
The Datsuns
Cock Rock Alienation
24.10.2002, 13:03, Text:
Till Stoppenhagen,
Till Stoppenhagen
Manchmal ärgert es mich schon, dass ich von den 70ern nur die letzten fünf Jahre mitgekriegt habe. Wirklich zu dumm. Was ich da außer psychedelischen Badezimmerfliesen alles verpasst habe: Die Metamorphose des Rock von der aufmüpfigen Protestbewegung hin zur monströsen, feist grinsenden Unterhaltungsindustrie, the rise of cock rock, Led Zeppelin in der Charter-Boeing usw. Für Jungs von heute, Jungs wie The Datsuns aus Cambridge, Neuseeland, ist das natürlich kein erstrebenswertes Identifikationsmodell mehr, auch wenn sie noch so sehr in jener Ära schwelgen. Warum auch? Ist ja eh nur noch als Karikatur à la Monster Magnet genießbar, so was.
Also gingen sie beim Stöbern auf dem Schutthaufen des Schwanzrock eklektizistisch-selektiv vor, krallten sich die Songideen und ließen die Image-Peinlichkeiten links liegen (auch wenn Songtitel wie \"Motherfucker From Hell\" anders wirken). Und so findet man auf dem aktuellen Debütalbum satten Deep-Purple-Monumentalismus in Songs wie \"At Your Touch\" und \"In Love\", aber eben ohne stundenlanges Solo-Gewichse und allzu ausgefeilte Produktion, sondern einfach nur \"geil und laut\"! Damit reihen sich auch solche schwer groovenden Schweinerocker nahtlos in die schnellen, schmutzigen Garagen-Nummern ein, die das Album ansonsten dominieren. Überhaupt atmen die vier Retrorocker trotz ihrer traditionell orientierten musikalischen Vorlieben eher den Spirit des Punk - siehe Ramones-Tribut-Gag mit den Nachnamen (alle nennen sich Datsun), das unposerhafte Stage-Acting oder die Umstände der Bandgründung vor sieben Jahren: Angeödet von ihrem 11.000-Seelen-Kaff trafen sich die Schulfreunde in einem Proberaum, hängten sich Instrumente um, von denen sie gerade mal die Namen kannten, und stellten lakonisch fest: \"Wir sind jetzt eine Band.\" Auf regelmäßiges Üben hatte natürlich auch keiner Bock: \"Dann würde uns ziemlich schnell langweilig werden. Wir proben eigentlich nur, wenn wir neue Songs schreiben\", gesteht Frontmann Dolf.
Weniger ist wieder mal mehr, wie der tighte Gig im Hamburger Logo deutlich machte. Auch der große Durchbruch erfolgte in Punk-typischer Do-It-Yourself-Manier: Nach drei selbstfinanzierten Singles wurde eine E-Mail-Bewerbung ans South-by-Southwest-Festival geschickt, das Sparschwein geschlachtet und zum gefeierten Auftritt in Austin geflogen. Dort freundete man sich mit den White Stripes an und machte sofort den Support-Slot auf deren US-Tour klar - so schnell kann's gehen. Mit dem letzten Taschengeld dann ab in den Flieger nach London, um bei John Peel zu spielen und sich die ersten hochdotierten Plattenverträge anbieten zu lassen. \"Wir wollten auf jeden Fall die völlige Kontrolle über unseren Output behalten\", erklärt Dolf zufrieden. \"Wir hätten schon früher einen Vertrag kriegen können, aber erst V2 waren bereit, uns diese Kontrolle zu lassen. Die sind ja ohnehin nur der Vertrieb, wir haben ja unser eigenes Label gegründet, damit wir unsere Sachen selbst verkaufen können, zu unseren Konditionen.\" Spricht's, blinzelt entspannt in die Sonne und setzt nach: \"Uns hat von Anfang an keiner unterstützt, wir haben das alles alleine hingekriegt, und dabei bleibt es!\" Anstatt sich nach der ersten NME-Erwähnung gleich in den erstbesten Knebelvertrag zu stürzen und sich von da an im neuen Ruhm zu sonnen, verlassen sich die Datsuns lieber auf ihr eigenes Händchen. Alles selber machen, klaren Kopf bewahren, keinem trauen, außer sich selbst - manche Dinge kommen halt nie aus der Mode ...
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