine Gruppe von 32 Leuten zum Mittagessen reinstürzt, und die sehen sich alle ähnlich und haben auch noch alle was Ähnliches an. Da hat man Angst.
Wenn du schon Benjamin und sein Buch ansprichst: An der Stelle, an der das Buch ihn erwähnt, klingt das ein bisschen gekränkt, aber du führst es nicht weiter aus.
Ich finde sogar, dass Benjamin die Schwierigkeiten von Motor gut beschreibt. Also, dass Motor nicht mehr dem eigenen Anspruch gerecht wurde und sich dann eine Zeit lang ein bisschen verloren hatte und wieder justiert werden musste. Ich habe Benjamin das gar nicht übel genommen. Der Konflikt, den ich habe mit Benjamin, betrifft die Art und Weise, wie er mit seiner Assistentin umgegangen ist. Wenn ich Geschäftsführer von so was wie Motor bin, dann stelle ich mich in den Ring. Und wenn ich im Ring stehe als Boxer, dann kann ich mich nicht großartig beschweren, dass irgendwer versucht, mir was unter die Nase zu geben. Wenn ich die kleine Assistentin bin, die Benjamin eigentlich den Arsch rettet, dann hab ich mich nicht in den Ring gedrängelt, dann bin ich da unfreiwillig. Er ist mit ihr nicht fair umgegangen. Das ist das, was ich ihm übel genommen hab. Das fand ich schwer unreif.
Rückblickend, als jemand, der undercover rein ist: Lässt sich ein Moment ausmachen, wo du angefangen hast zu grübeln? Gab es so was? Beispielsweise beim Aufweichen des Katalogs wie oben beschrieben? Oder ist es so, dass man so drin ist, dass das schleichend läuft?
Du darfst die Erfolgseuphorie nicht unterschätzen. Zumal man ja auch denkt, dass das eine auch das andere sicherer macht – was wirtschaftlich ja nicht ganz falsch ist. Das einzige Problem ist bloß – und da ist Motor ein bisschen gestrauchelt –: ‘ne gewisse Ideologie wird nie dadurch funktionieren, indem du gegen die Ideologie agierst. Das ist wie beim Stalinismus. Was Stalin wollte, war ja ein Paradies für Menschen. Das war sein Anspruch. Dass er bedauerlicherweise, um das zu erreichen, Millionen umbringen musste, bedeutete einen Konflikt mit dem Ziel. Und dieser Widerspruch zwischen Ziel und Weg führt dazu, dass du dein Ziel verlierst. Du darfst nie den Weg über das Ziel stellen – das war für Motor eine Zeit lang ein sehr brüchiges Terrain, wo auch einiges aufgearbeitet werden musste.
Wenn ich jetzt zynisch auf diese Stalinnummer eingehe, dann muss ich auf Seite 112 in deinem Buch verweisen, wo steht, dass fünfmal so viele Produkte hergestellt werden müssen, wie der Markt aufnehmen kann. »Das System brauchst Stress.« Meint: Man muss viel veröffentlichen, da es so viele Ausfälle gibt. Wie gesagt zynisch mit Stalin gesprochen: Warum nicht reduzieren? Funktioniert es denn wirklich nur, indem man sagt: »Wir haben halt von hundert Dingern nur bei drei Erfolg, aber die knallen so richtig hoch rein. Und retten die anderen 97.« Ist das wirklich die einzige Strategie?
Da muss ich fast unangenehm werden. Das ist immer so ein Schlaubergertum. Leute, die noch nie ein eigenes Label gemacht haben, kommen mit so was: »Wir wissen, wie euer Geschäft wirklich geht, ihr müsst einfach eure Hit-Rate hochschrauben.« Hey, wirklich! Auch jeder Indie-Label-Macher, wenn er sich genug mit sich selbst beschäftigt, würde bestätigen, dass man einfach eine bestimmte Flop- und eine bestimmte Erfolgsrate hat. Und das heißt, du kannst nicht großartig dein Output reduzieren, es sei denn – das ist jetzt das Verführerische an den ganzen TV-Formaten –, du verkaufst, was keine Musik ist. Wenn etwas via TV-Sendung schon etabliert ist, ist die Wahrscheinlichkeit für einen Flop natürlich gering. Aber wenn ich einen neuen Künstler anpacke, ist 1:10 schon eine realistischeerstaunlich gute Quote. Saugute A&Rs schaffen irgendwann vielleicht 1:5 oder 1:4. Es ist doch so: Wenn ich nicht Sachen versuche, dann werde ich auch nie Erfolg haben.
Du selbst sprichst später im Kontext der Lösungsansätze aber davon, dass man sich eine Stilgruppe erarbeiten muss.
