Amp Fiddler

Get amplified

02.02.2004, 14:40, Text: arno raffeiner, arno raffeiner

»Manchmal braucht es seine Zeit, bis du verstehst, wer du bist in dieser Welt. Für mich war es einfach an der Zeit, wieder eine eigene Stimme zu haben.« So spricht Amp Fiddler in seiner langsamen, bedächtigen und durch und durch coolen Art. Und er weiß genau: Seine Zeit ist jetzt definitiv gekommen. Endlich. Amp hat eine lange Vergangenheit als Keyboarder hinter sich, er war zwölf Jahre mit George Clintons P-Funk on the road, stand mit Prince und Seal im Studio und mit Leuten wie Jamiroquai oder Money Mark auf der Bühne. Er ist einer, der lange genug die Ärsche der Stars vor sich rumwackeln sah, während er im Hintergrund stumm die Keyboards bediente.

Vor einer Weile hatte er genug von diesem Dasein als Side-Man und schrieb endlich seine eigenen Songs. »Ich war es leid, andere Leute vor mir auf der Bühne rumtanzen und singen zu sehen. Ich wollte es selbst tun, anstatt anderen nur dabei zuzusehen. Und ich war wieder inspiriert zu schreiben. Ich denke, es macht einen Unterschied, wenn du wirklich was zu sagen hast und nicht nur einfach so versuchst, Songs zu schreiben.« Die Stücke auf den EPs ›Basementality‹ und ›Love And War‹, zum Teil von Amps Kumpan Moodymann koproduziert, erregten mit ihrem rauen Soul ziemliches Aufsehen. With a little help from his friends – George Clinton rappt über den Titeltrack der Platte, Jay Dee, Only Child und Marlon Malone liefern Beats, Raphael Saadiq spielt Keyboards und House-Produzent John Arnold Gitarre – hat er nun ein Album aufgenommen: ›Waltz Of A Ghetto Fly‹, ein verführerisch schimmerndes Soul-Outfit. Amp Fiddlers Musik fasziniert durch ihre Wärme, ihre zeitweilige Abgründigkeit und Verschrobenheit und vor allem durch die lässige Stilvielfalt, die es oft schwer macht, zu entscheiden, ob das nicht doch eher House oder vielleicht Funk sein könnte. Diesen musikalischen Reichtum, den er zweifellos auch seiner Heimatstadt Detroit verdankt, bringt Amp selbst auf einen einfachen Nenner: »Im Grunde bin ich ein Motown-Künstler, ein Motown-Soul-Musiker. Ich singe jede erdenkliche Art von Soul über jede erdenkliche Art von Musik. Das kann House sein oder Techno, Jazz, HipHop ...« Und der allein erziehende Vater glaubt aus tiefstem Herzen an die Seele, an die Macht seiner Songs: »Ich denke, Musik kann wirklich was verändern, auch politisch. Gerade angesichts des derzeitigen Zustands in der Welt müssen wir unsere Stimme erheben und aussprechen, was los ist, eben so, wie es früher in den Motown-Songs passierte. Und ich bin einer, der das tut.« It’s time to speak out, time to make a change. Und für euch alle da draußen: time to get amplified!



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aus Intro #113 (Februar 2004)
 
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