Hello Kitty

Small Gift, Big Smile

23.01.2003, 13:38, Text: Sonja Eismann
[42 Kommentare]

Von Tokio aus im Siegeszug um die ganze Welt. Die kleine Katze ohne Mund ist angetreten, unsere Herzen und Geldbeutel zu erobern, und hat gewonnen. \"Was soll das, und vor allem hier?\", dröhnt es, vorausschauend, in meinem Hinterkopf, als ich nachdenkend auf meinem Hello-Kitty-Kugelschreiber kaue und am Hello-Kitty-Aufkleber auf meinem Notizbuch herumpule. Denn die Geschichte von Hello Kitty aufzurollen, bedeutet, natürlich, immer einen ganz persönlichen Trip in eine private Beziehung aus Verzückung, unreflektierter Emotion und Vorbehalten; aber das gilt eben nicht nur für die eine, die hier darüber brütet, sondern für viele.

Und stellt damit so was wie ein öffentlich gelebtes Liebesverhältnis dar. Denn neben der milliardenschweren Marke, als die Hello Kitty mittlerweile in den internationalen Bilanzierungsbüchern agiert, ist die süße Katze auch zu so etwas wie einem zurückhaltenden und doch sichtbaren Symbol für eine ganze Generation junger Frauen avanciert.

1974 wurde die minimalistisch gezeichnete japanische Katze in Tokio auf einer Plastikgeldbörse erstmals auf den Markt gebracht, nachdem die herstellende Firma Sanrio schon seit mehr als einem Jahrzehnt Grußkärtchen und andere kleine Geschenke hergestellt hatte. Das Firmenmotto, auf das man sich auch heute noch konstant beruft, sei die Idee gewesen, dass ein kleines Geschenk ein großes Lächeln hervorrufen kann. 1976 expandierte man in die USA und erwarb das internationale Copyright für Hello Kitty, die bis heute das berühmteste Aushängeschild der multinationalen Corporation ist. Neben dem Kätzchen gibt es jedoch auch zahlreiche. ebenso auf Schnuckeligkeit abzielende Charaktere wie etwa den kleinen Hasen My Melody, den rotzigen Pinguin-Rocker Badtz Maru oder den sportlichen Hund Pochacco, deren Patchwork-Familie ständig erweitert wird - insgesamt hat Sanrio schon mehr als 400 solcher Charaktere entworfen. Gemeinsam ist diesen Phantasie-Persönchen, dass sie alle Teil einer einzigartigen und offensichtlich sehr erfolgreichen \"Retail first\"-Strategie sind, die nicht wie z.B. Walt Disney Geschichten mit Charakteren kreiert und dazu dann passende Merchandise-Objekte liefert, sondern das Produkt selbst in den Mittelpunkt stellt. Das erlaube den Kindern, ihre eigenen Geschichten und Gefühle in die Tierchen zu projizieren, womit man unglaublich gut fahre, so Bill Hensley, Sanrios Marketing-Chef für die westliche Hemisphäre.

Aus dem Herzen sprechen
Über den Erfolg, den die japanischen, zum Großteil deutlich Manga-beeinflussten Figuren im westlichen Ausland genießen - neben alten Sanrio-Bastionen wie die USA und Europa werden gerade Süd- und Mittelamerika im Sturm genommen -, zeigt sich Bill Hensley nicht im geringsten erstaunt. Die puristisch-japanische Design-Ästhetik sei zwar \"clearly part of our heritage\", doch der Appeal von Hello Kitty, die dank ihrer (vielbeklagten) Mundlosigkeit keine internationalen Verständigungsprobleme habe, sei universal: \"She speaks from the heart\".

Hello Kitty White
Interessant ist dabei jedoch, dass die in Japan entworfene Kitty eigentlich eine Westlerin ist, denn sie wurde laut Stammbuch am 1. November (1976) in London geboren, wiegt so viel wie drei Äpfel und heißt mit Nachnamen, wie im Frühjahr 2001 zum ersten Mal im offiziellen Sanrio-Fanmagazin bekannt gegeben wurde, White. Pretty Western, huh? \"Hello Kitty is Western, so she will sell in Japan. She is Japanese, so she will sell in the West\", schreibt Douglas McGray in seinem Essay \"Japan's Gross National Cool\", in dem er der neuen popkulturellen Faszination des Westens für Japan nachgeht, die langsam das Paradigma der West- bzw. Amerika-besessenen JapanerInnen komplementiert. Anfangs sei es schwierig gewesen, den westlichen und östlichen Markt gleichermaßen zu befriedigen, erzählt die langjährige Hello-Kitty-Designerin Yuko Yamaguchi dem Journalisten McGray, denn oft habe sie zwei Katzenversionen entwerfen müssen, da gewisse Farben und Motive in den USA tabu gewesen seien: pink und lila liefen super in Amerika, blau, gelb und rot gingen gar nicht, und auch eine mit Kitty befreundete Schnecke musste für die Amis aus dem Bild getilgt werden.