Der entscheidende Punkt ist, du kannst alles oder nichts spielen – das halte ich für gefährlich auf Dauer –, oder du kannst natürlich viel geringere Mittel einsetzen. Die Verantwortungslosigkeit eines Produkt-Managers beginnt in dem Moment, wo er nicht dem Act widerspricht. Der Künstler an sich ist kein Kaufmann. Der Produkt-Manager hingegen versteht sich als Kaufmann. Wenn die Chance im sehr guten Fall 1:5 ist, dass was hinhaut, dann bedeutet das, dass der Künstler im Schnitt fünf Alben braucht, um durchzukommen. Ist Mathematik, gell? Dann sollten wir den Weg zu fünf Alben schaffen, dann sollten wir uns dazwischen Latten bauen, über die wir springen können. Wenn du immer die Latte reißt, bist du nach drei bis vier Runden raus. Genau hier kannst du dich auf die Stilgruppen einstellen. Je kleiner du diese definierst, desto weniger kostet die Kommunikation. Aber wir reden ja auch über Hits. Über richtige Hit-Erfolge – und da wird die Kommunikation eben viel teurer, um das Ziel zu erreichen.
Deine Fehleranalyse bezüglich der Industrie brauchen wir ja nicht ganz runterzubeten, es tauchen da unheimlich viele Plattenfirmen-interne- und -externe Gründe auf. Neben den behäbigen Labelstrukturen scheinen vor allem die Börsenganghysterie und die daraus resultierenden Quartals- und später Monatsbilanzen ein wesentlicher Punkt zu sein. Aber auch der Trend zu TV-Kooperationen, One-Hit-Wonder-Strategien – in letzterem Kontext ist viel von den RTLs dieser Welt die Rede, was aber war mit VIVA und MTV? Die kommen im Buch in diesem Kontext nicht vor, das war aber ein Punkt, an dem über gewisse Agreements, über Rotation versus Beteiligung am Umsatz, gemunkelt wurde.
Da gab’s ja nur einen wirklich journalistisch zweifelhaften grenzdebilen Spiegel-Artikel, in dem ein schlecht informierter Schreiberwirklich minder begabter Spiegeljournalist sich über zwei Seiten ausbreitete. Es wurde diskutiert wie man mehr Flächen für Newcomer schaffen könnte, aber das wurde nie umgesetzt, weil das für VIVA medienrechtlich bedenklich hätte seien können.mal ein bisschen diskutiert, aber nie was umgesetzt, da es medienrechtlich bedenklich war. Es gab deshalb keine VIVA-Kooperation und auch keine MTV-Kooperation dieser Art, das war ein Artikel über „heisse Luft“. Das hat mit den Problemen der Branche auch nichts zu tun.Es ist auch nicht wirklich das Problem der Branche gewesen. Das Problem der Branche ist, dass VIVA und MTV irgendwann die einzigen Kanäle waren, die Neues akustisch in der Breite kommunizierten. Aber VIVA und MTV sind beide sehr jung veranlagt. VIVA noch mehr als MTV. Wenn deine Neuheiten-Kanäle 8- bis 12-Jährige (VIVA) und 13- bis 18-Jährige (MTV) ansprechen, dann hast du ein Problem. Der A&R schiebt dann alles auf die Kommunikationskanäle, und die Künstler denken teilweise schon selbst an selbige beim Musikmachen. Wenn das Radio sich Neuem verschließt, wirst du plötzlich eine Verkindlichung der Musik erleben – um nicht nur Mainstream machen zu müssen. Und wir haben das mit Schlutumpf-Techno dementsprechend auch erlebt.
Mal ganz banal gefragt: Was ist medienpolitisch der Unterschied, wenn ich mit RTL oder Pro7 gewisse Agreements mache oder mit einem Musik-Fernsehsender?
Medienpolitisch gibt es da einen kleinen Unterschied. In dem Moment, wo ich den Künstler schon habe, und ich kaufe mir Produktionsfläche für den, hat der Sender ein Problem. Denn der Sender muss gekaufte Fläche kennzeichnen. Nicht der Käufer, sondern der Sender. Also, VIVA hätte hier ein Problem. Wenn ich zusammen mit dem Kanal einen Künstler aufbaue, der aus so einer Casting-Show herauskommt, dann ist das in der Tat medienrechtlich relativ unbedenklich.
Was ihr ja hättet machen können.
Theoretisch hätten wir eine VIVA-Casting-Show machen können. Aber wozu? Was mit VIVA diskutiert wurde, waren nicht die Rotationen für unsere großen, bekannten Acts, sondern dass sie mehr Newcomer spielen sollten. Uns interessierten auch nicht weitere Flächen für Schltumpf-Techno. Uns interessierte, dass wir das, was sonst nicht aufgeführt werden kann, performt bekommen. Und wir sagten: »Wenn ihr das macht, dann decken wir euch natürlich mit Werbung.« Das ist das, was besprochen wurde – und wo sich VIVA irgendwann mal fragte, ob sie das konkretisieren können. Sie beantworteten die Frage mit Nein, weil es medienrechtlich bedenklich sein könnte.ist, da wir wirklich Flächen kaufen würden.
Wenn wir schon das Thema Radio angeschnitten haben: Wie ist denn deine Position zu dieser enervierenden Quoten-Diskussion?
