
Savath & Savalas
Ahnenforschung
30.01.2004, 16:03, Text:
Christoph Büscher,
Christoph Büscher
[8 Kommentare]
Vom HipHop zum Hippie: Scott Herren packt für sein neues Album als Savath & Savalas die Akustikgitarre aus. Nach seinem Erfolg als Prefuse 73 im HipHop-Underground siedelte der Produzent aus Atlanta, der nebenher auch noch das Label Eastern Developments betreibt (***Link 1***), im vergangenen Jahr nach Barcelona über, um dort alten Familienwurzeln nachzugehen. Dabei tauchte er auch tief in die spanische und latino-amerikanische Musikgeschichte ab und kommt mit ›Apropa’t‹ zurück, einem Album, das als spannender Entwurf einer Musik zwischen Laptop-Produktion, spanischer Folklore und 70s-Psychedelia funktioniert. Elektronikfolk für Sentimentalisten.
Vom sonnigen Spanien ins nasskalte, vorweihnachtliche Berlin, das macht nicht unbedingt Spaß.
Ist dein Vorname jetzt wirklich Guillermo, wie auf der Platte steht?
S: Nein, ich heiße Scott. Guillermo ist zwar mein eigentlicher erster Vorname, aber den benutze ich sonst nicht.
Also nur auf dieser Platte, um deine spanischen Wurzeln zu unterstreichen?
S: Wahrscheinlich. Ich bin nach Barcelona gegangen, um einen Teil von mir und meiner Kultur dort zu finden, ohne den ich aufgewachsen bin. Mein Vater stammt aus Barcelona, ich habe noch Verwandte dort. Ich bin ursprünglich nicht zum Musikmachen dorthin gezogen, sondern wollte mit meinem Ursprung in Berührung kommen.
Wie kam es zum Kontakt zwischen euch beiden?
E: Wir haben einen gemeinsamen Freund aus Sevilla, und ich wusste, dass Scott eine Wohnung suchte. Ich wusste kaum, was er musikalisch macht, aber nach ein paar Monaten haben wir gemerkt, dass wir in der Musik etwas gemeinsam haben.
S: Ich hatte zwar immer schon den Wunsch, meinen Sound zu ändern, aber Eva hat mir dabei sehr geholfen. Ich arbeite jetzt viel mehr live, spiele viel spontaner Sachen ein. Es gibt immer noch einige digitale Soundbearbeitungen und Programmierungen, aber das ist nicht mehr das Wesentliche.
E: Scott fragte: »Kannst du singen?«, und ich habe ein paar Texte geschrieben. Das hat sich dann gut angehört, also habe ich weitergemacht. Ich konnte mir am Anfang die Stücke nicht selbst anhören, aber ich gewöhne mich langsam daran, meine eigene Stimme zu hören.
Obwohl Prefuse 73 und Savath & Savalas andere musikalische Ziele verfolgen, spielt die Stimme bei beiden Projekten eine große Rolle. Der Ruf von Prefuse als experimentelles HipHop-Projekt beruht vor allem auf Herrens begnadeter Schnitttechnik, mit der er Vocals bis zur Unkenntlichkeit editiert und schneidet und diese dem Beat gleichberechtigt zur Seite stellt. Bei Savath & Savalas funktioniert der Gesang von Eva Puyuelo Muns in einem eher traditionellen Sinne. Ohne ihn würden die feingliedrigen Strukturen, die sanften Piano-Fragmente, das teilweise recht lose arrangierte Klingeln und die impressionistischen Rhythmus- und Gitarrenfragmente der Stücke auseinander fallen. Den letzten Schliff erhielt ›Apropa’t‹ dann im Chicagoer Studio von John McEntire, bei dem auch Gastmusiker wie der Tortoise-Drummer Johnny Herndon zum Einsatz kamen. Scott: »Ich arbeite auch hier mit der Stimme als Instrument. Zum Beispiel haben wir verschiedene Schichten und Mikrofonpositionen benutzt. Das war so ein bisschen Beach-Boys-inspiriert, man kriegt so einen coolen Retro-Effekt. Ansonsten mag ich einfach kleine Details, Soundfragmente, ein Sound hier, eine Harmonie da. Das Ganze nur lose verdichtet, bis es einen Song ergibt.«
Zwei andere Musiker, mit denen sich Herren gut verstehen müsste, sind Dan Snaith von Manitoba und Kieran Hebden a.k.a. Four Tet. Beide sind leicht nerdige Headz, stehen auf instrumentalen HipHop und Laptop-Produktionen, haben sich mit ihren letzten Platten aber in Richtung 70s-Psychedelia (im Falle Manitoba) oder Folk- und Hippie-Kultur (Four Tet) bewegt. Und in der Tat, er kennt beide sehr gut: »Neben unserer Liebe zum HipHop interessieren wir uns alle sehr für die Musikgeschichte. Kieran steht im Moment voll auf Freejazz. Wenn du Livesets von ihm siehst, gibt es da diese ewig langen, wild geschnittenen Jazzloops. Und Manitoba ist ja live jetzt eine richtige Psychedelic-Band. Aber eigentlich sind die beiden immer noch echte HipHop-Headz. Kierans Vater ist, glaube ich, Musikprofessor und unterrichtet die Geschichte von Jazz und HipHop. Er ist Kierans größter Fan. Und Manitoba hat diesen Kumpel Koushik, der macht die krassesten Beats. Mein Freund DJ Nobody aus L.A. steht auch sowohl auf HipHop wie auf Latin-Psychedelia. Er ist eine echte Enzyklopädie in Sachen spanischsprachiger Psychedelia.«
Endstation Sehnsucht
Der Grundton der Platte ist eher getragen, verträumt, nicht grade beschwingt.