Sammelleidenschaft und Schlägereien
Jetzt gibt es nur noch eine Katze für alle, diese allerdings in beinahe endlosen Versionen. Jeden Monat dürfen Kitty-Fans in den zahllosen weltweit verstreuten Shops und bei Franchise-Partnern rund 400 neue Produkte und Linien bestaunen, die immer nur für kurze Zeit produziert und dann wieder aus dem Programm genommen werden. Kitty als Engelchen, als Geisha, als Braut, als Französin und sogar als Rockmusikerin - immer neue Variationen des Charakters werden erdacht, wobei ganz clever auch die Sammelleidenschaft der KonsumentInnen ordentlich angeheizt wird. So muss man mittlerweile beispielsweise 38,460$ für eine diamantenverzierte Kitty-Armbanduhr, hergestellt vom österreichischen Juwelier Swarovski, auf den Tisch legen, oder 2,300$ für eine limitierte Edition von in Deutschland produzierten Plüschkatzen, die anlässlich des 25. Geburtstags in Auftrag gegeben worden waren. Als im Jahr 2000 McDonald's in Singapur in einer Sonderaktion verschiedene Hello-Kitty- und Dear-Daniel-Figuren (ihr Boyfriend) ihren Special Meals beilegte, kam es zu endlosen Schlangen und sogar zu Schlägereien zwischen verzweifelten Fans, die unbedingt eines der Plastikfigürchen ergattern wollten - dabei wurden angeblich von McDonald's an die 3 Millionen Stück regulär verkauft.

Produktflut mit Aussetzern
Niemand kann eine exakte Zahl nennen, wieviele verschiedene Hello-Kitty-Waren derzeit in Umlauf sind, denn Sanrio stellt unzählige \"Licensing Agreements\" an andere Firmen aus. Die Schätzungen schwanken zwischen 12.000 und 15.000 - was übrigens einen weltweiten Jahresumsatz von ca. einer Milliarde Dollar generiert. Dabei wurde auch nicht das kleinste Bedürfnis vergessen, das KundInnen heutzutage verspüren könnten - wer will, könnte sich das komplette Eigenheim kitty-isch einrichten. Eigentlich fehlt nur noch das Hello-Kitty-Fertighaus mit pinkfarbenem Swimming Pool in Katzenkopfform. Bis dieses entworfen ist, können sich AnhängerInnen jedoch mit aparten Klorollenhaltern, kompletten Geschirrlinien, T-Shirts, Pantoffeln, Bademänteln, Reisetaschen, Fernsehern, Mobiltelefonen, diversesten Schreib-, Schmink- und Körperpflegeutensilien und natürlich Plüschtierchen vergnügen. Sogar einen Hello-Kitty-Computer gab es schon, ebenso wie ein Yamaha-Motorrad sowie ein Daihatsu Jeep mit der kessen Katze. Doch in dieser Flut von Produkten gibt es immer wieder auch Artikel, die nicht so Recht zum cuten, harmlosen Image der Figur passen wollen: Ein T-Shirt für die Youth Aids Foundation, auf dem Kitty für mehr Consiousness wirbt, freut unsereins und macht humanitär für das Unternehmens-Image Sinn, aber ein Vibrator? Und eine Knarre?

Problemzone Vibrator
Im Interview verwehrt sich Bill Hensley heftig gegen die Verwendung seiner Trademark für einen Revolver (den ich übrigens im Internet gefunden habe) und beteuert, dass die anbietenden Personen in keinster Weise mit Sanrio in Verbindung stünden. Beim Vibrator hingegen ist die Lage schon etwas anders, da windet sich der Marketingdirektor und muss zugeben, dass es sich hierbei um ein waschechtes und autorisiertes Sanrio-Produkt handelt, das er aber am liebsten auf den Mond schießen würde, wie es scheint. Der putzige Massagestab wurde ursprünglich in Japan nur unter der Prämisse lizenziert, dass dieses Ding nie außerhalb Japans verkauft werden dürfe, doch nachdem die Lizenz abgelaufen war, tauchten die Vibratoren plötzlich überall auf der Welt auf. Joyce Solano vom legendären San Franciscoer Sex Shop \"Good Vibrations\" berichtet, dass dieses Modell unglaublich populär sei und eine regelrechte Fangemeinde habe: \"I think it's a combination of the Hello Kitty image being so well known and the fact that this particular piece is so discreet that's making it so popular\", so Solana. Kicher.