Prinzipiell – so unpopulär das bei euch und den Sendern auch ist – finde ich es richtig, dass Künstler sich bewegen und erst einmal sagen: »Hallo, liebe Öffentlich-Rechtlichen, ihr habt einen Auftrag, und wieso nehmt ihr ihn nicht wahr, ihr Arschlöcher.« Die schießen natürlich ein bisschen auf den Falschen. Die Frage ist doch: Wer bringt die öffentlich-rechtlichen Stationen in diese Situation? – Das ist die Politik. Die Politik verlangt von ihnen eine Sache, die nirgendwo festgeschrieben steht. In der Verfassung steht nicht, dass der NDR versuchen muss Marktführerschaft zu erlangen, in der Keiner hat den NDR gezwungen, zu versuchen, Marktführer zu sein. In der Verfassung steht drin, dass sie für Pluralismus sorgen müssen speziell in den Feldern Politik und Kultur und nicht für Marktwirtschaft. Es sind die Politiker, die diesen Druck ausüben, denn es sind ihre Kommunikationskanäle. Eigentlich müsste man auf die Politiker zugehen und sagen: »Hey, bitte, lasst die in Ruhe.« Eigentlich müssen die Öffentlich-Rechtlichen ihren Auftrag machen können. Dafür brauchen sie keine Kohle. Das Einzige, worüber Politiker und Rundfunkräte nachdenken sollten, ist die Qualität der Sender, nicht die Quantität der Hörer, die zudem auf eigenwillige Art und Weise ermittelt wird..
Qualitätsdiskussionen bringen einen ja immer auf das geschmäcklerische Terrain – und darüber lässt sich ja bekanntlich gut streiten. Es bedarf empirischer Handhabungen. Warum also nicht eine Quote für Nichtchartsmusik?
Eine Sache, die ich messen kann, ist Pluralismus. Also: Macht der NDR das, was alle Privat-Sender auch machen, oder macht er etwas komplett anderes? Die Frage kann ich ziemlich klar beantworten: Er macht das, was alle Privaten auch machen. Und im Zweifel macht der NDR sogar die privaten Sender platt. Siehe NDR versus OK Radio. OK Radio war ein sehr erfolgreiches Jugend-Privatradio in Hamburg und wurde durch N-Joy mal eben in die Insolvenz getriebenplatt gemacht. Das heißt: GEZ-Gelder, also Steuergelder, werden eingesetzt, um Privatwirtschaft zu ruinieren. Wieso geben wir öffentliche Gelder aus, um das herzustellen, was es schon als Klangfläche gibt? Wieso machen wir da nicht ganz was anderes draus?
Der Trend findet ja umgekehrt statt. Unser Autor Klaus Walter, der ja mit ›Der Ball Ist Rund‹ und ›Schwarz-Weiß‹ genau diese andere Klangfläche kreierte, verlor einen nicht unwesentlichen Teil seiner Senderpräsenz aufgrund neuer Konzepte des HR.
Das ist ja das Ärgerliche. Der HR hat damit argumentiert, die Quote an Zuhörern sei nicht hoch genug.auch mit der nicht stimmigen Quote argumentiert. Wo steht bitte in den Staatsverträgen, wo steht in der Verfassung irgendetwas von einer Quote?
Die Frage ist ja auch eher: Wohin führt diese leidige Deutschquoten-Diskussion? Klar, sie führt uns wohin, und zwar immer wieder nach rechts.
Das immer wenn es ums eigene Land geht von „rechts“ geredet wird, ist Quatsch und macht am Ende des Tages nur die Rechten stark. Dieses Land, diese Kultur gehört allen die darin und damit leben. Dennoch ist was das Radio angeht weniger die Herkunft sondern die Vielfalt wichtig.Die Diskussion müsste nicht »mehr Deutsches« heißen, sondern es müsste in der Tat um eine Neuheitenquote gehen. Interessant ist doch weniger, woher das kommt, und auch nicht, wie es klingt, sondern, ob ein Newcomer schon etabliert ist. Wir wollen auch die Chance, dass neue Titel gespielt werden.
Lass uns doch noch mal über die Fehleranalyse reden. Wie kann es denn aber sein, dass du – bei deiner Position, der Länge deiner Betriebszugehörigkeit und bei deiner im Verlauf ja sicherlich auch international im Unternehmen immer besseren Positionierung – über all das keine konstruktiven Debatten in Bewegung setzen konntest? So ein Debakel mit eurer Internetshop-Plattform erscheint doch x Jahre, nachdem man erstmals über die aufkommenden Probleme diskutiert hat, wirklich abwendbar. Wie konntest du denn so lange gegen eine scheinbar unüberwindbare Wand anrennen?
