
Backup-Festival Weimar
Video killed the video star
26.09.2003, 17:47, Text:
Hendrik Kröz,
Hendrik Kröz
Kein Weimar ohne Goethe? Von wegen: Im Herbst (30. Oktober bis 2. November) steht in der Stadt etwas anderes auf dem Programm als dichterliche Denkmalpflege: backup, »ein internationaler Wettbewerb filmischer Arbeiten, die die tradierten Wege des analogen Kinos verlassen« (Zitat Presseinfo). Digitale Farbenlehre wird an die Stelle der Goethe’schen treten: Rot, Grün und Blau, die Grundfarben des Videobeamers, bilden die Struktur des Festivalprogramms, anstelle einer »nicht mehr zeitgemäßen« Unterteilung in Genres. Zur Stunde sondiert die Jury die eingegangenen Bewerbungen und stellt den Pokal auf den Sockel: ›backup.clipaward‹ heißt er und kann von Musikvideos gewonnen werden, die mit Einsatz neuer Medien der klanglichen Ebene eine bildliche hinzufügen bzw.
Was bietet backup noch? Das ›loungelab‹ – ein »dynamisches Netzwerk internationaler Kreativer, die Kunst als Open-Source definieren und während einer 10-tägigen Laborphase eine kontinuierliche Rekontextualisierung der räumlichen Strukturen in Gang setzen«, das Steckenpferd der Medienkunst – darf bei keinem ernst zu nehmenden Festival fehlen. Doch das Experiment könnte lustiger werden, als die abgegraste Formulierung verspricht, weil die Besucher die Möglichkeit haben werden, direkt ins Geschehen einzugreifen. Wo künstlerische Praxis waltet, sind erklärende Theorie-Panels meistens nicht weit. So auch in Weimar:
›backup.closeup‹ heißt das Podium für die Schrift zum Bild, dort endet das Festival jedoch noch lange nicht. Es wird auch über den nationalen Tellerrand geblickt: Das ›backup.forum‹ konfrontiert englische Clips (u. a. von Lynn Fox, D-Fuse und Shynola) und Arbeiten der Bauhaus-Universität Weimar mit Filmen aus Osteuropa und Lateinamerika. ›backup.film‹ schlägt den Bogen zum Longplay und präsentiert neues Kino, das an den Themenkomplex des Festivals anschließt. Ein vielversprechendes Programm also, bleibt nur die Frage nach dem Titel: Aus welchem Grund macht man ein backup? Wenn man den Verlust von etwas Wertvollem befürchtet. Dahinter steckt Reservate von Qualität schaffen wollender Kulturpessimismus, der angesichts leerer Fördertöpfe und des stumpfsten Musik-TVs ever wohl auch angebracht ist. Dennoch: Wäre es nicht interessant, sich ein wenig mehr mit der Realität des Mainstreams auseinander zu setzen? Stellt sich nicht nur in Weimar, diese Frage.
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