
Sophia
My art will go on
28.01.2004, 18:07, Text:
Felix Scharlau,
Felix Scharlau
Es gibt Ereignisse im Leben von Künstlern, auf die sie bis an ihr Lebensende angesprochen werden: Warum einer auf der Wahlveranstaltung von Ronald Reagan gespielt hat. Ob einem anderen die Hookline dieses einen Smash-Hits wirklich einst beim Rasenmähen einfiel. Robin Proper-Sheppard verfolgt seit fast zehn Jahren die Frage nach dem tragischen Ende von The God Machine – gleichzeitig nach dem Beginn seines Nomadentums durch Europa. Ganz unschuldig ist er an dieser medialen Klette nicht. Zum einen gab es über seine Musik bisher nicht viel zu reden – außer dass sie auf zwei Studioalben sowie einer Live-Platte wunderschön-traurig und eingängig daherkam und dabei den larmoyanten Gesang Proper-Sheppards massiv ins Zentrum rückte.
Die Realität sieht zum Glück anders aus: Ein bestens gelaunter Proper-Sheppard bestellt eine Cola und will nur noch reden. Über sein drittes Studioalbum, über den vollzogenen Labelwechsel, über seine Tochter und – ganz zu Recht – über Musik. Denn die präsentiert sich auf ›People Are Like Seasons‹ heterogener, als sie es je war. Vier der zehn Stücke knacken die bisher so strenge Slow-Core-Hermetik und lärmen zum Teil über die Maßen: ›Darkness‹ hätte auch auf The God Machines ›One Last Laugh ...‹ einen würdigen Platz gehabt, und auf das herrliche ›Oh My Love‹ dürfte mittlerweile in den Indie-Diskos dieser Welt getanzt werden. Richtig: Sophia und tanzen. »Diese lautere Gitarrenmusik war ja, wie man an The God Machine sieht, schon immer ein Teil von mir. Ich glaube, mit dem May-Queens-Album [über sein Label Flower Shop erschienen] ist das wieder aus mir herausgebrochen«, sagt er. Und dennoch: Auch über dem neuen Album liegt inhaltlich die Schwere emotionaler Aufarbeitung, die sie laut Proper-Sheppard übrigens auch ist – über anderes als Erlebtes könne er nämlich gar keine Songs schreiben. »Es gibt Dinge in meinen Songs, die ich so nicht einmal meinem besten Freund sagen könnte.« Drängt sich die Frage auf, ob es nicht auch unangenehm ist, die Menschen so tief in einen hineinschauen zu lassen. »Die Hörer dürfen alles über mich wissen, was sie aus meiner Musik herausfiltern können. Letzten Endes bleibt sie aber auch eine Barriere zwischen ihnen und mir.« Barrieren können also auch etwas Schönes sein.
Artikel kommentieren
Mehr Infos
Kommentare
Artikel kommentieren - Mehr Forumsdiskussionen
Social Network Login

Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
MEIST GEKLICKT
- 01 Wes Anderson / Moonrise Kingdom...
- 02 Light Asylum - im South by Southwe...
- 03 The Hives - Größenwahn als Inszenierung
- 04 Woodkid / Yoann Lemoine - Vom Kind...
- 05 Best Coast - Coverstory
- 06 Damon Albarn - Ich habe immer das ...
- 07 Friends - Live is life
- 08 Im Koffer der... - Scissor Sisters
- 09 Auf Reisen mit... - Ladyhawke
- 10 Hot Chip - Auf dem Laufsteg
- ... mehr
INTRO-TV
- » ESC 2011: Unsere Favoriten...
- » SXSW / South By Southwest 2011...
- » In Bed With Kreator - Videobl...
- » So wars bei der Gamescom - In...
Gruppen
Real New Wave Party
---HIGHHOLYDISCOMASS comes to town---
Dass Punk und Disco weit mehr verbindet, als nur der Zeitpunkt ihres Entstehens, steht außer Frage. Wem Punk mehr bedeutet als tote Hose und für wen Disco alles andere als ein Schimpfwort ist, der weiß um die Schnittmenge dieser beiden Musikstile, die gleichzeitig beide auch Lebensgefühl waren und sind. Wunderbar beschrieben hat das gerade der englische „NME“ in einer Rezension zu Gossips neuem Album „Music for Men“. “Teenage Jesus and the Jerks crashing Studio 54“, so der Rezensent, vor dessen geistigem Auge beim Genuss von „Music for Men“ die genialen New Yorker No Wave-Dilettanten die wohl bekannteste Disco der Welt aufmischen.
Und auch Gossips dralle Gallionsfigur Beth Ditto selbst, eine Punk-Ikone des 21. Jahrhunderts, bringt es auf den Punkt sprich auf die Tanzfläche, wenn sie „For Keeps“ so erklärt: „I wanted it to be the ‚Don’t You Want Me’ of this record“. „Don’t You Want Me“ war bekanntlich der größte Dancefloor-Filler der Electro-Pioniere Human League.
Auch Arte erinnert sich gerade an die Zeit, als „Don’t You Want Me’ aus jeden Punkschuppen schallte und zu Nummer 25 der meistverkauften Singles aller Zeiten im UK wurde. So propagiert der TV-Sender den „Summer of the 80s“ und unternimmt eine Zeitreise in das Jahrzehnt, das uns Joy Division und New Order bescherte, Style Council und Prince, Duran Duran und Chic.
Grund genug für „HighHolyDiscoMass“. „HighHolyDiscoMass“ (übrigens ein Songtitel der ebenso wie Human League aus Sheffield stammenden Industrial-Avantgardisten Clock DVA) bittet nun mit Bands wie Cabaret Voltaire, Heaven 17, Shriekback, 400 Blows oder Gang of Four (just to name a few) einerseits die Creme de la Creme der 80er Jahre und der damaligen Post-Punk-Ära zum Tanz und schlägt andererseits mit neuen Helden wie Junior Boys, MGMT, Hercules and Love Affair oder White Lies (again just to name a few) die Brücke auf den Tanzboden des dritten Jahrtausends. Da bleibt dann mit David Bowie nur noch eins zu sagen: „Let’s dance!“




