Two Lone Swordsmen

Church Of Rock

26.05.2004, 16:27, Text: Christoph Büscher, Christoph Büscher

Der Pub The Griffin wirkt ein wenig wie ein Relikt zwischen Media-Agenturen und schicken Cocktail-Lounges, die heute den East-Londoner Stadtteil Shoreditch prägen. Beim Betreten scheint es, als sei hier seit Mitte der 60er die Zeit stehen geblieben. Eine rustikale Theke, ein verrauchtes Ambiente und der obligatorische Pool-Table komplettieren das leicht schäbige Arrangement. Es ist Sonntagnachmittag, die Stammgäste vom vergangenen Party-Wochenende sind noch leicht alkoholisiert, und irgendwo steht ein DJ, so um die vierzig, tätowierte Unterarme, und legt eine Mischung aus Country & Western, Rock’n’Roll, Garage, Rockabilly und Psych Music auf.

Wohl kaum jemand würde hinter dieser Gestalt Andrew Weatherall vermuten. Ein Typ, der in jeder Hinsicht den Zusatz »Veteran« verdient: ob als früher Säulenheiliger der englischen Ravekultur, dessen DJ-Sets häufig klingen wie Underground Resistance meets Punkrock, als Produzent von Primal Screams ›Screamadelica‹ oder als Mitglied der Elektronikprojekte Sabres Of Paradise und Two Lone Swordsmen. Letztere veröffentlichen jetzt ihr drittes Studioalbum ›From The Double Gone Chapel‹ auf Warp. Zusammen mit Partner Keith Tenniswood gräbt Weatherall darauf seine frühen Rock’n’Roll-Wurzeln aus und führt den elektronischen Sound von Two Lone Swordsmen auf punkig düsteren Elektro-Rockabilly zurück: »Das Album ist das Ergebnis einer Suche nach der Energie, die mich einmal an elektronischer Musik fasziniert hat und die mich zurück zu einem roheren Live-Elektrosound geführt hat«, erklärt Weatherall. »Außerdem habe ich diesen Sonntagstermin im Griffin etabliert, wo ich alte Rock’n’Roll-Sachen auflege. Der Titel des Albums stammt aus dem Roman ›Not Fade Away‹ von Jim Dodge. Darin gibt es diesen Typen, Reverend Double-Gone Johnson, ein Ex-Sträfling und trampender Straßenprediger, der die erste Rock’n’Roll-Kirche gründen will.« Szenenwechsel. Nur ein paar Straßen weiter, in Weatheralls Keller-Studio, steht der zweite Grund für den dreckigen Garagensound des neuen Albums: Ein geschichtsträchtiges Drumkit, das Weatheralls Freund Nick Burton, der darauf früher für Killing Joke, Jah Wobble und The Orb trommelte, dort wegen Umzugs unterstellen musste. So wurden die auf dem Computer entstandenen Songskizzen der letzten zwei Jahre plötzlich mit Live-Drums, Gitarre und Bass umgesetzt. Die Energie, die dabei zwischen rotzigen Analog-Synths und verschwitzten Beats frei wird, erinnert nicht selten an den Sound der frühen 80er, als sich Post-Punk und Dance-Musik mit Bands wie A Certain Ratio, 23 Skidoo oder Cabaret Voltaire noch ziemlich nahe standen. Dass Weatherall bereits damals in Punkbands gesungen hat, glaubt man ihm spätestens, wenn er zu einer genialen Coverversion des Gun-Club-Klassikers ›Sex Beat‹ das Mikro in die Hand nimmt. It’s only Rock’n’Roll, but we like it.



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aus Intro #117 (Juni 2004)
 
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