The Sleepy Jackson

Die Cowboy-Sonnenbrille

09.07.2003, 14:46, Text: Daniel Decker, Daniel Decker

Irgendwie sleepy - müde sitzt Luke Steele mir gegenüber. Ein Jackett lässig über das schwarze T-Shirt geschmissen, die Gesichtsblässe von einem juvenilen Bart und die Augen von einer überdimensionalen 70ies-Disco-Sonnenbrille bedeckt. Gestern war er noch in Paris, nun sitzt er nonchalant in einem Metallstuhl in Köln. Vor ihm ein Milchkaffee, über den er hinweg auf das karge Interieur des Hotel-internen Cafes schaut. Mit \"Lovers\" veröffentlicht seine Band \"The Sleepy Jackson\" ihr Debütalbum. Einige EPs gingen voraus, für die der NME hype-typisch reichlich Vorschusslorbeeren vergab. Dabei kommen die Musiker nicht mal aus dem Königreich selbst, sondern von dort, wo es seine Verbrecher hinschickte: Down Under, Australien.

Aber erinnere man sich doch einfach mal an die Vines, bei denen man anfangs auch skeptisch war und sie am Ende besser fand als viele der unzähligen gehypten und wieder in der Versenkung verschwundenen britischen Bands. Und nicht nur das Outfit von Luke Steele schreit einem \"Becoming Star\" ins Gesicht. Auch das Album kann durchaus überzeugen. Die Melange aus Pop, Beach Boys-esken Arrangements, großflächigen Chören und Folk brachte Steele und seiner Band in ihrer Heimat sogar einen Award als beste Country Band ein. \"Kein großes Ding\" spielt Steele die Sache runter, doch einige Hardliner waren erbost. Es gehöre schon mehr zu Country als nur ein paar Slide-Gitarren, so die bösen Zungen. Doch die Liebe zu dieser Musik wurde Steele quasi schon in die Wiege gelegt. So war neben deutlich hörbaren Einflüssen wie den Flaming Lips oder Beach Boy Brian Wilson auch sein Vater wichtig für die musikalische Entwicklung. Dennoch, so Steele, hat sein Vater ihn nicht zur Musik gebracht. Sie war immer schon präsent. \"Wir mussten nur nach ihr greifen. Mein Dad wusste immer, wer gerade in war und hing mit verschiedensten Musikern rum. Sie spielten bis in die Morgenstunden zusammen im Waschraum und tranken Kaffee. Das konnten wir hören und somit waren auch wir countryfiziert.\" Und nun sitzt er als \"Ramblin' Man\" der Musik wegen in Europa, erzählt, erinnert sich und lächelt. Vielleicht blitzen sogar seine Augen hinter der übergroßen Disco Sonnenbrille. Disco? Vielleicht doch eher eine Cowboy-Sonnenbrille!



Artikel kommentieren
 
  • Mehr Infos

  •  
 
 

Social Network Login




Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
 
  • MEIST GEKLICKT

  •  
 

Spalter: Platte und Film des Monats

Spalter: Platte und Film des Monats

Das Intro-Streitgespräch: Jeden Monat eine neue Platte, ein neuer Film und unterschiedliche Meinungen. [...mehr]

 

INTRO-TV

K.I.Z. schauen fern - Videocheck beim splash: Von Klaus Kinski bis Fritz Lang

K.I.Z. schauen fern

Videocheck beim splash: Von Klaus Kinski bis Fritz Lang
... mehr

 

Spalter: Platte und Film des Monats

Spalter: Platte und Film des Monats

Das Intro-Streitgespräch: Jeden Monat eine neue Platte, ein neuer Film und unterschiedliche Meinungen. [...mehr]