
Space Designer
Origami für Audio
02.02.2004, 12:04, Text:
Thomas Jensen (a.k.a. DJ Rabauke),
Thomas Jensen (a.k.a. DJ Rabauke)
Warum schmettern wir Urschreie vom Berggipfel ins Tal und warten auf das Echo? Warum singen wir unter der Dusche? Einer der Gründe ist sicherlich der Spaß an der Veränderung der eigenen Stimme. Diese entsteht durch diffuse Reflexionen an Badezimmerkacheln oder Bergmassiven. Kurz: Hall (***Link1***). Gut dosiert, bewirkt er in Songs wahre Wunder. Deshalb ist er fester Bestandteil eines jeden Studios.
›Space Designer‹ heißt das neue Hall-Plug-in aus dem Hause Emagic und bietet für die Logic-Plattform eine technische Neuheit: Echtzeit-Faltung. Es kann Räume und Hallfahnen so realistisch wie nie zuvor abbilden. Die Berechnung des Halls mit dem ›Space Designer‹ geschieht mit Hilfe von so genannten Impulsantworten (engl.
Die Integration in Logic unterscheidet sich nicht von den anderen Effekt-Plug-ins. Man kann wie gewohnt in alle Mixer-Objekte routen. Ein vorwiegendes Arbeiten mit Bussen und Sends empfiehlt sich, da der ›Space Designer‹ der Rechnerleistung einiges abverlangt: Ein G4-Prozessor mit 512 MB Ram muss schon sein. Nach dem Aufrufen erfreut man sich zunächst am schönen, schlichten Erscheinungsbild, welches sich nach kurzer Eingewöhnung als sehr durchdacht und intuitiv erweist. Auf der linken Seite findet man die Inputsektion, die einen stufenlosen Stereo-Mono-Betrieb ermöglicht. Daneben befinden sich die Auswahlschalter der beiden Betriebsmodi für gesamplete und generierte IRs sowie für Länge und Samplefrequenz. Schraubt man die Samplefrequenz um die Hälfte herunter, kann man mit geringem Klangverlust deutlich Ressourcen sparen. Schredderfreunde können sich ihren Kick über die Einstellung von 1/4 oder 1/8 der ursprünglichen Frequenz abholen. In der Mitte befindet sich ein großes grafisches Display. Dieses zeigt die Wellenform der IR mit den Hüllkurven von Lautstärke, Filter und Density an. Auf Wunsch lässt sich die aktuelle IR auch umkehren (Reverse) oder eine (bzw. alle) Hüllkurve(n) initialisieren. Auf der rechten Seite befinden sich die zwei großen Schieberegler für den Effekt- und Originalanteil. Besonders lobenswert ist der resonanzfähige Filter, der nach freudigem Experimentieren für ziemlich abgefahrene Sounds sorgt. Klangtüftler werden hier eine Menge Spaß haben. Abgerundet wird das Ganze durch eine Latenz- und Halllautstärkenkompensation, die auf Knopfdruck zu- oder abgeschaltet werden kann. Beim Verändern von Parametern muss man eine kleine Berechnungszeit für die IR in Kauf nehmen. Diese ist aber gut zu verschmerzen.
Die Klangqualität ist beeindruckend. Im direkten Vergleich zu Logics ›Platinum Reverb‹ klingt der ›Space Designer‹ mindestens ein bis zwei Klassen besser. Die Hallfahnen klingen voll und warm und überzeugen selbst bei kritischem Ausgangsmaterial. Die Möglichkeit, statt einer IR ein beliebiges kurzes Sample wie z. B. Drum- oder Percussionloops in den ›Space Designer‹ zu laden, bietet viel spielerischen Freiraum für experimentelle Klangteppiche. Um eine eigene IR von seinem Lieblingsraum zu generieren, befindet sich auf der Installations-CD die notwendige Sinus-Sweep-Audiodatei. Diese routet man entweder in ein Audio-Plug-in, in ein Hallgerät, oder – entsprechendes Equipment vorausgesetzt – man beschallt damit z. B. sein Treppenhaus. Bei der Aufnahme der verhallten Sinus Sweeps ist darauf zu achten, dass der Effektanteil 100% beträgt. Danach öffnet man mit dem ›Space Designer‹ nacheinander die wet- und die dry-Audiodatei. Aus denen wird dann eine neue IR errechnet. Dieser Vorgang ist besonders für die Nachvertonung interessant. Man kann beim Set schnell eine IR aufnehmen und diese dann später auf die neu synchronisierte Stelle legen.
