Bis zum Mond
26.10.2004, 11:58, Text:
Pascal Blum,
Pascal Blum
24.-26.09. – Barcelona
Man kann sich einen Spaß daraus machen, Dinge aufzuzählen, die an Barcelona übel sind. Aber weit kommt da niemand. Außer, dass die älteren Taxifahrer mit halb geöffneter Hintertüre sofort weiterfahren, wenn man sie auf Englisch anspricht, fällt selbst dem letzten Zyniker nichts ein. Okay, Taxis kriegt man generell schwer. Ansonsten aber alles da, dieses blaue große Ding direkt vor den Füßen – diese blutend und müde von dem endlos neugierigen Durchlaufen irgendwelcher engen Seitengässchen. Die Tourismusbehörde leistet ganze Arbeit und treibt gigantische Menschenmassen sehr präzise quer über verkehrsstarke öffentliche Plätze; immer in verschiedene Richtungen.
Jeden Abend ist die halbe Stadt für irgendeine Fiesta abgesperrt, und kein Mensch scheint hier zu Hause zu bleiben, um ein Buch zu lesen. Aber der Reihe nach.
Ende September sahen sich fast 30 Studenten aus ganz Deutschland das erste Mal. Als Gewinner von Exklusivreisen zur Southern Comfort Pre-Semester Party sollte es für ein Wochenende in eine bis zum Abflugtag geheim gehaltene europäische Metropole gehen. Frei nach dem Motto: erst die Party, dann das Wintersemester. Flug, Viersterne-Hotel, alles inklusive. Mehr wurde aber nicht verraten. So standen die Studenten am Flughafen und warteten gebannt auf die Tickets. Barcelona also. Intro verloste übrigens auch: Die zwei Gewinner waren aus Düsseldorf und haben automatisch teilgenommen, weil sie Abonnenten sind. Da seht ihr mal. Sehr gut, sehr richtig.
Es war eine Art Klassenfahrt, nur ohne durchkomponierte Kulturprogramme und mit vielen Longdrinks. Also etwas sehr Lustiges. Erster Tag: Hotelbezug, Apéro in einer Bar mitten in der Altstadt, freies Umherschweifen. Die meisten waren am Hafen. Zweiter Tag: Freies Umherschweifen bis um halb neun, wieder waren fast alle am Hafen. Nach einem köstlichen Essen ging es weiter, an der feiernden Working Class vorbei, zum eigentlichen Partyhöhepunkt in den CDLC, den Carpe Diem Lounge Club, wo für die Gewinner eine Lounge mit Longdrinks in allen Mischmöglichkeiten hergerichtet worden war. Gleich am Stadtstrand gelegen, direkt unter der Promenade und mit eigener Terrasse zum Meer, gilt der Club schon wenige Monate nach der Eröffnung als einer der besten Tanzorte der Stadt. Warum allerdings ein Nachtclub »Nutze den Tag« heißt, wurde nicht ganz klar. Vier Stunden später: Der DJ dreht den Ton ab, kurz darauf geht das Licht an. Eine bis eben noch wild tanzende Menschenmenge kneift die Augen zusammen, dann fordern alle lauthals den DJ auf, wieder die Musik anzumachen. Eben spielte er noch Seelenlufts Überhit ›Manila‹. Die Arme in der Luft, trotz Drinks in den Händen. Freudetrunken taumeln kurz darauf die Besucher des Clubs CDLC nach draußen. Und stehen mitten auf der Strandpromenade am Platja Barceloneta. Einem Mann mit dem Transparent »Nutze die Nacht« sind einige dann auch noch gefolgt, in eine weitere Disco, die hieß Mond. Um acht Uhr morgens kam der Shuttle-Bus zum Flughafen – nutze den Tag! Schlafen kann man dann im Wintersemester. Es kann kommen.
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