The Bronx

Survival Sickness

30.01.2004, 16:14, Text: Till Stoppenhagen, Till Stoppenhagen

Grüße vom unteren Prozentsatz der Einkommenstabelle: The Bronx, vier Hardcore-Punks aus L.A., kotzen sich den ganz realen Alltagshorror der urbanen unteren Mittelschicht von der Seele. Kein aufgesetztes Ghetto-Gepose Marke Biohazard, sondern Lieder, so hart wie das Leben. Zum Beispiel über die Schicht in der Joghurt-Fabrik, wo Sänger Matt Caughthran bis Ende 2002 gearbeitet hat – dann wurde es mit der Band ernster, und die Gagen reichten zum Überleben. Oder das Dasein als freischaffender Grafik-Designer, wie es Gitarrist und Songschreiber Joby Ford lange ge- und durchlebt hat. Und selbst mit etwas mehr (Band-) Einkommen hat er es noch nicht geschafft, seinem miesen Viertel am »Arsch von Hollywood« zu entkommen: »L.A.

ist teuer. Wenn du keine Kohle hast, musst du im Ghetto leben. Die Hispanic-Gangs in meiner Nachbarschaft lassen mich zwar in Ruhe, weil ich keiner von ihnen bin, aber ich könnte mir jeden Tag eine Kugel einfangen. Du musst smart sein und einen Riecher dafür entwickeln, was los ist.« Anpassungsfähigkeit, harte Arbeit und eiserne Disziplin – das neoliberale Manifest als Überlebensstrategie von The Bronx: Sie proben wie besessen, nehmen keinen Song mehr als drei Mal auf und sind bemüht, das Feeling des echten Lebens, der Live-Situation authentisch rüberzubringen. Und warum nicht? Der Versuch scheitert – allerdings mit Bravour und irgendwo zwischen dem groovigen Fugazi-Sound und der rohen Wut von Black Flag. »Ich schreibe die Songs instinktiv«, erzählt Joby. »Je mehr du nachdenkst, desto schlechter wird es.« Für die Musik der Band ist das sicherlich das richtige Credo – für die Frage nach den Ursachen für die eigenen Lebensumstände gilt aber das Gegenteil. »We got cancer / lookin’ for the answer«, brüllt Matt in ›White Tar‹ seine Ratlosigkeit heraus und legt damit die Frage nahe, ob Musik heute noch eine subversive Kraft besitzt. »Wenn die Gesellschaft eine Veränderung braucht, dann passiert das auch irgendwie, daran sind viele Faktoren beteiligt«, glaubt Joby. Bis es so weit ist, genießen die vier »nice guys« (Joby) ihr letztes Privileg: ihren Frust im Sound der 80er und 90er zu ertränken.



Artikel kommentieren
aus Intro #113 (Februar 2004)
 
  • Mehr Infos

  •  
 
 

Social Network Login




Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
 
  • MEIST GEKLICKT

  •  
 
 

INTRO-TV

K.I.Z. schauen fern - Videocheck beim splash: Von Klaus Kinski bis Fritz Lang

K.I.Z. schauen fern

Videocheck beim splash: Von Klaus Kinski bis Fritz Lang
... mehr

 
Anzeige
 

Gruppen


ich hasse katzen.

drecksviecher.

» Mehr Gruppen
 

Platten in einem Satz

Platten in einem Satz

Neu bei Intro: Plattenkritiken in SMS-Länge! Die besten "Oneliner" gibt's hier.