Jeder Logic-User, der für seine Produktionen einen amtlichen Hall braucht, kommt am ›Space Designer‹ nicht vorbei. Einfache Bedienung, sehr guter Klang und unendliche Freiheit für eigene state of the art Soundkreationen machen ihn zum Vorzeigeobjekt. Origami für Audio.
***Link1***
Hall
Angefangen hat alles mit Hall- oder Echochambers. In diese Räume wurden per Lautsprecher Signale gesendet und per Mikrofon wieder abgenommen. Bei der Hallplatte fließt das Signal durch eine massive Metallplatte. Handlicher wurde die Hallerzeugung dann mit Einführung des Federhalls. Das analoge Signal durchläuft dabei eine oder mehrere Metallspiralen, was in vielen Verstärkern und Hallgeräten zu finden war und ist. Heute haben diese Rolle hochwertige Digital Reverbs und Hall-Plug-ins übernommen.
***Link drunter***
Glossar
Spread – Grad der Diffusion des Halleffektes.
Bus – Ein Informationsweg, über den Daten von jeder einzelnen Quelle zu jedem anderen Zielort übertragen werden können (parallel oder seriell), Beispiele: ISA-, SCSI-, EISA-, VME-Bus.
Hüllkurven – Kurvenverlauf eines Klanges. Eine Hüllkurve setzt sich aus den Einzelteilen Attack, Decay, Soustain und Release zusammen (kurz: ADSR-Hüllkurven), welche die Charakteristik eines jeden Klanges bestimmen.
Density – Dichte des Halleffektes.
Latenzkompensation – Zu große Verzögerungen in der Klangerzeugung, die beim Berechnen des Halls entstehen, werden berücksichtigt.
Sinus Sweep – Durchlauf eines Sinustons von 20 Hz bis 20 kHz.
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Real New Wave Party
---HIGHHOLYDISCOMASS comes to town---
Dass Punk und Disco weit mehr verbindet, als nur der Zeitpunkt ihres Entstehens, steht außer Frage. Wem Punk mehr bedeutet als tote Hose und für wen Disco alles andere als ein Schimpfwort ist, der weiß um die Schnittmenge dieser beiden Musikstile, die gleichzeitig beide auch Lebensgefühl waren und sind. Wunderbar beschrieben hat das gerade der englische „NME“ in einer Rezension zu Gossips neuem Album „Music for Men“. “Teenage Jesus and the Jerks crashing Studio 54“, so der Rezensent, vor dessen geistigem Auge beim Genuss von „Music for Men“ die genialen New Yorker No Wave-Dilettanten die wohl bekannteste Disco der Welt aufmischen.
Und auch Gossips dralle Gallionsfigur Beth Ditto selbst, eine Punk-Ikone des 21. Jahrhunderts, bringt es auf den Punkt sprich auf die Tanzfläche, wenn sie „For Keeps“ so erklärt: „I wanted it to be the ‚Don’t You Want Me’ of this record“. „Don’t You Want Me“ war bekanntlich der größte Dancefloor-Filler der Electro-Pioniere Human League.
Auch Arte erinnert sich gerade an die Zeit, als „Don’t You Want Me’ aus jeden Punkschuppen schallte und zu Nummer 25 der meistverkauften Singles aller Zeiten im UK wurde. So propagiert der TV-Sender den „Summer of the 80s“ und unternimmt eine Zeitreise in das Jahrzehnt, das uns Joy Division und New Order bescherte, Style Council und Prince, Duran Duran und Chic.
Grund genug für „HighHolyDiscoMass“. „HighHolyDiscoMass“ (übrigens ein Songtitel der ebenso wie Human League aus Sheffield stammenden Industrial-Avantgardisten Clock DVA) bittet nun mit Bands wie Cabaret Voltaire, Heaven 17, Shriekback, 400 Blows oder Gang of Four (just to name a few) einerseits die Creme de la Creme der 80er Jahre und der damaligen Post-Punk-Ära zum Tanz und schlägt andererseits mit neuen Helden wie Junior Boys, MGMT, Hercules and Love Affair oder White Lies (again just to name a few) die Brücke auf den Tanzboden des dritten Jahrtausends. Da bleibt dann mit David Bowie nur noch eins zu sagen: „Let’s dance!“