Mariah, Christina, Brandy, Gwen, Drew...
Damit wird aber vor allem auch eines deutlich, was in der offiziellen, sehr auf Kindgerechtheit bedachten Diktion meistens ausgespart wird: Neben den Kids, die auf die flashig bunten Kindchenschemareize abfahren, und für die die Produkte offiziell hergestellt werden, gibt es da eine immer wichtiger werdende Kundschaft für Hello-Kitty-Objekte, die sich mit den Artikeln auf einer ganz anderen Ebene identifiziert: die jungen Frauen, von denen ich in meiner Einleitung sprach, die eben auch ganz andere Bedürfnisse haben als der offizielle Kitty-Fan zwischen 3 und 15. Bei Sanrio erkennt man zwar auch, dass die Nachfrage aus dem Segment der über 20jährigen steigt, doch führt man dies darauf zurück, dass diese Frauen mit Hello Kitty aufgewachsen seien und diese Liebe nun ins Erwachsenenalter rüberretten wollten. Es gibt viele erwachsene Stars, die öffentlich ihre Liebe zu Hello Kitty zelebrieren: Mariah Carey mit ihrer Kitty-Boombox, Lisa Loeb, die ihre letzte CD sogar \"Hello Lisa\" nannte und ganz ins Zeichen der Katze stellte, Christina Aguilera mit Schmuck, Gwen Stefani, Drew Barrymore, Brandy etc. mit verschiedensten Artikeln, sogar die Trendforscherin Faith Popcorn gibt eine gewisse Kitty-Fixierung zu. Daneben tummeln sich im Osten wie im Westen der Welt Millionen von Frauen, die sich als Corporate Women ihren grauen Business-Alltag mit Hello-Kitty-Filofaxes verschönern oder als Riot Grrrls Hello Kitty-Haarspangen im wildgefärbten Haar tragen und damit deutlich mehr als nur eine paar nostalgisch-schöne Kindheitserinnerungen aufwärmen.

Kittymania
Von einer neuen Bewegung will hier natürlich niemand sprechen, zu deutlich steht der Warencharakter der Katze, die nie etwas anderes sein wollte als Produkt, im Vordergrund, viel zu lange beherrscht Kitty schon die Herzen und Regale der jungen und älteren Mädchen und viel zu diversifiziert sind die Katzen-AnhängerInnen rund um den Globus. Vergesst also den nächsten Coup der Revolution Grrrl Style now, die wird auf einer anderen Ebene ausgetragen, wir sind ja nicht blöde. Doch das Faszinierende an der still und stetig um sich greifenden Kittymania ist vielmehr, dass in der Begeisterung für diese Figur zum ersten Mal eine ungeteilte, rein affektive und ungetrübte Freude über eine ganz klar für Mädchen gemachte, als femininer \"Kitsch\" konzipierte Figur in einer kollektiven Begeisterung kulminiert, die sich nicht von Werturteilen einer patriarchalen Gesellschaft sanktionieren lässt. \"And if feminism aims to create a world where our standard of measurement doesn't start with a white-male heterosexual nucleus, then believing that feminine things are weak means that we're believing our own bad press\", schreibt Lisa Silver in \"Girl, You'll Be a Woman Soon\", ihrer Eloge auf die neue selbstbewusste Girlyness. Sicherlich ist den Kitty-Freundinnen mehr als klar, dass sie mit dem Kätzchen eine Ware und keine Gesinnung (welche auch?) erstehen - nicht umsonst beschrieb die taz Hello Kitty einmal als \"das niedlichste Antlitz des Kapitalismus\" -, doch zum ersten Mal passiert hier öffentlich auf breiter Basis eine ganz selbstbewusste, fröhliche Revalorisierung des feminin Kodierten, das so gerne Spott und Verachtung ausgesetzt wird.

