Wohnen mit den Puppetmastaz

Wu-Tang Clan aus Plüsch

22.01.2003, 16:35, Text: christoph koch, christoph koch

Sie machen schon eine ganze Weile die Hauptstadt unsicher und mischen von der ehrwürdigen Volksbühne bis hin zum mondänen Cookies jeden Laden auf, der nicht schnell genug die Türen verrammelt. Aber erst in diesen Tagen erscheint ihr lang erwartetes Album. Ladies and Gentlemen: die beste und lustigste Toygroup der Welt, der Wu-Tang Clan aus Plüsch und Latex, die Muppet-Show auf Absinth – die Puppetmastaz!

Zum Interview haben sich nur drei der rund zwanzig Puppen eingefunden – doch die plappern, schimpfen und schnattern für die anderen mit. Mr Maloke, der obszöne Maulwurf mit dem verknautschten Zylinder und der Phallusnase, Croucholina mit ihrem leuchtend orangen Haar („Ask more questions about my hairdo, please!“) und Frogga, der blaue Frosch, der in seinem weißen Anzug aussieht wie eine Gen-behandelte Kreuzung aus James Bond und Rocko Schamoni, stehen Rede und Antwort – geben sich dabei allerdings nicht immer Mühe, diese zur Frage passen zu lassen.

Wie kommt ihr im Allgemeinen mit den Menschen aus?

Frogga: Einige Menschen sind schon ganz okay.

Sie wissen schon noch, wie man herumspielt, ihr Herz ist noch weich. Die meisten scheinen aber steinhart und eiskalt zu sein. Viele Menschen sind in Wirklichkeit selbst Puppen, nichts als Marionetten ihrer eigenen Coolness.

Mr Maloke: Moment mal, was ist denn bitteschön falsch daran, cool zu sein?

Frogga: Nichts, aber man muss sich schon eine gewisse Herzenswärme behalten ...

Auf eurer ersten Maxi „Humans Get All The Credits“ klingt ihr etwas verbittert ...

Mr Maloke: Wir Puppen haben einfach keine Lobby. Alle wollen immer wissen: „Wer steckt denn hinter den Puppen?“ Alles dreht sich immer nur um die Menschen. Es soll aber auch mal um uns Puppen gehen.

Frogga: Die Menschen sind von sich selbst gelangweilt, weil sie sich nur noch selbst wiederholen. Die Evolution ist fehlgeschlagen, wenn du mich fragst.

Steht ihr Tieren dann näher?

Frogga: Ich reite gerne auf Hunden. Für uns Frösche sind sie ja größenmäßig wie Ponys.

Habt ihr Kontakt zu anderen Puppen aus der Entertainment-Branche? Ich denke da an die Muppets, die Fraggles ...

Croucholina: Ich habe Miss Piggy einmal getroffen, aber ich konnte sie nicht gut leiden. Sie ist ziemlich abgefuckt, voll auf Kokain. Sie ist wohl einfach schon zu lang im Business ...

Frogga: Sie hängt auch nicht mehr mit der Puppet-Community herum. Nur noch auf den Laufstegen irgendwelcher französischen Designer.

Croucholina: Dazu kann ich mal Folgendes sagen: Nothing’s older than yesterday’s success.

Mr Maloke: Worrrd!

Frogga: Neulich haben wir auch Yoda getroffen. Seit George Lucas seine ganzen „Star Wars“-Filme nur noch am Computer zusammenbasteln lässt, ist der arme Kerl arbeitslos. Trotzdem ist sein Gesicht noch auf jeder blöden Pepsi-Dose. Es ist wirklich ein Jammer.

Auch wenn sie noch so viel Blödsinn vor sich hin brabbeln – böse kann man den Puppetmastaz nicht sein. Sie haben dem Genre HipHop – ein Genre, das in Deutschland gerade komatös vor sich hin dämmert und international zwischen den Polen sexprotzende Prolobeats und politisch korrekte Realness mäandert – eine neue Spielart hinzugefügt. Respektlos-debiler Anarchohumor ist im Toys’r’Haus. Wer sich an Peter Jacksons großartige Muppet-Parodie „Meet The Feebles“ erinnert, denke sich noch ein paar dope Beats und versaute Lyrics hinzu und hat damit schon eine ganz gute Idee davon, wie diese Sache läuft.

Ihr habt angeblich ziemlich viele Groupies – sind das in der Regel eher Menschen oder Puppen?

Mr Maloke: Oft kommen auch Menschen mit ihren Puppen. Aber wenn ich mal einen Vorschlag machen dürfte: Bringt mehr Nylons. We like ‘em shiny.

Croucholina: Bei unserem letzten Videodreh haben wir Nylons mit Sonnencreme eingerieben, damit sie noch mehr glänzen – das war der Wahnsinn!

Was verbirgt sich hinter dem „puppet way of thinking“?

Mr Maloke: It’s all about the one: Stick to the one and don’t divide it into the two. Keep it raw and undone.

Croucholina: Choosing is losing!

Warum habt ihr euch gerade für HipHop als Genre entschieden?

Frogga: Wir leben für HipHop!

Mr Maloke: Wir putzen unsere Schuhe für HipHop!

Croucholina: Wir fressen Scheiße für HipHop!

Frogga: Ich kaue Fingernägel für HipHop!



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aus Intro #102 (Februar 2003)
 
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