Auf Tour

Mit Pitchtuner & Tobacco

25.03.2004, 15:36, Text: Pascal Blum, Pascal Blum

Liebes Tourtagebuch! Belfast. Gerade träumte ich noch blumenreich von unserem Gig, den wir zusammen mit unseren irischen Freunden, den Olympic Lifts, spielten. Wir hatten alle mächtig Spaß. Einer der Zuschauer war sogar so nett, während der Zugabe die Bassdrum am Wegrutschen zu hindern. Ich wollte mich bei ihm noch bedanken, konnte aber leider kein Wort verstehen. So unterschiedlich kann eben Englisch sein. Heute haben wir zum Glück etwas Zeit, und wenn meine schöne Nase richtig riecht, steht trotz Tourentbehrung schon frischer Kaffee im Raum. Tatsächlich! Kenny und Jonathan bereiten bereits ein »klassisch irisches Frühstück« zu. Einen echten Unterschied zu einem englischen Frühstück konnte ich nicht so recht ausmachen.

Aber das sage ich den begeisterten Lokalpatrioten besser nicht.

Etwa eine Stunde später sitzen wir bereits im Flieger nach London. Wohl behütet kommen wir dann dort an. Ziemliche Erleichterung übrigens, als wir feststellen, dass sich keiner an unseren Amps und der kompletten Hardware vergriffen hat. Es nähert sich schon langsam der Abend, der Verkehr nimmt zu. Mist, schließlich müssen wir jetzt noch nach Dover. Fünf Stunden für 300 km? Eigentlich kein Problem. Wir verpassen unsere Fähre nach Calais um Stunden, sodass wir uns in die lange Reihe der Wartenden einordnen müssen. Die Guthaben auf den Handys sind auch schon seit zwei Tagen runter. Kommunikation ade! Hoffentlich haben wir an der Grenze keine Probleme. Man vergisst ja recht schnell, was Landesgrenzen bedeuten können. Wir staunten jedenfalls nicht schlecht, als bei der Einreise nach England die Zollbeamtin darauf bestand, dass Miki das Auto verlässt und wir bitte ohne sie weiterfahren sollen. »Keine Arbeitsgenehmigung? Gigs in Great Britain?« Drei Stunden getrenntes Verhör, viel gutes Zureden und einige Telefonate und Miki saß wieder neben uns. Aha, grünes Licht. Lasst die Überfahrt beginnen!
Johannes von Pitchtuner

Auf Tour mit Tobacco
Lustige Anekdoten sind Trumpf, lässt man uns wissen. Schlappe 1500 Zeichen. Mal sehen. Dass unsere One-Man-Support-Show Derick Rhodes im Anschluss an die Tour eine Lungenentzündung bekam und fortan das Rauchen aufgab, ist da natürlich nur ein Sidekick. Und nicht mal besonders lustig. Aber: Nomen est omen. Denn Tobacco heißen nicht nur so, sie inhalieren auch ordentlich. Das ist vertraglich so festgelegt. Highlight erster Abend: Wir übernachten privat. Ein Teil der Rhythmusgruppe, und zwar der, dessen Vorname dem eines bekannten monegassischen Fürsten ähnelt, trinkt Jägermeister. Und zwar 2/3 der Einliterflasche auf einmal. Vor dem Ins-Bett-Gehen. Die bestechende Logik: »Wenn ich es nicht jetzt trinke, dann trinke ich es morgen.« Wir nicken. Klar, macht Sinn. Der Rest sitzt mit dem örtlichen Veranstalter unten in der Küche seiner WG in einem pittoresken Fachwerkhaus. Wir trinken und reden. Um drei gehen Zac und Daniel schlafen, während unser Mischer Felix, der Chor, das Streicherquartett sowie die Sänger, der Gitarrist, der Bassist und ich mit dem Örtlichen weitermachen. Zwei Stunden später: Ich geh austreten und sehe noch Licht oben. Zac und Daniel sitzen kerzengerade im Bett, können den Lichtschalter nicht finden – der direkt neben dem Kopfende des Bettes angebracht ist. Das erinnert mich an den Chemieraum in meiner Mittelstufe, in dem es einen gemauerten Kamin gab, an dem auf einem Schild folgende Erläuterung zu lesen war: »Heizraum ohne Licht und Lüftung«. Daneben waren zwei Schalter angebracht: einer fürs Licht, der andere für die Lüftung. Seltsam, wie das alles funktioniert. Am nächsten Morgen kann sich keiner von uns an den Namen des Veranstalters erinnern, während er uns alle persönlich und vor allem: namentlich verabschiedet. Peinlich. Wir nur so: »Äh, ja, Mann, danke!« oder: »Ey, super, Alter, war große Klasse.« Oder: »Ja, du, dann bis bald.« Es war übrigens wirklich große Klasse, und wir schwören: So was passiert uns nie wieder. Einer der beiden besten Witze auf der Tour: Kommt ein Ehepaar zum Scheidungsanwalt. Er ist 102, sie 99 Jahre alt. Sagt der Anwalt: »Ist das nicht ein bisschen spät ...?« Sagt das Ehepaar: »Ja, schon, wir wollten bloß erst mal warten, bis die Kinder tot sind.«



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aus Intro #115 (April 2004)
 
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