Negativmerkmal Frau
Gibt's nicht mehr, diese Geringschätzung? Nur ein Beispiel: Mit Gruseln erinnere ich mich an eine intro.de-Forumsdiskussion, in der darüber debattiert wurde, ob das tolle letzte Buch Karen Duves, über dessen Qualität sich alle einig waren, \"Frauenliteratur\" sei. Dies wurde entsetzt verneint, als sei das Epithet Frau hier Marker alles Verachtungswürdigen und Minderqualitativen. Abgesehen davon, dass eine Kategorisierung von Büchern nach Geschlecht genauso schwachsinnig ist wie bei Musik (der alte Heuler \"Frauenmusik\" wird ja auch ab und an noch ganz gerne ins Spiel geworfen), zeigt dieses Beispiel doch ganz gut, wie, verstärkt natürlich noch durch eine idiotische Medienpräsenz, die auf Frauen abzielende, weichgespülte Boulevardliteratur unter dem Label \"Frauenbücher\" vermarktet, die Kategorie Frau als Negativmerkmal funktioniert. Verständlich ist dabei, dass man weg will von den klischeehaft weiblichen Zuschreibungen, die Frauen in stereotyp feminine Rollen drängen und sie darauf reduzieren. Was ja auch der Ansatz des Second-Wave-Feminismus der 70er Jahre war, der Frauen von dieser \"Feminine Mystique\" befreien wollte, und sie aus dem Gefängnis sexistischer Geschlechtsbeschränkungen rauszuholen suchte.

Hello Kitty Feminism
Auch wenn wir heute natürlich noch lange nicht da angekommen sind, und Sexismus immer noch very much in the house ist, gibt es doch von der nachfolgenden feministischen Generation, den so genannten Third Wavers, in deren Reihen sich auch viele (Ex-)Riot Grrrls befinden, und die lustigerweise von manchen auch \"Hello Kitty Feminists\" genannt werden, diesbezüglich einen erfrischend neuen Ansatz: Dieses tiefverwurzelte Wertungssystem wird zumindest ansatzweise umgestülpt, und es wird hinterfragt, warum als weiblich codierte Beschäftigungen und Vorlieben in unserer Gesellschaft als wertlos und lachhaft gelten (pink, niedlich, Püppchen etc.), während \"Jungshobbies\" auch im Erwachsenenalter legitim sind (tough, kompetitiv, Rennautos). Dabei geht es natürlich nicht darum, ob Jungs oder Mädchen nun tatsächlich mit Puppen und Rennautos spielen, sondern rein um die soziale Zuschreibung zu einem bestimmten Geschlecht, das ja noch dazu gesellschaftlich konstruiert ist. So meint z.B. Cordula Ditz von der Band Parole Trixi, die auch zu den Kitty-Fans zählt: \"Mädchen sollen ja immer so schnell erwachsen und vernünftig werden. Hello Kitty erlaubt Frauen, verspielt zu sein. Dass erwachsene Frauen spielen, ist ja viel weniger akzeptiert und verbreitet als der Mann mit seiner Märklin-Eisenbahn\". Jennifer Baumgardner und Amy Richards schreiben in \"Manifesta\", ihrem Buch über Third Wave Activism, über diese Reappropriierung des Femininen: \"Girlies say, through actions and attitudes, that you don't have to make the feminine powerful by making it masculine or 'natural'; it is a feminist statement to proudly claim things that are feminine, and the alternative can mean to deny what we are. [...] Girlies' motivations are along the lines of gay men in Chelsea calling each other 'queer' or black men and women using the term 'nigga'\".

Niedlichkeit ruled
Genau diese Herstellung von Gemeinschaftsbezügen leistet auch die kollektive Begeisterung für Hello Kitty, die nicht als peinliches Laster verschämt versteckt, sondern mittlerweile begeistert kultiviert wird. So hat man oft sogar das vage Gefühl, zu einer globalen Community zu gehören, die ein geheimes Einverständnis darüber teilt, dass diese Niedlichkeit ohne Einschränkung ruled. Wenn man andere Frauen erblickt, die auch Hello-Kitty-Artikel sporten, stellt sich da irgendwie so ein Gefühl von Verbundenheit und Zusammengehörigkeit ein, das über die Sichtbarmachung von diesen Symbolen und den damit einhergehenden Konsens, dass das so völlig okay ist, generiert wird.
Sicherlich bietet Hello Kitty keine politische Plattform - das wäre ohne Mund auch etwas schwierig -, und die Figur an sich leistet genau so wenig wie das \"zigazig-ha\" der Spice Girls damals einen konkreten Anstoß zur Subversion des dominanten patriarchalen Paradigmas, sondern die Katze ist vielmehr, das gebe auch ich als Fan freimütig zu, ein Beweis für die fortschreitende Infantilisierung der Gesellschaft. Aber genau hier sehe ich noch mehr Potenzial von Hello Kitty, denn spätestens seit einem Artikel in der New York Times im Jahr '91 über die Ergebnisse einer Studie der Psychologin Carol Gilligan, ist bewiesen, war wir eh schon lange wussten: Dass nämlich das Selbstbewusstsein junger Mädchen, in viel stärkerem Ausmaß als das der Jungs, auf dem Weg in die Pubertät bzw. ins \"Frausein\" dramatisch in den Keller runterrasselt und dann nie mehr so zurückkommt, wie es in rosigen Präteen-Zeiten mal war. In diesem Zusammenhang kann so eine Rückversetzung in Vorkrisenzeiten, die frei waren von medieninduziertem Weiblichkeitsballast, durchaus auch ein \"Empowerment\" bewirken. Und das nicht nur für die Mädchen, wie am Ende noch mal angemerkt werden soll, denn erstens sollen Jungs ebenso wie wir von Genderstereotypen befreit werden, und zweitens gibt es ja auch genug Typen, die die Katze genauso lieben wie wir. Hey, you are very welcome in our club.



