Supergrass

Große Katzen streicheln

23.06.2004, 14:21, Text: Pascal Blum, Pascal Blum

Endlich ein Leser für die Neon. Mick Quinn würde sich deren Slogan »Eigentlich sollten wir erwachsen werden« sofort ins Zimmer hängen. Stimme doch genau: Vater geworden, aber immer noch young at heart. Reifer, aber immer noch Raufereien im Kopf. Eben Mature & Marmelade. Geradezu erstaunlich sei es ja, mit welcher Brutalität sich England auf 18-jährige Musiker stürze, sagt der Bassist der catchy Beat-Pop-Band mit dem Markensound. Ihr Werbespot-Smasher ›Alright‹ gehe live zwar immer noch ab wie ein Sat1-D-Day-Special, aber der Text, das mit dem Jung und dem Grün, das sei länger schon vorbei. Womit wir beim Thema wären: Das zehnjährige Supergrass-Jubiläum kommt als 21-Song-CD ›Supergrass Is 10 – The Best Of 94-04‹ mit allen Hits und als DVD mit Bildern rund um die Kulissen herum.

Das Paket schließt alle Lücken und geht zurück bis zur Grundstufe, als die Band noch The Jennifers hieß und sich so juvenil verhielt, wie sie später darüber singen wird. Alles schön dokumentiert und nichts vergessen. Ein Pop-Lehrmittel? »Viele kennen unsere Anfänge und die Britpop-Explosion. Aber danach kamen ja noch drei Alben. Die Musik wurde schwieriger und fordernder – und schlug dann auch weniger ein.« Man fühlt sich etwas falsch verstanden und möchte die eigene Story säkularisieren, vor allem für die, welche die Band immer noch für einen fehlgeleiteten 90er-Selbstläufer halten, der zur rechten Zeit an den richtigen Leuten vorbeigeschossen ist. »Mein Hauptbedauern war immer, dass wir häufig Songs aufnahmen, die poppy waren und einfach Spaß machten. Wir hatten zwar nie eine erfolgreiche Formel, aber wir wurden irgendwie faul. Es ist halt sehr einfach geworden, diesen Modus einzuschalten.« Obwohl es ständig musikalische Experimente gab, die auf unkommerzielle Weise das Gitarren-Genre ausloteten – aber immer auf diese gut gemeinte, entgegenkommende Supergrass-Art. Die Best-Of ist nach Mick auch eine Trennungslinie, links das beackerte Terrain Power-Pop, rechts unerforschtes Risiko. »Wir sollten die Musik etwas ernster nehmen, erfinderischer sein.« Die zwei neuen Songs geben die Richtung schon mal vor: ›Kiss Of Life‹ (Funk? Und ob!) und ›Bullet‹ (dichter Rock). Kommt jetzt also das Coming-of-age-Album? Oder welches war das noch mal? Supergrass wedeln erst mal friedlich mit dem PR-Fächer und kündigen an, auf ihrer Sommer-Tour alle alten Hits zum letzten Mal zu spielen. Angeblich. »Ach, das ist nur fieses Marketing, damit die Leute auch kommen.« Alright. Äh, Moment. Wie jetzt? Letzte Frage, Mick: Welches Tier würdest du gerne streicheln? »Oh, eine Katze. Eine große Katze.« Warum? »Katzen wollen doch gestreichelt werden.« C’mon! Nicht etwas, wovor du Angst hast? »Nein. Das würde ja sofort zurückbeißen. Eine große Katze.«



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aus Intro #118 (Juli 2004)
 
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