Radio Dept.

A Dream Of Pop Music

01.09.2004, 15:41, Text: Pascal Blum, Pascal Blum

Was macht ein schwedisches Pop-Quartett auf dem XL-Roster, gleich neben den White Stripes oder The Prodigy? In erster Linie sehr schönen, schüchternen Indie-Pop. Das Radio-Dept.-Debüt erschien schon vor eineinhalb Jahren bei Labrador, wurde jetzt aber von XL lizenziert. Mitbegründer Johan Duncanson erklärt den Albumtitel ›Lesser Matters‹ damit, dass die Welt-Probleme doch viel wichtiger seien als die privaten Rätsel, Musik kann da höchstens Trost spenden. Was die Schweden fest vorhaben. Zwischen »macho riff-based rock music« à la The Hives und expliziten politischen Lyrics würden sie zwar noch immer an einer eigenen Sprache arbeiten – die emotionalen Songs klingen aber schon jetzt überzeugend klar nach End-80er-Jahre: nach My-Bloody-Valentine-Stimmung und Pet-Shop-Boys-Melodien (kein Emo, diese Gitarren-Klagewand!).

Die Band besteht eigentlich schon seit 1998, wurde anfänglich als »the music department within a greater collective« von kunstinteressierten Malmöern gegründet. Heute ist dieses Department das erfolgreichste, die E-Mails kommen aus dem Ausland. Im Song ›1995‹ wünschen sich Radio Dept. zurück in das Jahr, als sie das erste Mal verliebt waren – und die Musik besser war? Von Anachronismus will Johan nichts wissen: 1995 sei Metapher für das erste Verliebtheits-Gefühl, nostalgisch seien sie nicht. Bei den Schwätzern, die sagen, seit 1960 gäbe es keine gute Musik mehr, wird er sogar aggressiv: »I want to scream in their faces!« Außer Rockmusik höre sich die Band alles an, bei XL fühle sie sich vor allem mit The Avalanches verbunden, die ebenso auf Stimmungsfang sind und auch keine »richtige« Pop-Musik machen – diese vielmehr andeuten, davon träumen: a dream of pop music. Eine bessere Auslegung von Harmonie muss man erst mal finden.



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