Das ist ein Frage der Zähigkeit und nur mit der kannst du auf Dauer große Systeme verändern.Indem man zäh ist. Du kannst diese großen Themen nur durch Zähheit verändern. Aber klar, am Ende des Tages, das ist ja wieder das Ärgerliche, habe ich dieses Spiel nicht gewonnen. Aber ich habe in dem Spiel wenigstens das eine oder andere Tor geschossen. Das SchlimmstÄrgerlichste beim Abgang ist eigentlich der Zeitpunkt: Wir hätten das Phonolineieses ganze Debakel verhindern können, der deutschen Musikwirtschaft einen echten, internationalen Vorsprung verpassen können. Wenn nur einer darauf gedrängt hätte, dass umgesetzt wird, was bereits zwischen den Firmen vereinbartversprochen war hätte es geklappt. Der Eine hätte ich sein können. im Vorhinein. Dann hätte die deutsche Musikwirtschaft wesentlich weiter sein können. Aber es gibt viele Punkte, die hat man über die Jahre immer wieder angesprochen aber war selbst nicht a hat man sich über Jahre den Mund gesabbelt und war nicht aggressiv genug – das ist durchaus selbstkritisch gemeint-ie Eigenkritik – inm der UmsetzungUmsetzen. Was ich gelernt habe aus meiner Zeit in einem großen System: nicht zu fragen, sondern einfach zu handeln.
Im Buch schreibst du ja, dass viele A&Rs insofern gehandelt haben, als dass sie eigene Firmen aufgemacht haben. Warum nicht du?
Das waren alles Dance-A&Rs und die haben einen riesigen Vorteil im Gegensatz zu jemandem wie mir, sie haben es mit Produzenten zu tun. Die Produzenten sind nicht gebunden. Sie konnten also die Produzenten, mit denen sie gute Erfahrungen gemacht haben, mitnehmen. Aber meine Künstler waren natürlich an das Label gebunden. Das ist ganz schwierig für jemanden, der ein Kind adoptiert hat, zu sagen: »Okay, ich lass den Jungen jetzt allein.« Deshalb fiel mir ein Gehen immer sehr schwer. Wir haben ganz häufig diskutiert, ob wir nicht Motor einfach versuchen rauszulösen ...
Du hast dir ja den Namen geschützt. Und heut Abend spielen auf deinem Popkomm-Event Rammstein und Virginia Jetzt!. Man hätte sich auch vorstellen können, dass da so eine Klausel in dem Vertrag drin ist, die durchaus so weit geht ...
Nee, nee. Also, der große Fehler, den ich diesbezüglich gemacht habe, ist, zu feige gewesen zu sein, mit ins Risiko zu gehen bei der Motor-Gründung. Ich hätte eigentlich sagen müssen: »Liebe Polygram, 50 % ich, 50 % ihr.« Dann hätte ich auch eine andere Freiheit gehabt mit den Künstlern. So ist es 100 % im Besitz des Konzerns. Mir fiel das Gehen jetzt viel, viel leichter, weil das waren ja schon nicht mehr meine Künstler. Ich war ja am Ende im Universal-Präsidenten-Job ein bisschen entkoppelt von dem allen. Als Motor-Chef wär’s mir noch viel schwerer gefallen.
Die letzte große Schlacht, wo du bestimmt ja noch dachtest, dass es noch mal rumzureißen sei, war doch der Berlin-Umzug. Oder?
Ja, in dem Moment habe ich sehr wohl noch dran geglaubt. Ich habe mir eigentlich sehr, sehr lange meinen Glauben, eine gewisse Naivität bewahrt – und ich konnte auch immer an den wichtigsten Entscheidungspunkten mit einem »Nein« viele Sachen abblocken. Die Idee war: Wenn ich konsequent genug andere Sachen durchziehe, kann ich Realitäten schaffen. Ein Ding, wo ich mich im Nachhinein mörderisch ärgere, ist beispielsweise, mich bei Popfile immer darauf eingelassen zu haben, zumindest einen Kopierschutz draufzuhaben. Was für ein Schwachsinn, das ist inkonsequent. Wenn ich schon die Regeln breche, dann konsequent bitte. Und der andere Punkt war, dann eben doch nicht klar genug »Nein« gesagt zu haben.
Wie siehst du denn jetzt deine Situation? Hast du das Gefühl, du stehst jetzt so draußen als Beobachter, so als ‘ne Art Oskar Lafontaine mit seiner neuen Linkspartei, die noch mal dasselbe auf so einer menschlichen Ebene ins Gespräch bringt, oder siehst du dich noch als Teil des Ganzen?
Um Gottes willen, wenn ich eins nicht werden will, dann ist das der Lafontaine der Musikbranche. Das ist ein Alptraum. Aber um den Lafontaine-Vergleich aufzugreifen: Ich sehe mich eher wie Willi Brandt nach seinem Rücktritt als Kanzler. Es geht jetzt darum, in der sozialistischen Internationale die Kräfte zu bündeln und dafür zu sorgen, dass generell die Bewegung in die richtige Richtung geht, auch wenn das konkrete Objekt, das Land Deutschland, im Fall Willi Brandt gar nicht greifbar ist.
