The Go! Team

Power To The Bastard-Pop

01.09.2004, 15:33, Text: Pascal Blum, Pascal Blum

»Scha-atz, für welches Team sind wir?« – »Für das Go! Team, Honey. Das sind echte Bastards. Die haben zwei Schlagzeuge. Die hauen alles kurz und klein.«

Mit Titeln wie ›Junior Kickstart‹ oder ›The Power Is On‹ auf ihrem Debüt ›Thunder, Lightening, Strike‹ könnte das Go! Team auch gleich das Branding für Yellow Strom machen. Support your local Elektrizitätswerk. Nach einigen 7-Inches und einem Polyphonic-Spree-Remix hat die mittlerweile sechsköpfige Band um den britischen Harmonika-Spieler Ian Parton ein engmaschiges Sample-Album eingespielt, auf dem aus vermeintlich altbekannten Sounds eine gänzlich neuartige Pop-Collage zusammengemengt wird.

Vordergründige Referenzpunkte sind Sonic Youth oder Jackson 5, 80s-Theme-Tunes, White Noise und Motown-Trompeten für den Moment im Film, in dem Superhero die verzweifelte Jungschauspielerin vor dem sicheren Tod bewahrt.

Dagegen verwehrt sich Ian Parton aber gleich: Filme seien eigentlich gar nicht ihr Hut, und wer sie eine Soundtrack-Band nennt, soll zurückgehen, wo er herkommt. Denn der Sample-Pool ist von 60s-Sachen über Elektro bis hin zu Rap-Loops ohnehin bis obenhin gefüllt, und überhaupt wird auch noch gesungen, konsequenterweise aber so unverständlich, dass die Lyrics gleich auf ein weiteres Instrument reduziert werden. »Vocal teamwork«, nennt es Ian selbst, ein Sound-Kauderwelsch, bei dem alle mitmüssen. Go, Team. Eine postnormale Konfusion. Dazu: eine unfassbare Lo-Fi-Produktion mit scheppernden, roomey Drums. Ginge das nicht auch sauberer? «Oh god, no.« Clean sei »too mainstream«, so Ian. The Go! Team sind die ambitionierteren Avalanches (»too discoy«), die interessanteren Lemon Jelly sowieso und auch die bessere Tarantino-Soundspur. Aber nenn sie nie eine Soundtrack-Band. Live sieht man sie auch nicht als übles Brass-Ding, aufgetreten wird in klassischer Band-Formation mit zwei Drumkits, die Bläser werden gesampelt. Eigentlich, so Ian, sei The Go! Team nicht weit weg von dem, was Soulwax als 2 Many DJ’s gemacht haben: zusammenmixen, was scheinbar nicht zusammengehört. Die Richtung ist dieselbe, das DJ-Prinzip fließt bei Soulwax ja in der Grundidee auch in ihr neues Band-Album ein. »Damn, they got that one first«, wundert sich Parton, als ich es ihm erzähle. Nicht ganz. Bei The Go! Team gibt’s die dramatisch überhöhte Machart dazu, »good at getting a crowd going on«. Sie nehmen die stilistische Methode des Bastard-Pop auf – mit der Ausnahme Soulwax in einer stumpfen Doofheit verschwunden – und lassen den Starkstrom-Sound in bester Indie-Tradition durch den Lo-Fi-Filter laufen. Dabei setzen sie aber niemals auf simple Gags. Ein neues Genre? »Not far-off«, meint Ian. Nur der Name dafür fehlt noch. Am besten irgendwas mit Power drin. Muss man gehört haben, bevor Yellow Strom sich melden.



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