The Mooney Suzuki

Die L.A.ness des Garagen-Sounds

21.07.2004, 15:11, Text: Carsten Schumacher, Carsten Schumacher

»Als wir unser letztes Album in Detroit aufgenommen haben, haben wir die natürliche Detroitness unserer Umgebung als Einfluss auf die Platte zugelassen, und dasselbe geschah wohl nun mit L.A.« Eine sensitive Band, diese Mooney Suzuki. Kaum weg von der Ostküste, wird sofort die neue Grundstimmung absorbiert. Seit 1997 beschwören sie die Garagen New Yorks, wurden aber im Gegensatz zu den Strokes, den Yeah Yeah Yeahs und Interpol erst sehr spät von der Hypewelle des eigenen Sounds erfasst. »Als die Strokes dann diesen Erfolg hatten, wollte wahrscheinlich niemand zugeben, dass er bei uns noch nicht rechtzeitig dabei war«, unkt Sänger Sammy James Jr.

über diese Frustbeule. Aber hey, vom winzigen Szene-Indie Estrus zur Major-Company Columbia und so mitten in die Arme von Britneys Produzententeam The Matrix in L.A., das klingt nach massiver Aufholjagd. Und keine Angst: ›Alive And Amplified‹, das neue, dritte Album, zeugt weniger von Ausverkauf als von einem tapferen Kampf mit den Hitmachern. Was in bester Tradition von MC5, Rolling Stones und den Kinks begann, knickt nicht plötzlich Richtung Avril Lavigne ab, sondern löst sich einfach vom Detroit-Sound des letzten Albums. Wer die Can-Sänger auf dem Namensschild trägt, will schließlich auch nicht im Epigonen-Sumpf erbleichen. »Als wir mit unserer Band anfingen, hab ich sehr viel über 60s-Music gelesen, über diese konstante Rivalität damals. John Lennon hat immer beobachtet, was Bob Dylan so gemacht hat, woraufhin er auch introspektiver und folkiger wurde, und Brian Jones hat derweilen die Beatles betrachtet und so weiter.« Ergo: Mitdenken, Freude schenken, und plötzlich haben Mooney Suzuki eben diese L.A.ness, der manche schon einen »Sweet/T.Rex-Vibe« attestieren. Die Westküsten-Atmosphäre, so Sammy James Jr., habe wohl auch dafür gesorgt, »dass etwas Van Halen mit reingerutscht ist, aber das ist verantwortbar.« Als die Band im Studio war, kam gerade ›Room On Fire‹ der Strokes raus. »Ich hab sie mir immer wieder angehört, weil sie mich so an New York erinnert hat«, gesteht der Sänger immer noch ein kleines Stück Gemeinsamkeit mit den Internatsschülern aus Manhattan und sich selbst das Heimweh ein. Mit den Hives sei man ja auch befreundet und schon ganz gespannt, was die wohl dazu sagen, denn schließlich sind sie ja an der letzten Gabelung in die entgegengesetzte Richtung abgebogen. Während die Schweden versucht haben, alles so nackt und simpel wie möglich werden zu lassen, wollten die New Yorker in die Vollen gehen, und das meint Hammond-Orgel, Uuhh-Chöre, Schellenkranz und die ganze Regenbogenpalette der Klangfarben. Hier ist er also, der Brückenschlag von der dreckigen Kunsthochschulen-Garage zur soulful California-Happiness. Enjoy your ride in the sun!



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aus Intro #119 (August 2004)
 
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