Dein Lösungsmodell für die ganze Bredouille setzt natürlich unheimlich mündige Künstler voraus. Du schlägst ja eine 50%/50%-Firma aus Künstler und Manager vor, bei der alles, was aus Verkäufen, Verlag, Touren etc. reinkommt, fair geteilt, aber eben auch gemeinsam erarbeitet wird. Mal von den vielen Künstlern abgesehen, die das gar nicht überblicken können, ist es ja auch so, dass das System der multiplen Player von den Künstlern gewählt wurde, damit diese sich gegenseitig kontrollieren und pushen. Der Verlag macht dem Label Druck. Das Label macht dem Touragenten Druck ... Deine Idee, sich auch die Verlagsrechte zu sichern, ist ja nicht neu, aber das ging bislang wahrscheinlich meistens nicht, da sie eben schon vergeben waren in dem Moment, wo eine Band gesignt wurde. Das viel größere Problem dürfte aber werden, dass die erste Band sich sicherlich von dir überzeugen lässt, und vielleicht noch die zweite, aber dann wird dein Zeitpotenzial knapp. Eine potenzielle dritte Band will doch the real Tim Renner und nicht einen – wenn auch sicherlich kompetenten – Mitarbeiter von dir.
Dennoch: In der Zukunft muss man rundum denken, wie es ein Manager tut. Die Managerfähigkeiten sind ja weiter gehender als die von Plattenfirmen oder Verlegern. Du musst verschiedene Geschäfte kennen, einschätzen und mitlenken können. Das heißt, du musst von dir und anderen Management-Skills verlangen. Der Job bestand in der Vergangenheit immer schon aus der Suche nach Talent. Ob diese Talente Musiker sind oder Leute, die Musiker managen können – am Ende ist es immer noch eine Talentsuche. Da hab ich mich eigentlich immer ganz wohl drin gefühlt: Talente zu suchen, Talente aufzubauen. Egal, ob mit Instrument oder hinter dem Schreibtisch. Das wird auch in Zukunft mein Bestreben sein. – In der Bibel geht es immer darum, was angestrebt ist, um die Heiligkeit zu erlangen. Den wenigsten gelingt das. Du wirst nie dem Heiligsein nahe kommen, wenn du nicht das absolute Ziel rauskriegst.
Würdest du sagen, dass die Hauptursache für die Probleme die Abhängigkeit der Musikindustrie war? Wobei sie ja nie unabhängig war. Früher waren es Elektronikhersteller, dann Whiskey-Hersteller und heute eben Energieunternehmen. Gemäß dem Prinzip »Schuster, bleib bei deinen Leisten«: Hat das Controlling von Leuten, die zu wenig mit der Branche zu tun hatten, die Probleme dynamisiert?
Ja. Das Absurde ist: Die Musikindustrie ist ein bisschen an ihrem eigenen Erfolg gescheitert. Dadurch, dass die CD so ungeheuer erfolgreich war und so derartig hoheungeheure Margen abgeworfen hat, wurden plötzlich Begehrlichkeiten von ganz anderen Industrien geweckt, reinen Kapitalinvestmentfirmen. Und wenn du ein reines Kapitalinvestment bist, dann wirst du hundertprozentig der Logik des Kapitals unterstellt. Das muss kein Problem sein, wenn du ein Management hast, das gewohnt ist, damit umzugehen. Das war das Musikmanagement in der Regel nicht.
Würdest du in der Konsequenz auch sagen, dass du an deinem eigenen Erfolg gescheitert bist? Da ist diese eine Stelle, wo ganz kokett steht: »Motor war zu erfolgreich, und ich musste Polygram übernehmen.«
Wenn man die Meisterschaft gewonnen hat, übernimmt man natürlich auch gerne die Kapitänsbinde in der Nationalmannschaft. Der Aufstieg ist nicht das Problem, nerven tut das man im Gegensatz zum Fussball in diesem Job seinem ursprünglichen Verein, nämlich Motor, nicht treu bleiben kann, wenn man das macht.Um beim Fußballfeld zu bleiben: Wenn du gerade einen Hattrick hast, dann stürmst du natürlich weiter ungestüm aufs Tor – und bist durch den kleinsten Verteidiger leicht verletzbar.
Wie sehr korrumpiert es denn, in so einem Erfolgssystem zu sein? Gestern Abend erzählte uns jemand, er habe dich vor Jahren mit ‘nem Maybach während der Popkomm. beim Absturz-Mexikaner vorfahren sehen.
Ich bin in meinem ganzen Leben noch nicht Maybach gefahren! Erstaunlich, was ich schon alles gemacht haben soll. Ich glaube nicht, dass man sich zwingend korrumpieren lassen muss. Der Trick, zu dem ich allen, die Erfolg haben, nur raten kann, ist, den persönlichen Lifestyle viel geringer anzusetzen, als das Geld es zulässt, das man temporär verdient. Das ist die einzige Möglichkeit, wie du Abhängigkeit vermeiden kannst. Nippe mal am Luxus, aber bitte nicht in großen Schlucken trinken, das macht abhängig. Und das habe ich nie getan.
Was ist denn jetzt dein nächster Schritt? Motor.de, so, wie es derzeit aussieht, kann es ja noch nicht sein.