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aus Intro #102 (Februar 2003)
 
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  • User: Mas
  • Mas 23.01.2003 | 18:19:26
    ”Thank you very many.“
    Also, ich hab wirklich mit allem gerechnet, aber Hello Kitty als Titelgeschichte? Das muß ich erstmal verdauen ...

  • User: ZIGandZAG
  • ZIGandZAG 23.01.2003 | 18:22:13

    wunderhübsch :)

  • User: settergren
  • settergren 23.01.2003 | 18:59:50

    "...ist die süße Katze auch zu so etwas wie einem zurückhaltenden und doch sichtbaren Symbol für eine ganze Generation junger Frauen avanciert."

    wow, und ich hab da nix von gewusst. na toll! *grummel*

  • User: sportfreundin77
  • sportfreundin77 23.01.2003 | 19:01:18

    *kreiiiiiiiiiiiiiiiiisch*!!! :) :) :)

  • User: velouria
  • velouria 23.01.2003 | 23:45:29

    ihr koennt sagen, was ihr wollt, ich bin hello kitty fan und hier in oz ist alles so billig, weil direkt aus japan und ohne irgendwelche trendgedanken in dodgy souvenirlaeden verkauft, gleich neben japanischen pornoheften. ein paradies, leider weiss ich nicht, wie ich den ganzen kram nach hause kriegen soll...

  • User: grrr
  • grrr 24.01.2003 | 01:52:39
    Les Ÿper Sound / Fanklub / Sil
    so, den artikel komplett
    durchgeackert. mich wundert
    es aber doch sehr, dass
    dieses kätzchen zu einer
    art community-bildung führen
    soll. das ist dann doch wohl
    etwas zu weit aus dem fenster
    gelehnt, oder? klar kommt man
    über dieses optische moment
    schneller in ein gespräch,
    aber das ding ist käuflich und
    verbindet einen doch so wenig
    mit anderen wie die marke der
    turnschuhe oder des (renn-:)autos.

    irgendwo auf intro.de hatte
    ich schon den unterteil des
    vibrators gesehen und ihn
    auch gleich als solchen
    gedeutet. auf dem cover ist
    wohl nur die obere hälfte
    zu sehen. benutzt ihn hier
    jemand? kaufempfehlung?

    und wie heißt der fachtermini
    für die nutzung unterdrückender
    schimpfwörter, um sich selbst
    davon freizumachen?

  • User: Sonja Eismann
  • Sonja Eismann 24.01.2003 | 11:02:20

    subversion durch affirmation meintest du wahrscheinlich (im postkolonialen kontext heißt ähnliches ja auch mimikry, siehe biologieunterricht) - wobei ich dieses konzept aber nicht unproblematisch finde, weil es doch manche machtverhältnisse eher schön redet. aber in meinem artikel kommt es ja auch nur als zitat und damit als eine mögliche auslegung vor, die eh nicht 1:1 auf kitty/girlism umlegbar ist.
    ach und ist musik (als wichtiger community-faktor) denn nicht käuflich? alles ist heute produkt bzw. kann dazu gemacht werden.

  • Talara 24.01.2003 | 15:37:17

    treffender hättet ihr´s nicht sagen können.als ich das cover eurer ausgabe hier sah, ging mir gleich das herz auf.
    ich bin ein hello kitty anhänger. schon seit geraumer zeit. in maßen aber wahrscheinlich doch zuviel für mein alter. Doch wie ich jetzt gesehen habe macht helly kitty auch den Laufsteg in paris unsicher.
    Ach so und den Vibrator habe ich noch nirgends finden können. Meine Freunde auch nicht- die wissen nämlich von meiner Liebe zu dieser Katze und wollten mir ne freude machen.