S: Ich bin keine durchweg glückliche Person. Ich versuche nicht, dramatisch zu sein, aber diese überschwängliche Party-Seite steht mir nicht.
E: Ich glaube, melancholisch beschreibt die Stimmung der Stücke am besten. In Brasilien gibt es dafür diesen Ausdruck Saudade. Er beinhaltet sowohl Melancholie als auch Sehnsucht und ein wenig Nostalgie, und die Bedeutung ist keineswegs negativ oder dunkel.
Grade das sind ja Kategorien, die man eher nicht mit HipHop in Verbindung bringt.
S: Komisch, dass du das sagst. Mir hat HipHop immer dann am meisten bedeutet, wenn er diese Qualität hatte. Diese Nostalgie, ein Gefühl, zu einem anderen Ort und einer anderen Zeit zurückgebracht zu werden. Für mich ist dieses Gefühl besonders bei Sachen aus den frühen 90ern sehr stark: A Tribe Called Quest, das erste Album von Nas, De La Soul, sogar frühe Wu-Tang-Sachen. Das ist das Größte für mich, pure Magie.
Links:
***1***
Eastern Developments
Zehn herausragende Releases innerhalb von zwei Jahren zeigen, dass Herren es mit seinem eigenen Label Eastern Developments auch als Talentscout draufhat. Neben Alternative-HipHopper Dabrye gehören auch Headz wie Ahman Szabo, der mit Beats, Glitsch und Elektronik-Folk experimentiert, die Chicagoer Rhythmus-Akrobaten Hu Vibrational oder auch Lori Scacco (ehemals bei den Atlanta-Postrockern Seely), deren Solodebüt ›Circles‹ zum Verlieben schön plinkert, zum Labelrepertoire ( www.easterndevelopments.com).
***2***
Brazilian Psychedelia / Tropicalia
Als in den Spät-60ern und frühen 70ern die amerikanische Pop- und Rockkultur sowie Jazz- und Blues-Einflüsse in die südamerikanische Musik übernommen wurden, kreierten Musiker wie Caetano Veloso, Gilberto Gil, Gal Costa, Jorge Ben, Tom Ze oder Bands wie Os Mutantes einen Sound, der klassische Latin-Musik mit Elementen der Hippie- und Gegenkultur in Verbindung brachte und später unter dem Begriff Tropicalia zum Bestandteil einer eigenen südamerikanischen Popkultur wurde.
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Defune 17.02.2004 | 23:02:49
Test
Defune 17.02.2004 | 23:05:08
Bin sehr gespannt auf die Platte!. Für mich in Moment einer der besten Produzenten und dann in der Kombination mit frühen Spanisch/Latin-Sound, eigentlich ganz nach meinem Geschmack, obwohl die Platte vielleicht ein bißschen düster werden könnte aber o.k.. Die letzte Antwort Scott Herren kann ich nur bestätigen und unterstreichen!. Guter Artikel, nur das Interview ist zu kurz!
lamb 17.02.2004 | 23:09:18
schreibt
wunderschöne platte. kann man wirklich nur empfehlen. und am besten die erste, welche ja ohne spanische vocals ist, gleich mit dazu.
punchdrunk_thomas 18.02.2004 | 17:04:37
schöne platte, ja. ein bißchen hart an der grenze zur belanglosigkeit, aber immer noch sehr gut. =)
getupkid 18.02.2004 | 17:22:05
i wanna see movies of my dream
Kool Savath? *g*
Misname 18.02.2004 | 17:31:10
fluffig, federleicht und gar nicht düster....aber schon weit weg von den prefuse 73 exkursionen...
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