
Electric Soft Parade
Fatboys Kinder
30.01.2004, 15:48, Text:
Christian Steinbrink,
Christian Steinbrink
Im Frühjahr 2003 kam das zweite Album von The Coral heraus. Und es mutete wie ein Rätsel an, dass eine solch junge Band ein so wissendes, erwachsenes Album veröffentlichen konnte. Diese Ignoranz resultierte aus der irrigen Annahme, dass man sich heute als junger, an Popmusik interessierter Mensch erst mal durch eine Menge von kurzlebigen, aber vermeintlich ansprechenden Trends und verheißungsvollen Marketingkampagnen arbeiten muss, bevor man an das Wahre, das Gute gerät. Popmusik mit Substanz, deren Schönheit sich nicht sofort erschließt, konnte meiner Schlussfolgerung nach auf junge Leute nur altmodisch wirken.
›The American Adventure‹, das zweite Album der Electric Soft Parade (ESP), belehrt nun erneut eines Besseren.
Erwachsene Musik, was ist das? In mir gärt die Ahnung, dass man damit die Art von Musik meint, die sich mit der Erfahrung vieler intensiv mit Trends und Moden verlebter Jahre über eben diese hinwegsetzt. Musik, die sich jeder mühelos wahrnehmbaren Catchiness verwehrt. Wenn man den Gedanken weiterführt, kommt man eigentlich an die Grenzen von Pop. Man kann nicht umhin, ›The American Adventure‹ trotz Hooklines und klassischer Songstrukturen genau diese Intentionen zeitloser Musik zu unterstellen, die eigentlich kruden und experimentelleren Entwürfen vorbehalten sind. Denn die Platte klingt so reif, ohne dass sich die Gebrüder White solche Wege und Limitierungen je bewusst gemacht hätten. Und das nennt man vermutlich Talent. Denn von Herkunft und Herangehensweise her unterscheiden sich ESP nicht von Hunderten von Altersgenossen: Geboren im englischen Küstenstädtchen Brighton, wuchsen sie mit Musik auf und in die lokale Szene hinein. Zeitgenossen auf ihrem Weg waren Bands wie British Sea Power, Clearlake und der in dieser Stadt allgegenwärtige Fatboy Slim. Inmitten dieser Szene, angespornt durch verschiedenste Reaktionen auf ihr Debütalbum, die laut Alex von Hochachtung über Neid bis hin zu den üblichen Sell-out-Vorwürfen reichten, spielten sie das neue Album ein und liefern damit ihr vorläufiges Meisterstück. Vorläufig, wohlgemerkt, denn ihre Geschichte ist noch lange nicht zu Ende geschrieben.
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