    PS. wer sich das pink video "just like a pill" mal genauer ansieht wird eine junge Frau darin finden die sich eine Kitty tätowieren liess. Und gleich darüber Badz Maru. Da fehlt nur noch Choco cat

  • Timo Chan 26.01.2003 | 02:13:15

    hallo sonja,
    grosse props für diesen text, den ich spannend zu lesen fand. trotzdem würde ich hier gerne die möglichkeit nutzen, dich persönlich anzusprechen und weiter zu reden. meine frage:
    ist es nicht leider auch oft eher so, dass viele mädchen und frauen sich mit hello kitty auf das recht beziehen, einen ähnlichen (angeblich) geschlechtsspezifischen "tick" ausleben zu dürfen wie andere männer das bei fussball, wrestling oder besagter eisenbahn? kann so ein tick mit seiner flash-wirkung für die zeit vor der pubertät nicht eher ne auf die dauer ziemlich uncool eskapistische nerd-konsumerei werden? und ist die hello kitty-serie mit ihrer absolut masslosen masse an produkten nicht genau so abgelegt? wäre es hingegen nicht gerade besser, sich nicht von dem anerzogenen rosa täuschen zu lassen und sich der kontemporären realität hzu widmen? vielleicht liegt mir dabei eine magersüchtige bekannte zu stark im gedächtnis, die totaler kitty-fan ist. jedenfalls kann ich mir nicht vorstellen, dass das ungemein süsse kätzchen ihr hilft, diese krankheit abzulegen. (viel eher liessen sich parallelen ziehen zwischen magersucht und dem von dir beschriebenen girlytum, also auch den körper eines jüngeren stadiums zurück haben wollen). sich auf diese art zu verweigern kann aber eher wie bei diesem beispiel, was sicher weltweit kein einzelfall ist, auch in japan, eher krankhaft als gesund wirken. dementsprechend hätte ich mir bei deinem text trotzdem ein bischen mehr vorbehalt für diese fetische erhofft.
    sorry, aber ich finde deine cultural sudies-argumentation in bezug auf hello kitty ein dann doch etwas zu harmloses argument für die weltweite global überflutung (mit hilfe von mcdonalds natürlich) von japanischen plastik-katzen. oder anders und dazu: ich glaube dass die rosa/süss-taktik nicht weit führt. genau so wenig wie die schwarz und böse-metal-taktik für jungs, wenn die pubertät von dannen zieht. weil sie gerade anerzogene geschlechtlichkeiten mehr exzessiv feiert und verkultet als erweitert und befreit. so könnte man das parole trixi-argument für "wir dürfen auch unseren kitsch haben" leicht als afroamerikanisches "wir wollen auch die goldketten"-argument lesen. was meiner meinung nach sehr verständlich ist. aber ich denke, es wäre vielleicht vorteilhaft, noch ein stückchen weiter zu denken. was dann aber eher was mit deinem text als mit dieser wahrlich recht süss anzuschauenden katze ist.

  • Timo Chan 26.01.2003 | 09:34:44

    ups,
    hier ein paar berichtigungen

    satz 3: meinte flash-wirkung für die rückbesinnung vor die pubertät.
    satz 4: meinte angelegt, nicht abgelegt (sic!)
    letzter satz: süss anzusehenden katze zu tun hat. nicht ist. ist ja grammatikalisch quatsch.
    weiterhin: wollte jetzt nicht gerade sagen, dass kitty die magersuchtsübeltäterin ist. sondern eher die tendenz deines textes provozieren und konsequent durchdenken, und im kontext eines extremen beispieles einen bestimmten punkt forcieren. du weisst glaube ich eh was ich meine.

  • User: grrr
  • grrr 26.01.2003 | 15:40:33
    Les Ÿper Sound / Fanklub / Sil
    subversion durch affirmation?
    - nein, es war nur ein wort...

    der unterschied zwischen musik
    und kitty ist ja, dass man vielen
    menschen nicht gleich ansieht,
    welche musik sie mögen (jetzt
    mal abgesehen von klischehaften
    klamotten). man muss also die
    verbindung zu ihnen anders herstellen,
    während die tierchen ihr stummes
    - wie auch immer geartetes -
    signal an die sehenden aussenden.

    bei musik spielen orte (disco,
    kneipe) eine wichtigere rolle.

    dann ist es auch klar, das kitty-
    fans, die sich in der gleichen
    spelunke aufhalten, auch schneller
    einen draht zueinander finden.
    ähnliche sozialisation und so.

    oder sprecht ihr wildfremde
    schon mal in der fußgänger-
    zone auf ihren rucksack mit
    baummelnder katze an? das wäre
    dann wirklich ein beweis für
    etwas gemeinsames. tut ihr es
    auch, wenn euch die person
    durch andere merkmale nicht
    sympathisch erscheint?