Wie am Anfang des Gesprächs gesagt, geht es zunächst ums Sammeln und Konzentrieren. Das heißt: Buch schreiben, Buch kommunizieren. Der zweite Schritt ist der Aufbau einer Kommunikationsplattform, also, sich die Demokratisierung der Kommunikation, der Herstellung, der Distribution zunutze zu machen, die Chancen der Digitalisierung wahrzunehmen. Dazu gehört die Pflege und das Interessant-Machen von motor.de – das ist eine Gemeinschaft, die hinter uns steht und die wir jetzt eigentlich noch besser bedienen können als vorher, weil es nicht mehr die Abhängigkeit einer Hinführung zum Verkauf gibt.
Kam da denn ein großer Feedback-Schub aus der Gemeinschaft auf deine Entlassung hin? In den Jahrescharts von Intro und Spex war ja das Label Motor immer sehr gut platziert, von daher müsste da ja doch einiges gegangen sein.
Da es keine Entlassung war, sondern ein Abschied aus inhaltlichen Gründen, war das Echo überwäligend und extrem Das Feedback war bestärkend. Das sorgt dann schon für so einen Hurra-Moment, von wegen: »Jetzt ohne die Last erst recht.« Dazu gehört natürlich auch der Motor-FM-Plan. Das soll eine wunderbare Distributionsplattform werden. Die Leute sollen bei uns tolle Musik hören und sie auch mit einem Klick kaufen können. Zu diesem Distributionsgedanken gehört natürlich auch der gemeinsam mit den Künstlern betriebene Aufbau von Rechten. Das ist dann die dritte Stufe des Plans.
Zum Schluss noch die Frage nach einem unserer absoluten Lieblingsalben: ›Sozialpark‹ von Milch. Wir haben ja jetzt viel von Enthusiasmus gesprochen: Fandest du die Platte damals wirklich nicht gut, oder waren es nicht doch andere Gründe, warum sie nie erschien?
Ganz ehrlich? Nein. Kennst du die Demos? Die waren aus meiner Sicht zehntausendmal besser als das, was Armin nachher daraus gemacht hat. Sein Produzent Harald Faltermayer hat leider einen Job gemacht, der allen Respekt, den ich für ihn hatte, ruinierte. Er kommt von hervorragenden Demos auf das.
Motor Music
Von Renner ins Leben gerufene Subabteilung im damaligen Hause Polygram. Sie sollte leider (so gewertet präsentiert der Autor den Aufstieg im Buch) so erfolgreich werden, dass Motor erst eigenständig wurde und er dann auch noch zum Chef des Mutterhauses aufstieg – der Anfang vom Ende seines glücklichen Nischendaseins. Mit dem nächsten Schritt zum Universal-Deutschland-Chef fand er sich dann fast nur noch in Übernahme- und Einsparungsmeetings wieder. Mit Motor Music bauten Renner und sein Team Acts wie Sportfreunde Stiller und Virginia Jetzt! auf – allerdings auch Rosenstolz und Rammstein. Den Namen hat sich Renner damals übrigens gesichert, weshalb er heute motor.de und Motor FM machen kann.
Motor FM
Neben der Internetplattform motor.de, auf der eine Pop-Erlebnis-und-Einkaufs-Welt geboten werden soll, widmet sich Renner derzeit vor allem Motor FM, seinem ambitionierten Downloadradioformat. Peu à peu sollen im gesamten Land Radiofrequenzen erworben werden. Die erste in Berlin ist ihm sicher: 106,8.
Element Of Crime
Die erste Band, die Renner für die Polygram unter Vertrag nahm und an der sich sehr schön erkennen lässt, wie wichtig das langfristige Denken beim Künstleraufbau ist. Es dauerte einige Alben, bis die Band sich richtig für das Unternehmen rechnen sollte. Dann aber eben so richtig. Element-Of-Crime-Frontmann Sven Regener ist mittlerweile auch als Autor aktiv. Zuletzt erschien mit ›Neue Vahr Süd‹ (Eichborn) der Nachfolger zu seinem urerfolgreichen Debütroman ›Herr Lehmann‹.
Berlin
Renner war nicht nur der Hauptmotor des Umzugs des Universalkonzerns von Hamburg nach Berlin, sondern regte dies auch für die Popkomm. an. Nun sind beide in der neuen Hauptstadt angekommen – die einen sind trotz massiver Subventionen mittlerweile deutlich entschlackt worden, die anderen müssen erst noch beweisen, dass die diesjährige Popkomm. mit ihrer Steigerung zum Vorjahr nicht nur der Anfangsneugierde geschuldet war, sondern längerfristig eine Perspektive für eine Popmusikmesse in Deutschland ist – hierzu siehe auch die Nachlese von Ralf Niemczyk in dieser Ausgabe.
Artikel kommentieren
Mehr Infos
Kommentare
Artikel kommentieren [8]- Mehr Forumsdiskussionen
schunkel 14.11.2004 | 16:40:15
In der aktuellen ZEIT ist ein längeres Interview mit 2raumwohnung-Sängerin Inga Humpe, in dem sie sich ziemlich über Renner und seine Pose als neuer Pop-Heilsbringer auslässt. Sie kenne genug Leute, deren Karrieren er beendet und zerstört hat.
