Kevine Devine

Protest Singer

30.01.2004, 16:50, Text: linus volkmann, linus volkmann

Kevin Devine sitzt auf einem Stuhl und lächelt. Beim Händegeben steht er auf – voll höflich. Auf den ersten Blick erinnert er an einen Fußballer, an Sergej Kiriakow. Jenen hatte der damalige KSC-Trainer Winfried Schäfer nach Karlsruhe geholt – mit den legendären wie dialektgefärbten Worten: »En Rote will isch han!« Eine nicht unproblematische Unterstellung, Rothaarige seien impulsiver, stürmischer und durchsetzungsfähiger als der Rest. So wirkt Kevin im Gespräch aber auch gar nicht. Vielmehr setzt er die sprichwörtliche Bescheidenheit von sensitiver Indie-Musik und Post-Emo-Songwriter charmant in Szene. Die halbe Zeit ist er dabei Musiker bei Miracle Of 86, einer ungestüm poppigen Gitarrenband, die in geschliffenerer Form an frühe Promise Ring erinnert.

Die andere Hälfte reist, schreibt und singt er für sein musikalisches Solo-Sein. Die dritte Hälfte, wenn es sie denn gibt, verbringt er geruhsam und mit Freundin in den sanften Wogen US-amerikanischer Vorort-Idylle.

Kevin Devine ist 23 Jahre alt, veröffentlichte gerade seine zweite Solo-Platte ›Make The Clocks Move‹ und tourte schon diverseste Male auch durch Europa – mit stetig wachsender Nachfrage. Zuletzt lud ihn Meister Ender von Dashboard Confessional ein, die Shows in Deutschland zu eröffnen. Danach kam er noch mal alleine zurück. Man kann fast beschämt sein, wenn man bedenkt, wie wenig Zeit sich amerikanische Künstler sonst so für die alte Dame Europa nehmen. Die neue Platte klingt sehr zurückgenommen und unmittelbar. Wenngleich sie nicht – wie die erste – nur Miniaturen, sondern echte Songs vorweisen kann. Und auch ein paar Gastmusikern der eigenen Clique Raum bot. Über das Geschenk, eine Single seiner Quasi-Namensschwester Divine (›Shoot Your Shot‹), freut er sich. Der dicke verstorbene Disko-Transvestit, der in John-Waters-Filmen der 80er mitunter Hundekot aß, stellt sich sogar als entfernter Freund der Familie raus und habe seinerzeit eine Ex-Freundin von Kevin gebabysittet. Hey, auch nicht schlecht.



Artikel kommentieren
aus Intro #113 (Februar 2004)
 
  • Mehr Infos

  •  
 
 

Social Network Login




Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
 
  • MEIST GEKLICKT

  •  
 

Spalter: Platte und Film des Monats

Spalter: Platte und Film des Monats

Das Intro-Streitgespräch: Jeden Monat eine neue Platte, ein neuer Film und unterschiedliche Meinungen. [...mehr]

 

INTRO-TV

K.I.Z. schauen fern - Videocheck beim splash: Von Klaus Kinski bis Fritz Lang

K.I.Z. schauen fern

Videocheck beim splash: Von Klaus Kinski bis Fritz Lang
... mehr

 

Platten der Woche

Platten der Woche

Die wichtigsten Neuerscheinungen im Überblick! [...mehr]

 

Gruppen


The Office, Extras und so: Die Ricky Gervais Gruppe

The Office, Extras und so: Die Ricky Gervais Gruppe

The man behind the decade's best Britcoms.

» Mehr Gruppen