Domino Labelnight

Unbegrenzte Möglichkeiten

02.02.2004, 14:17, Text: Christian Steinbrink, Christian Steinbrink

12.11. – Köln, Stadtgarten

Gewisse gesellschaftliche Zwänge gelten für uns Privatpersonen genauso wie für Plattenfirmen. So gehört es dazu, dass man runde Geburtstage nicht so ohne weiteres verstreichen lässt, sondern sich der feier- und gratulierwütigen Menge mal zeigt. Dieses Mal war es an Domino, dem britischen Label mit den guten Kontakten in US-amerikanische Musikveteranen-Haushalte, sein Zehnjähriges zu gestalten. Begangen wurde das Jubiläum mit der schicken Labelcompilation ›Worlds Of Possibility‹ und zwei Konzertabenden. Die schottischen Newcomer Franz Ferdinand betraten pünktlich als Erste die Bühne. Die Band um den in Rosenheim aufgewachsenen Gitarristen Nick wird mancherorts schon als der nächste Act gehandelt, der das Zeug zur ganz großen Hausnummer hat.

Und obwohl sie erst mit einer Single aufwarten konnten, gaben sie ein ausgewogenes Set voller sonniger und tanzbarer Indiepop-Nummern, entschlackt von überflüssigen Rockismen und ausgestattet mit wundervollen Hooklines. Sie waren die Gewinner des Publikumspreises, und man kann nur erahnen, was passiert, wenn sie im März ihr Debütalbum veröffentlichen.

Danach gaben sich To Rococo Rot ein Stelldichein und boten ein routiniertes Set aus Laptop-Arrangements und spärlichen analogen Zusätzen. Als Headliner waren Clinic angekündigt, die Band in den OP-Kostümen, die sich mit den Gigs zu ihrem letzten Album ›Walking With Thee‹ einige Liebhaber erspielt hat. Leider war ihr Sänger kurz zuvor krank geworden, die Band wollte aber trotzdem auftreten. Viele Besucher spekulierten schon wild, wie aufregend improvisierend die drei verbleibenden Bandmitglieder den Ausfall ihres Frontmanns ausgleichen würden. Aber dann erledigten die geschrumpften Clinic stoisch ihre jeweiligen Parts, ohne sich dem ursprünglichen Arrangement der Stücke auch nur anzunähern. Besonders die Backing-Vocals wirkten ohne den Leadgesang ziemlich absurd. Als Fazit blieb: Domino hat eine Menge tolle Bands zu bieten, und Clinic sind halt doch nur Rockmusiker und keine Götter in Weiß.



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aus Intro #113 (Februar 2004)
 
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