Wohnen mit Johnny Marr

Carlos-Castaneda-Style

23.01.2003, 13:27, Text: Sascha Ziehn, Sascha Ziehn

Ich wohne in einem Haus auf dem Land, etwa 30 km von Manchester entfernt. Das habe ich 1985 gekauft. 1987, nach der Trennung von The Smiths, habe ich auch mal 3 oder 4 Monate in Kalifornien gelebt und dort mit vielen Leuten zusammengearbeitet. Aber ich brauche einfach eine Stadt wie Manchester in der Nähe. Es ist eine sehr kreative Stadt, und sie hat den großen Vorteil, dass ich in etwa 20 Minuten da bin. Ich wohne sozusagen mitten in der Natur, bin aber in 20 Minuten in der Stadt ­ eine ideale Basis. In der Nähe meines Hauses gibt es ein kleines Dorf, ca. 25 Minuten zu Fuß, da gibt es Restaurants und Bars. Seit ich hier wohne, hat sich eigentlich nicht viel geändert.

Neben meinem Haus ist ein riesiger Wildpark mit Tieren und einem See. Und ich habe auf meinem Grundstück sogar einen kleinen Privatwald. Da werde ich demnächst mal ein Video drehen und mir dann 45.000 Pfund in Rechnung stellen... Aber es ist wundervoll für unsere Kinder, so nah an der Natur zu leben. Unsere Kinder machen übrigens immer den Abwasch für mich. Ich bezahle sie dafür, weil ich so faul bin. Und vor allem mein Sohn ist da ziemlich clever. Wenn ich mit Abwaschen dran bin, dann stapelt sich das Geschirr überall, weil ich es immer aufschiebe. Und mein Sohn wartet immer, bis sich so viel Geschirr angesammelt hat, dass ich ihm mehr zahlen muss. Ich bekomme also regelmäßig eine Abwaschrechnung über 15 Pfund von ihm präsentiert...

Ich bin eher ein häuslicher Mensch, brauche Instrumente, Bücher und einen Internetanschluss, das reicht mir, um glücklich zu sein. Ich könnte eigentlich überall auf der Welt wohnen, solange ich die Dinge, die mir wichtig sind, um mich habe. Die Wohnungseinrichtung ist meiner Frau und mir enorm wichtig. Wir sind zusammen, seit wir 15 sind, kennen uns also sehr gut. Wir haben einen eigenen, sehr persönlichen Geschmack entwickelt: viele bunte Vorhänge, Möbel, die wir von Reisen mitgebracht haben, viele peruanische oder mexikanische Artefakte. Alles Gegenstände, die eine Geschichte aus unserem Leben erzählen. Wir sind recht psychedelisch eingerichtet, aber nicht so sehr 60's-Psychedelic sondern eher Carlos-Castaneda-Style ... Unsere liebsten Möbelstücke sind ein mehrere 100 Jahre alter marokkanischer Tisch und ein Bild von Dean Buchanan, einem Freund von mir aus Neuseeland: eine wunderschöne psychedelische Landschaft. Das ist mein persönliches Lieblingsstück in unserem Haus.

Der größte Luxus, den ich mir gönne, sind meine Laptops. Ich bin eigentlich Laptop-süchtig. Ich habe eine externe Festplatte mit etwa 4500 Songs, jetzt kommen noch mal 1000 dazu, weil ich in Deutschland so viele CD's gekauft habe. Und ich habe mir so ein Ipod gekauft, auf dem noch mal 1000 Songs sind. Wenn ein neues Laptop-Modell erscheint, muss ich es sofort haben, auch wenn ich es eigentlich gar nicht brauche. Ein ziemlich teurer CD-Player... Was mir noch fehlt? Zwei Delphine. Und was ich schon immer wegschmeißen wollte, es bisher aber noch nicht getan habe? Mein Telefon...



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aus Intro #102 (Februar 2003)
 
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