Mein Lieblingsinstrument

Mit Thomas Schumacher von Elektrochemie LK

29.09.2003, 12:03, Text: Thomas Schumacher, Thomas Schumacher

Eigentlich habe ich überhaupt kein Lieblingsinstrument im klassischen Sinne. Ich bin immer heilfroh, wenn alles im Studio rund läuft. Daher handele ich auch oftmals nach dem Fussi-Motto: never change a winning team. Soll heißen, ich kaufe mir recht selten neue Instrumente. Zuletzt war das ›Logic Platinum‹. Eigentlich ist das ja Software, aber für mich ist es auch ein Instrument. Das Programm finde ich fantastisch. Besonders die Audio-Funktionen sind Sahne, und ich brauche noch nicht einmal einen Sample-Editor. Prima! Richtig aufregend finde ich all die Plug-Ins, die es mittlerweile gibt. Letztens hat mich jemand auf www.digitalfishphones.com aufmerksam gemacht.

Dort kann man sich gut klingende De-Esser, Channel-Kompressoren und andere hilfreiche Plug-Ins umsonst herunterladen. Wie toll ist das denn? Im Berliner Studio meines Freundes Mijk Van Dijk habe ich neulich das ›Virtual Guitarist‹-Plug-In erlebt. Was für eine Erfindung! Ich bin vollkommen begeistert. Endlich Gitarre spielen können. Das Leben ist schön. Apropos Gitarre. Letztes Jahr habe ich Caitlin eine Gitarre zum Geburtstag geschenkt. Sogar mit Tonabnehmersystem. Auch eine nützliche Erfindung. Jetzt kann sie die Gitarre direkt in ›Logic‹ reinspielen und aufnehmen.

Audio- bzw. Harddisk-Recording ist ja eine Welt für sich. Ich kann mir gar nicht vorstellen, Vocals jemals ohne den Computer aufgenommen und bearbeitet zu haben. Na ja, muss wohl so ähnlich gewesen sein wie der Sprung ins Midi-Zeitalter – damals, als ich noch jünger war. Ich schweife ab. Also, lustig finde ich im Zusammenhang mit ›Audio Recording‹ all jene Nerds, die sehr viel Zeit ihres Lebens damit verbringen, die Klangqualität von analogen Mischpulten und Tonerzeugern mit deren digitalen Brüdern und Schwestern zu vergleichen. Ein paar Aussagen gefällig? »Erst seit 32 Bit klingt Digital endlich wie Analog.« Oder: »Da gibt es jetzt Plug-Ins von XY, die klingen so unglaublich weich und analog, die schmatzen so richtig.« Darüber hinaus gibt es natürlich immer wieder die Legenden-Geschichten über US-HipHop-Produzenten, die diesen »typischen warmen, druckvollen, dreckigen Sound hinbekommen.« Meistens mit ihren ein oder zwei Geheimwaffen, die irgendwo im Studio in einem Einbauschrank versteckt werden. Es handelt sich Gerüchten zufolge um einen Ultra-Analog-Retro-Customized-Röhrenverstärker von XY, den es nur 2,5 Mal weltweit gibt, höchstens! Aber wer weiß, vielleicht ist an den Geschichten auch was Wahres dran?

Ich mag es auch gern mal weich und mit Rauschen. Digital hat für mich, gerade weil es anders klingt, auch seinen Charme. Was wäre denn die Welt ohne einen Bitcrusher? (Die Frage sollte mal den Jungs von Daft Punk gestellt werden!) Sorry, ich wollte gar nicht so technisch klingen. Nein, wirklich, ich bin kein Technik-Nerd. Klar, ein bisschen Bescheid wissen muss man schon, aber dann ist auch schon Schluss. Schließlich geht es mir ja ums Musizieren – und genau das werde ich jetzt tun.



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aus Intro #110 (Oktober 2003)
 
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