    @timo: katze = kotze? ;)

  • Talara 26.01.2003 | 15:57:18

    Timo, ich kann deine Argumentation verstehen, möchte aber auch anmerken, dass nicht alle Kitty Liebhaber anerzogene Geschlechterrollen celebrieren/ausleben weollen.
    Ich selbst hab als Kind eher weniger rosa getragen, wurde sogar oft für einen Jungen gehalten. Nun könnte man meinen, dass ich ne Störung habe und jetzt meine unterdrückte Weiblichkeitt ausleben will. Mir wurde jedoch nie verboten mich wie ein Mädchen zu benehmen. Somit mag ich Hello Kitty einfach, weil ich es süss finde.Und weil ich rosa mag. Genau wie schwarz. Aber ich muss dir in einem Punkt uneingeschränkt zustimmen: ich entfliehe mit meinen Kitty T shirts undToastern der Realität des Erwachsene Seins.

  • schunkel 26.01.2003 | 16:12:13

    Beste Titelstory seit ewig. Toller Text. Im nächsten Intro bitte ein Roundtable mit Sonja, Timo, Kitty-Freundeninnen und -Feindeninnen. Und überhaupt: Zeichentrick- / Comic-figuren-Verkultung in allen Formen. Als Gast bitte Dietmar Dath einladen.

  • Timo Chan 27.01.2003 | 10:26:50

    wollte damit nicht sagen, dass erwachsen sein jetzt pflicht und toll ist. aber in genderfragen tut glaube ich etwas reflexion schon recht gut.

  • User: everpure
  • everpure 27.01.2003 | 12:51:44

    hello kitty? hallo bravo.

  • User: BlueKitty
  • BlueKitty 28.01.2003 | 12:22:03

    Hello Kitty auf der Intro....damit hab ich ja nu auch nicht gerechnet ^.^
    Ich finde den Artikel toll! Ok, ich bin ja auch Fan, aber ich denke er bringt gewisse Dinge auf den Punkt und besonders den letzten Abschnitt finde ich klasse!!!
    @Timo´Chan:deine Kritik finde ich schön und gut, aber ich glaube du bewertest den HelloKitty Rummel über.
    "auf die dauer ziemlich uncool"-what the hell is "cool"??? ;-)
    Man soll sich vom rosa nicht "blenden" lassen? ch, klar wäre es toll, wenn man sich von allem Konsum frei sprchen könnte... aber das funktioniert nun mal nicht. Diese "ticks" hat jeder und kommerzialisiert wir doch heute auch ALLES, egal um was es sich handelt...Musik,Klamotten, selbst Politik (ich sag nur:Kanzlerduell). Ein HelloKitty-tick mit Sicherheit nicht das schlechteste was ein Mensch haben kann.
    Ich denke anti-kitty kann man nur sein, wenn man durch und durch anti-kommerz bzw. anti-konsum ist. Und ganz ehrlich, gibts diese Leute noch? Ich selbst wäre es gern, aber es gibt zu viele schöne Dinge die man kaufen kann und manchmal braucht man sie sogar.
    Deine Energie in eine abweisende Haltung gegenüber Kitty zu stecken, halte ich für... Verschwendung :)
    Ich meine, man kann doch froh sein wenn jemand auf rosa und kitty steht :) Das sagt nämlich ein ganz schönes Stück über seine Persönlichkeit aus, z.B., das ddieser Mensch sicherlich kein Katzenquäler ist und auch sonst sicherlich eher sanftmütig. Es gibt jedenfalls ne ganze Menge mehr Ticks die ich für bedenklicher halte als HelloKitty.... Wrestling?Boxen?Autorennen? Geld gemacht wird sowieso mit allem, dagegen kann man nichts machen.

    Ach, klar kommt ein Stück Kindheit in einem hoch, wenn man eine süsse Kitty sieht... aber was ist daran schlimm? Ich glaube nicht, dass sich eine Frau hinter HelloKitty versteckt o.ä..


    Was auf jeden Fall stimmt, ist das man durch Kitty Fans schnell Leute kennenlernen kann und das man meist ein gewisses Zusammengehörigkeitsgefühl entwickelt. Zumindest für den ersten Moment. Auf der anderen Seite kann man sich natürlich auch viele "dumme" Kommentare anhören, wenn man mit einem großen rosa Kittyrucksack in die Uni kommt :) Ist eben nicht jederman(n)s Sache. Ich muss ja auch kein Fußball gucken ^-^ (tus aber trotzdem;))

  • tia 31.01.2003 | 09:57:53

  • tia 31.01.2003 | 10:08:17

    ich als leidenschaftlicher kitty fan habe diesen artikel sehr genossen! mehr davon...