Wen meint sie?
Beim nächsten Mal bitte mal in die Richtung nachfragen. Danke.
russischkoks 14.11.2004 | 22:41:01
Möchte sowieso mal wissen, woher die Verehrung für diesen mann in den verschiedensten Gazetten kommt. Was hat der denn tolles gemacht???
psychonaut 14.11.2004 | 22:44:02
Transcript von spreeblick.de der Anhörung im Bundestag zum Thema “Deutsche Quote im Radio”:
Bundestag: “Guten Bundestag! Kleiner Scherz, sind ja alles junge Menschen hier.”
Udo Lindenberg: “Hallöchen Popöchen, was brennt im Parlament? Wo erklärt der Gerd? Ist mein Sonderzug schon abgefahren?”
Bundestag: “Herr Lindenberg, kommen Sie bitte zur Sache.”
Udo Lindenberg: “Ja, das ist doch wohl klar wie’n Korn, wir sind weit vorn, also mit anderen Wörtchen, ich find das nicht so geschmeidig, dass keine Sau mehr meine Platten hören will und ich find’s ganz super dufte, dass jetzt hier so viele coole Freaks zusammen…”
Bundestag: “HERR LINDENBERG”
Inga Humpe: “Also, was der Udo meint, ist dass wir mehr deutsche Musik im Radio brauchen. Jahrelang rackere ich mich erfolglos mit DÖF und 2raumwohnung ab und meine Schwester produziert Bands wie die Prinzen und Lucilectric, aber nie werden wir im Radio gespielt!”
Bundestag: “Aber Frau Humpe, gerade ihre Produkte und die ihrer Schwester gehören doch zu den erfolgreichsten deutschen Produktionen?”
Inga Humpe: “Ach ja. Das hatte ich vergessen.”
Antje Vollmer: “Aber es geht doch auch um die jungen deutschen Künstler! Immer höre ich nur diese amerikanischen und englischen Bands. Immer nur Scorpions, Beatsteaks, Modern Talking und diese furchtbare Negermusik von Seeed.”
Bundestag: “Aber das sind doch alles deutsche Bands, Frau Vollmer.”
Antje Vollmer: “Ach ja. Das hatte ich vergessen.”
Gerd Gebhardt: “Sehr geehrter Bundestag, darf ich mich vielleicht als Vertreter der Industrie zu Wort melden? Ich habe die letzten Jahre in meinem Amt damit verbracht, sinnlos gegen die neuen Medien zu arbeiten, schwachsinnige Kampagnen wie Copy Kills Music zu unterstützen und bin nicht unbeteiligt an den teilweise erfolgreichen Versuchen meiner Branche, Jugendliche zu kriminalisieren, weil sie Daten tauschen. Aber irgendwie ist da jetzt die Luft raus. Ich musste mir was neues einfallen lassen. Und da dachte ich an meinen alten Kumpel Heinz-Rudolf Kunze, der schon…”
Heinz-Rudolf Kunze: “GENAU! Ich war zuerst da! Ich hab schon in den 80ern keine Platten mehr verkauft, aber wissen sie noch? (singt) DEIIINNN ISSSST MEIN GAAAANZES HERZZZZZ!”
Bundestag unterbricht: “Herr Kunze!”
Heinz-Rudolf Kunze: “Entschuldigung. Also jedenfalls will ich auch mal wieder ins Radio.”
Yvonne Catterfeld: “Wann ist denn eigentlich immer Bundestag? Jede Woche?”
Claudia Roth: “Ich war ja früher mal Managerin von Ton Steine Scherben und die waren auch immer für mehr deutsches.”
Bundestag: “Das stimmt doch gar nicht.”
Claudia Roth: “Ach ja. Das hatte ich vergessen.”
Sebastian Krumbiegel (Prinzen): “Die sollen dann auch bestraft werden, die Radios, wenn die nicht genug deutsche Musik spielen. Im Osten gab’s auch Strafe, wenn die Musik nicht stimmte, hat uns ja auch nicht geschadet.”
Bundestag: “Doch.”
Yvonne Catterfeld: “Macht Oli P. eigentlich auch mit? Und die Bösen Onkelz?”
Xavier Naidoo: “Ich spüre eine unglaubliche Liebe hier in diesen Räumen.”
Peter Maffay: “Okay, Mann, jetzt kommen wir doch mal zur Sache, hey, total. Mann, ich bin schon so lange im Geschäft, ey, und…”
Heinz-Rudolf Kunze: “Ich will aber ins Radio! Jetzt!”
Bundestag: “Also was fordern sie denn nun alle?”
Jim Rakete: “Ich hab noch ganz viel schwarz-weiß Filme übrig und ich will eine Quote, dass mindestens 50 Prozent aller Fotos in deutschen Magazinen von mir sein müssen.”
Peter (Rosenstolz): “Ich will, dass 70 Prozent aller Frisöre schwul sein müssen.”
Bundestag: “Ist schon lange durch.”
Peter (Rosenstolz): “Ach so. Super. Kam das im Radio?”
