
The Bees
Salbeihuhn mit Bienen
23.06.2004, 15:41, Text:
Eric Leimann,
Eric Leimann
Mein alter Schulfreund Thorsten kommt zum Essen vorbei. Ich habe für uns heute Abend ein Hühnchen in Salbei gekocht. Während es an der Tür klingelt und der Römertopf vorzügliche Gerüche ausschwitzt, suche ich noch schnell nach einer entspannt geschmackvollen Essensmusik. Eine, die zu Kerzenschein, Nero D’Avola und guten Geschichten passt. Musik, die im kognitiven Background regiert und das Essen schön von hinten beleuchtet. So etwas, was man von der noch unveröffentlichten neuen Bees erwarten würde. The Bees ist die Band des englischen Youngster-Hippie-Duos Paul Butler und Aaron Flechter, die von der ebenso Blumenkinder-seligen Isle of Wight kommen.
Doch zurück zum Salbeihuhn. Während mich die ersten gefühlten Sixties-Punk-Rhythmen von der Stereoanlage im Nebenzimmer noch etwas ratlos die Röstkartoffeln auf dem Teller wenden lassen, wundere ich mich nach zwei oder drei Stücken schon etwas, wann denn nun mal die richtigen Bees kommen. Doch es geht immer weiter: Huaah, Tschaka, Bum, Twangle, Fuzz. Und dann ist es schließlich so weit: Ich sage zu Thorsten, dass dies wohl nicht die richtigen Bees seien. Und dass man zu so einer Musik ja wohl kaum ein gepflegtes Abendessen einnehmen könne. Durchgehört haben wir das Album ›Free The Bees‹ dann aber doch. Es hat uns vielleicht ein bisschen wilder essen lassen. Auch weil sich der gefühlte Nebenzimmer-Punk mit zunehmender Spieldauer in einen psychedelischen Soulbeat verwandelt, der so klingt, als hätten Syd Barrett, die Byrds und die Temptations eine gemeinsame Platte aufgenommen.
Mit ›Free The Bees‹ habt ihr gegenüber ›Sunshine Hit Me‹ euren Sound komplett verändert ...
Bei ›Sunshine Hit Me‹ hatten wir keine Band, aber jede Menge Instrumente. Deshalb konnten wir gleichzeitig wie die größte und die kleinste Band der Welt klingen. Jetzt aber haben wir eine sechsköpfige Band, die gemeinsam die Songs schreibt.
Ich darf euch also ungestraft als Retro-Band bezeichnen?
Damit müssen wir wohl leben. Aber es ist nicht alles alt an uns. Zum Beispiel sehen wir nicht aus, als kämen wir aus den Sixties. Außerdem ist die Energie unseres Sounds auch untypisch für die Sechziger. Unsere Amps sind immer bis zum Anschlag aufgedreht. Und Paul hat eine neue Singstimme gefunden, die irgendwo zwischen James Brown und John Lennon liegt.
Die Plattenfirma hat euch sogar die Abbey Road Studios spendiert. Das passt ja gut zu eurem Anliegen ...
Ja, sie haben dort diese alten Pulte, Mikrofone und so weiter. Equipment, das immer mehr zerfällt und von dem immer weniger Leute wissen, wie man es benutzt. Das ist sehr schade! Die Toningenieure dort hatten schon das ganze digitale Zeugs für uns vorbereitet, aber wir sagten ihnen, dass wir das auf keinen Fall haben wollten.
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