  • _chaos_kind 01.02.2003 | 22:42:50

    small gift, big smile.....interessanter
    Beitrag. Vermutlich ist es mit Hello
    Kitty so wie mit vielen "Comebacks"...

    In der Kindheit / Jugend konsumierte man
    jenes Produkt, aus verschiedensten
    Gründen, eines Tages begegnet man diesem
    Relikt aus der Vergangenheit, dessen man
    sich irgendwie verbunden fühlt, aus
    dieser Verbundenheit konsolidiert man es
    als Kult, indem man es erneut als
    Statement verwendet, so oder so ähnlich
    ist es mit "Retros" oder etwa nicht?

    Da ist es ganz egal ob es das
    Bonanzza(?) - Fahrrad, der Zauberwürfel,
    der C64 oder Hello Kitty ist, nur dass
    ich mit dem Bonanzza - Fahrrad nicht
    mehr zur Arbeit fahren kann, den Hello
    Kitty Filofax hingegen kann ich prima in
    meiner Aktentasche verschwinden lassen.
    Das heißt für mich noch lange nicht,
    dass ich mich in die "Präteen-Zeiten"
    flüchten möchte oder unter
    Realitätsflucht oder Verlust leide. In
    einem Interview von Douglas McGray mit
    der Designerin und Sanrino’s erklärt er
    den Erfolg der Kitty folgendermaßen:
    "Today, teenagers and 20-something in
    the United States and elsewhere buy
    Hello Kitty purses and cell phone cases
    as icon of Tokyo pop chic.” Und so sehe
    auch ich dies Phänomen, als fashion
    statement ! ( Das morgen durch ein Neues
    ersetzt wird)

    Magersucht und Kitty.....
    Hi, Timo Chan, glaubst du nicht, dass
    Hello Kitty für Deine Freundin "nur" ein
    symbolisches Ausdrucksmittel darstellt.
    Und Du vielleicht ein wenig weit gehst
    zu sagen, diese Ikone begünstige ein
    Krankheitsbild. Wenn Du soweit gingest
    Ikonen der Comic und Kinderwelt als
    "Massenmedien" zu definieren, so stimme
    ich Dir zu, dass uns dort scheinbare
    "Freund und Feindbilder", sowie Ideale
    nähergebracht werden sollen, wie auch in
    anderen Medien wie Magazine, Werbung,
    TV, Computerspiele (Lara Croft) die
    nüchtern betrachtet uns allen ein
    übertriebenes ideal Bild von Körpern
    vorhalten......
    Ich vermute Deine Freundin bedient sich
    wie viele andere Frauen des Symbols der
    Hello Kitty um ihr eigene Identität zu
    konstruieren. Wäre es nicht Kitty würde
    sie ein anderes Symbol verwenden, Kitty
    ist aber nicht Auslöser oder Ursprung
    ihres Problems. Sie fühlt sich ihr nur
    verbunden, weil die Katze vielleicht aus
    einer Zeit stammt, als ihr Leben noch
    "in Ordnung" war.
    Sicher stellt Kitty als
    identitätsstiftende Figur nur ein
    Fragment von Vielen dar, Musik,
    Turnschuhe, Jobwahl, Freundeskreis etc.
    bis zum Inhalt des Kühlschrankes sind
    weitere Quellen aus denen wir unsere
    Bruchstücke beziehen, um diese zu einer
    individuellen Gesamtidentität zusammen
    zu puzzeln.
    Die heutige westliche Gesellschaft (bzw.
    Wohlstandsgesellschaft) identifiziert
    sich nicht mehr nach Land, Sprache,
    Nationalität oder Religion wir treffen
    eher in "Communities of Choice zusammen.
    (Arthur Kroll)

    "Überall auf der Welt spielen Kinder
    Pokémon und werden damit Teil dieser
    Kultur: " Ein japanisches Kind könnte
    mit einem amerikanischem Kind tauschen
    und spielen. Die beiden sind sich dabei
    näher als ihre eigenen Eltern, denn sie
    haben die gleichen Interessen, verfolgen
    die gleichen Ziele. Solange sie Pokemon
    spielen leben sie in der gleichen
    Kultur." Meint der Psychologe Serge
    Tisseron" zitiert in einem Brand eins
    Artikel
    (Brand eins 3. Jahrgang , Heft 05 Juni
    2001 "Weltjugend")

    Wenn Pokemon eine Gemeinschaft kreiere

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