Tim Renner: “Ich will in den Bundestag!”
Bundestag: “Sind sie doch gerade.”
Tim Renner: “Ach ja. Das hatte ich vergessen.”
Udo Jürgens: “Ich will, dass Musikredakteure im Radio mindestens so alt sein müssen, wie ich. Also 70.”
Bundestag: “Ist auch schon lange durch.”
Udo Jürgens: “Ach ja. Das hatte ich vergessen.”
Udo Lindenberg: “Also jetzt bleibt mal alle geschmeidig und nun sag doch mal, Bundestägchen, ob das jetzt so okay geht mit der Quote im Radio?”
Bundestag: “Nö. Verpisst Euch.”
http://twenfm.mint.de/81.2.html
Suggs 14.11.2004 | 23:00:46
Hier der Link zum Humpe-Interview, in dem sie Renner disst: http://www.zeit.de/2004/47/Humpe_47
psychonaut 14.11.2004 | 23:08:50
Tim Renner in "DIE Zeit" 2001:
Am wichtigsten ist das Mischpult
Von Tim Renner, President & Chief Executive Officer Universal Music
In meiner Wohnung stehen zwei Stereoanlagen. Da ist einmal der Braun-Schneewittchensarg, den ich meiner Mutter abgeschwatzt habe. Der sieht nicht nur gut aus, sondern klingt wegen der Röhrentechnik auch sehr warm. Leider kann ich damit nur noch Radio hören, was in Hamburg nicht gerade meinem Geschmack entspricht. Deshalb handelt es sich eher um einen dekorativen Staubfänger.
Meine handelsübliche Anlage hat einen Kenwood-Verstärker. Der Marke bin ich treu, seit ich von meinem Konfirmationsgeld meine erste Anlage gekauft habe. Der Verstärker ist eigentlich viel zu schwach für den Rest. Deshalb schaltet er sich ab einer bestimmten Lautstärke einfach aus. Daran habe ich nie etwas geändert, weil wir gegenüber von einem Krankenhaus wohnen und man dort nicht sehr amüsiert ist, wenn ich aufdrehe. Der CD-Player ist von Technics. Aber das Wichtigste bei mir sind zwei Technics-1210-Plattenspieler, das DJ-Standardmodell. Dazwischen steht das beste Mischpult für Leute, die eigentlich gar keine guten DJs sind: das Pioneer DJ-M500, ein Geburtstagsgeschenk von Petra, meiner Frau. Der Mixer hat eine Effektleiste mit Reverb, Flanger, Echo, Delay. Damit geht alles ineinander. Außerdem hat das Ding einen automatischen Beat-Zähler. Damit kann auch der unbegabteste Mensch seinen Gästen gegenüber so tun, als sei er ein brillanter DJ. Wir haben häufig Gäste. Irgendwer fängt immer an, aufzulegen. Ab einem bestimmten Trunkenheitsgrad kommt dann auch das gefürchtete Set »Das war der deutsche Underground der späten Siebziger und frühen Achtziger«. Aber das ist nur ab 2,0 Promille aushaltbar.
Die Boxen? Weiß ich gar nicht genau. Ein Sonderangebot aus dem Media-Markt. Teure Anlagen sind vielleicht ein exotisches Hobby, so wie manche Leute Briefmarken sammeln. Aber dieses Hobby habe ich nun mal nicht. Zwischen beruflichem und privatem Hören kann ich kaum unterscheiden. Petra hat ja auch ihre Plattenfirma, und wenn wir abends zu Hause abhängen, spielen wir uns gegenseitig neue Sachen vor. Dazu hört auch meine Tochter extrem viel Musik. Sie ist acht und steht auf Britney Spears. Der Kompromiss liegt zurzeit bei der Gruppe 2Raumwohnung.
Für unterwegs benutze ich etwas, das ich kaum sagen darf. Aber ich liebe es: eine so genannte Personal Juke Box. Die ist kaum größer als eine Zigarettenschachtel und speichert 1200 Stunden Musik im MP3-Format. Manche Leute in unserer Branche halten die PJB für das Ende der Musikindustrie. Damit höre ich auf Reisen Demos und Neuerscheinungen durch - und scheitere jetzt schon manchmal am Kopierschutz.
(c) DIE ZEIT 35/2001
Social Network Login

Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
MEIST GEKLICKT
- 01 Wes Anderson / Moonrise Kingdom...
- 02 Light Asylum - im South by Southwe...
- 03 The Hives - Größenwahn als Inszenierung
- 04 Woodkid / Yoann Lemoine - Vom Kind...
- 05 Best Coast - Coverstory
- 06 Damon Albarn - Ich habe immer das ...
- 07 Friends - Live is life
- 08 Im Koffer der... - Scissor Sisters
- 09 Auf Reisen mit... - Ladyhawke
- 10 Hot Chip - Auf dem Laufsteg
- ... mehr
INTRO-TV
- » ESC 2011: Unsere Favoriten...
- » SXSW / South By Southwest 2011...
- » In Bed With Kreator - Videobl...
- » So wars bei der Gamescom - In...


