Paris

Band gründen, Songs schreiben

02.02.2004, 11:56, Text: Maximilian Freudenschuss, Maximilian Freudenschuss

Was ist in einem Namen angelegt? Kämen Paris aus dem Land, nach dessen Hauptstadt sie sich benannt haben, würden sie French-House machen – so eindeutig klingt ihr Debüt ›Yellow Eden‹ nach der einzig vorstellbaren Variante von schwedischem New-Wave-Power-Pop. Für hiesige Bilder über skandinavische Popkultur können Annika, Emma, Matthias und Johan – die Mädchen singen und spielen Gitarre und Keyboards, die Jungs Bass und Schlagzeug – allerdings erst mal nichts. Ihr Weg ist eher der von Wir Sind Helden in leicht: Über selbst gemachte Demos, die sich angeblich über 2000-mal verkauft haben, haben sie den Weg zu V2 Records gefunden, die sie nun nach dem Durchbruch in der Heimat in Europa für Interviews und Showcases herumreichen.

Dabei stellen sich die vier so, ich hasse dieses Wort, sympathisch an, dass man ihnen den dezent geglätteten Blondie- und GoGos-Aufguss nicht wirklich übel nehmen kann. Und mit der Großtat, Michael Jacksons Metamorphosen in einem Song einmal nicht als billige Lachnummer einzubauen, haben sie sich schon jetzt einen ewigen Platz in meinem Herzen erobert. Auch wenn das jetzt grundsätzlich klingt: Die schönste Jugend bleibt eben doch diejenige, die nicht Casting-Shows entspringt, sondern sich an den Luxusgütern Band gründen und Songs schreiben versucht und dabei nicht irgendeine Form von Rand oder – machen wir es deutlicher – Alternative abbilden muss. Das hat Identifikationspotenzial für die Teenager in uns, und Popmusik ist immer noch dort am besten aufgehoben, wo man sich darüber im Klaren wird, dass MTV das wirkliche Leben stiehlt und das Nachtleben die einzige mögliche Vorstellung von Ausstieg ist. Die Poppunk-Kids im Berliner Karrera-Klub tanzen dazu. Auch wenn die Musik, leider, nicht Disco ist. Aber ich wurde ja auch schon alt geboren.



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aus Intro #113 (Februar 2004)
 
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