Die Tödliche Doris Filmabend

Verschwende keine Talente

02.02.2004, 14:15, Text: Klaus Hübner, Klaus Hübner

04.12. – Köln, Lupe 2

Sieben Jahre Ewigkeit. Von Beginn an war die Lebensdauer des Berliner Zwischen-den-Stühlen-Kombinats Die Tödliche Doris klar auf diesen Zeitraum beschränkt. Von 1980 bis 87 existierte der avantgardistische Dreier (im finalen Cast mit Wolfgang Müller, Käthe Kruse und Nikolaus Utermöhlen), dessen Nachhaltigkeitsfaktor bis ins Jahr 2003, dem Kino-Jahr, in dem die Filmrollen herumgereicht wurden, wirkt. Es begann im März im Berliner arsenal mit fünfhundert Zuschauern und endete (noch nicht) in der Lupe 2 in Köln. Klar, dass kein Nachruf der postmortalen Art, sondern ein Nachrufen angebracht ist: nach mehr, nach Wiederkehr.

»In keinem Fall waren die Aufführungen Veteranen-Veranstaltungen«, wie Doris-Verleger Martin Schmitz konstatiert, »es kam vorrangig ein jüngeres Publikum, denn bei den Geburtsjahrgängen um 1980 genießt die Gruppe einen Kultstatus.« Kürzestfilme von knapp drei Minuten und längere Zelluloidwerke zeigen, dass Dilettanten zwar von dieser Welt sind, aber: »Dilletantismus auf musikalischen (aber auch allen anderen möglichen) Bereichen hat nichts mit Stillstand durch Nicht-Professionalität zu tun.« (Wolfgang Müller in ›Geniale Dilletanten‹, Merve Verlag). Das zweigeteilte Kinoprojekt, eingeleitet mit Dia-Vorträgen von Martin Schmitz, präsentierte als Ende-offen-Retrospektive Filme wie ›Berliner Küchenmusik‹, ›Wasserballett‹ und ›Tapete‹. Ohne den Kontext von Malerei und Musik wäre die siebenjährige Filmpraxis unvollständig bis kontraproduktiv einseitig. Im flimmernden Bilderrausch als Gesamtkunstwerk weitsichtig konzipiert, wirken Ideenvielfalt und Interdisziplinarität kompakt und geschlossen wie bei kaum einem anderen Projekt der Punk-Ära. Stets einen Fußbreit außerhalb dieses Kosmos’ und innerhalb der konventionellen Avantgarde. Mit der Lizenz, die Subkultur im hochkulturellen Umfeld – documenta 8 von 1987 – zu etablieren. Dort ruhten die vierundvierzig Einzelbilder des kürzesten (0:02) und letzten Doris-Films ›Die Gesamtheit Allen Lebens Und Alles Darüberhinausgehende‹ als Gemäldegalerie. Es geht voran. Im Februar in Wien, im März in Stuttgart.



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aus Intro #113 (Februar 2004)
 
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