Kings Of Leon / Regina Spektor

Delta-Rock

02.02.2004, 14:13, Text: Carsten Schumacher, Carsten Schumacher

24.11. – Köln, Live Music Hall

Es ist eine merkwürdige Mischung, die diesen Konzertabend so faszinierend werden lässt. Zuerst Regina Spektor, grell geschminkt, überaus schüchtern, aber expressiv und eigen, sobald sie in den Tasten liegt. Dann die Kings Of Leon, die unehelichen Kinder von Tom Petty und Bon Scott. Stolz und unbeugsam wie der Delta-Blues, in der Tradition des 70er-Rock. Die russisch-stämmige Ostküstenbeobachterin und die junge wilde Nachkommenschaft eines Preacherman – nicht allen mag das eine nahe liegende Verbindung erscheinen, nicht wenige werden die zunächst gebuchten Support-Australier Jet vermisst haben, doch Regina Spektor nimmt noch einen Schluck Tee mit Whisky und überzeugt Reihe um Reihe mit ihrer charmanten Exzentrik.

Die Kings Of Leon haben natürlicherweise einen sichereren Stand, stampfen nochmals auf und brechen auf der Bühne aus, ohne je eine unvorteilhafte Pose einzunehmen. Die Predigt liegt dabei im Song selbst. Wer braucht da schon Zwischenansagen? Caleb Followill nimmt trotz Leadstimme die Zähne kaum mehr als nötig auseinander, während seine Brüder wie Dompteure den Rhythmus bezwingen und Cousin Matthew mit der zweiten Gitarre genau das unterstreicht, was Caleb gerade zum Vortrag bringt. Das Zusammenspiel scheint nicht geübt, es ist offenkundig gewachsen. Und während Caleb das Revers Napoleon-like fasst, um sich tänzelnd vom und zum Mikrofon zu bewegen, wissen seine nächsten Anverwandten mit den Frisuren aus der Zeitmaschine jeden bleibenden Raum so sicher wie zurückhaltend zu füllen. Drummer Nathan kümmert sich um eine Stimme aus dem Off, Basser Jared turnt, wie ihm die Dynamik geheißen hat, und Matthew wartet geduldig auf sein nächstes Solo. Ihre peinlichsten Songs haben sie alle schon miteinander gespielt, als sie im Grundschulalter waren. Da muss man keine 20 sein, um bereits nach dem ersten Album Hit an Hit zu reihen und die Musikwelt von hinten aufzumischen.



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aus Intro #113 (Februar 2004)
 
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