
School Of Rock
Lernen von Led Zeppelin
02.02.2004, 14:38, Text:
Sonja Eismann,
Sonja Eismann
Jack Black ist runtergerockt. Klein und dick lümmelt er an einem riesigen Konferenztisch und sieht aus, als hätte er gerade an einer drei Meter hohen Bong gezogen. Oder vielleicht doch nur einen verdammt langen Interviewtag gehabt. Um ihn herum sitzen drei aufgekratzte Teen-Actors aus ›School Of Rock‹, die sich wohl artikuliert und erschreckend bewandert zur Geschichte des Rock’n’Roll äußern.
Währenddessen kaut der Anti-Beau langsam und mit vielen Pausen seine Sätze raus, bohrt seine Augen in die seines Gegenübers und verhakt den kohlschwarzen Blick so lange, bis der andere aufgibt und verlegen auf die Tischplatte glotzt.
Genauso, wie von Anfang an klar ist, dass ›School Of Rock‹ ein smartes, familienkompatibles Feelgood-Movie ist, das vom Kontrast zwischen dem unkontrollierten, abgefuckten Dewey und den wohlhabenden, überangepassten SchülerInnen lebt bzw. dem graduellen Verwischen dieser Grenzen, steht auch ziemlich schnell fest, dass in der Schule des Rock nicht nach Innovationen gesucht wird, sondern dass der klassische Kanon gelehrt wird: über Finns Matratze prangen Black-Sabbath- und Megadeth-Aufkleber, die Kids erlernen Rock durch das ›Smoke On The Water‹-Riff, und ihr Lehrer knödelt in schönster AC/DC-Manier. »Um Rock zu verstehen, muss man eben die Meister studieren. So wie Shakespeare von den griechischen Tragödien gelernt hat, lernen wir von Led Zeppelin. Richard Linklater, der ja schon mit Filmen wie ›Slacker‹, ›SubUrbia‹ und vor allem ›Dazed And Confused‹ eine Vorliebe für 70s-(Punk)Rock bewiesen hat, hatte eine, sagen wir, sehr ausgeprägte Meinung zur Musikauswahl, und als Regisseur durfte er natürlich bestimmen. Nur wenn es um die von mir gesungenen Parts ging, entschied allein ich. Ich mag ja mehr Metal und Classic Rock. Und Jim O’Rourke, der eher auf Experimentelles steht, jammte mit den Kindern, um sie auf ihre Rollen in der Filmband vorzubereiten. Klar, wenn man Rock stur auf das Wiederkäuen des Stuff aus den 60/70ern beschränken würde, würde das Genre bald abkratzen. Denn eigentlich steht Rock einfach für Intensität und Leidenschaft. Rock gab es schon vor Rock: Mozart hat gerockt, Beethoven hat gerockt.« Während seiner Ausführungen zaubert Black eine Tüte voll Wasser hervor, das wohl mal Eiswürfelform hatte, und während ich noch erschrocken darauf warte, dass er sich den Inhalt über den Kopf leert, stopft er sich das Ice-Pack ächzend in den Nackenausschnitt.
Als wir auf Retro-Rock-Trends zu sprechen kommen, sind The Darkness nicht weit, die auch mit einem Song auf dem Soundtrack vertreten sind. Während der ca. 11-jährige Film-Gitarrist meint, sie klängen wie eine Mischung aus Queen und 80s-Metal, ist Jack Black davon überzeugt, dass sie die klangliche Reinkarnation von Urge Overkill sind.
Und was meint er zur postmodernen Ironie-Gretchenfrage, die sich hier aufdrängt? Geht totale Rockleidenschaft nur mit Ernst, oder ist da immer ein selbstreflexives Augenzwinkern? »I’ve made a living making fun of rock. Besonders, wenn man in den 80ern so großer Metal-Fan war wie ich und jetzt zurückblickt, ist das zum Totlachen: Der Teufel im Rock? Das ist doch einfach total lustig.«
Ein Hype-Kalkül sei die Musikauswahl des Films aber auf keinen Fall: »Ich glaube nicht, dass wir mit unserem Film auf der Welle einer neuen Rockpopularität reiten werden, falls es diesen Trend überhaupt gibt, denn im Moment stottert Rock doch eher so vor sich hin. Klar, es gibt Bands wie die White Stripes und QOTSA, aber das sind nicht die big sellers. Abgeräumt wird von Britney und Co., der sexy Karaoke-Generation, die nicht ihre eigenen Lieder schreibt.« An das revolutionäre Potenzial von Musik, das im Film immer wieder beschworen wird – was im Rahmen einer ultrateuren Privatschule doch etwas grotesk wirkt –, glaubt Black aber noch immer: »Wenn der Boss Unrecht hat, muss man aufstehen und was dagegen sagen. Das ist auch ein Teil von Rock oder welcher Musikrichtung auch immer – Rock-Schmock, egal. Du musst nicht ein Typ von der Straße sein, um soziale Veränderungen zu bewirken. Du kannst was tun, egal, in welcher Umgebung du dich befindest.«
Intro verlost 25 x 2 Film-Freikarten und zehn T-Shirts. Mail bis 04.02. an verlosung@intro.de, Betreff »School«. Auf intro.de: Stream des Trailers.
Pop-Ups
Inhalt:
Der notorisch abgebrannte Rocker Dewey Finn (Jack Black) wird von seiner Band gefeuert und nimmt heimlich unter dem Namen seines spießigen Mitbewohners Ned Schneebly einen Job als Aushilfslehrer an einer Elite-Privatschule an. Nachdem er zuerst nur »Pause« unterrichtet, entdeckt er das musikalische Talent der rich kids und gründet mit ihnen die Band School Of Rock, mit der er am begehrten ›Battle Of The Bands‹-Wettbewerb teilnehmen will.
Kein Musikfilm ohne Soundtrack:
Neben den Songs der Filmband finden sich darauf alte und neue Rockburner von den Ramones, The Who, The Darkness, T-Rex u. v. a. (Warner).
(USA 2003; R: Richard Linklater; D: Jack Black, Joan Cusack, Mike White; 05.02.)
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