Paul Armfield

Keine Ironie-Shirts

26.02.2004, 17:06, Text: Eric Leimann, Eric Leimann

Wenn Mark Little in der hippen Musikszene Londons gefragt wurde, was er denn so mache, sagte er: »Ich starte ein Plattenlabel für Künstler aus meiner Heimat, der Isle Of Wight – und du?« – »Ich produziere Number-One-Hits!« war die Antwort, die Mark wohl ein paar Mal zu oft hörte. Denn sein Label heißt A Town Full Of Fonzies, eine Stadt mit Dicke-Hose-Schnöseln. Und nun der Schwenk nach Südosten, etwa zwei Autostunden von London entfernt: 132.731 Menschen leben auf der Isle Of Wight im Ärmelkanal. Der 36-jährige Buchladenbetreiber, Bassist und Songwriter Paul Armfield ist einer von ihnen. Sein Albumdebüt ›Songs Without Words‹ ist nicht nur die erste Veröffentlichung des Fonzie-Labels, es versetzt auch gerade die britische Presse einigermaßen in Erstaunen.

Wohin soll man diese Musik nur wegsortieren? Serge Gainsbourg, Jacques Brel, Scott Walker und Leonard Cohen. Komische Anklänge an Americana, Johnny Cash und Townes Van Zandt. Zigeunermusik, Polka, Walzer. Mit Streicherarrangements und sanftem Anti-Rock-Groove. Akustische Instrumente und natürlich melancholisch. Klingt nach Schlauberger-Mucke? Falsch! Paul Armfield und seine tolle Band The Four Good Reasons haben vielmehr in nur vierzehn Tagen das Album aufgenommen, das die Tindersticks seit Jahren gerne gemacht hätten: weit, dunkel, Trost spendend, wunderschön. Dass die Medien darauf abfahren, liegt wohl einzig und allein an der Qualität der Songs. Paul Armfield ist weder jung noch schön oder superwitzig. Er trägt keine »T-Shirts mit ironischen Sprüchen«, wie er bemerkt. Vielleicht – musikalisch liegt der Vergleich gar nicht so falsch –, wird Paul Armfield ja zum Kurt Wagner (Lambchop) des Ärmelkanals. Und die Süddeutsche Zeitung wird ›Songs Without Words‹ sofort zu einem der zehn besten Alben, die jemals gemacht wurden, erklären.



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aus Intro #114 (März 2004)
 
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