Mia

Die Bombe von Nebenan

24.07.2002, 17:50, Text: Kerstin Grether, Kerstin Grether
[51 Kommentare]

No More Drama

Es geschah nachts um halb drei. Ich lag im Bett, schaute Musikfernsehen und grübelte über all das krasse Zeugs nach, das ich tags zuvor auf dem Taz-Kongress in Köln von mir gegeben hatte. Wer spinnt hier eigentlich? Die anderen oder ich? Mit Hilfe der aktuellen Musikvideos wollte ich mir darüber Klarheit verschaffen. Denn auf dem Symposium hatte ich mich darüber ausgelassen, dass es außerhalb von R'n'B keine Role-Models für Mädchen mehr gäbe. Keine richtige Gegenkultur, kaum noch wütende Frauen-Stimmen - und wie sich das wohl auf den Seelenzustand von essgestörten 14jährigen auswirke. Und obwohl mir sogar etliche Mädchen im Publikum zugestimmt hatten und die ganze Sache eigentlich eher lustig rübergekommen war, fühlte ich mich irgendwie sauschlecht.

Warum musste ich auch immer so einen Aufstand um alles machen? \"No More Drama In My Life\" von Mary J. Blige ist wahrscheinlich doch die bessere Losung, um durchs Leben zu kommen, und ein ziemlich geiler Song obendrein.

Alles neu

Dann kam das Mia-Video zu \"Alles Neu\". Ich konnte es nicht fassen. Da lief ein stark geschminktes Mädchen mit einer Trotz-Miene durch die Straße, schüttelte wild und bedacht zugleich ihre Haarmähne und sang mit einer eigenen natürlichen - und wütenden - Stimme von einer Bombe, die gleich explodiert, und dass dann alles wie neu wäre. Und man glaubte es ihr aufs Wort. Und sie wirkte sexy, ohne dass sie dafür mit ihrem tollen Körper protzen müsste. Und ist wohl Teil einer Band, denn jetzt tauchten auch Jungs auf, die ein Einkaufswagen-Ballett aufführten. Yeah! Ich erwog kurz, auf eben diese Straße zu rennen - die ich bereits als die Straße am Rosenthaler Platz bei mir um die Ecke identifiziert hatte -, denn man will ja dabei sein, wenn's vor der eigenen Haustüre knallt - aber noch bevor ich meine Turnschuhe anhatte, war der Spuk vorbei, und ich brauchte eine Zeit, um zu realisieren, dass es nur ein Videoclip gewesen war.

\"Wenn du morgens auf die Straße rennst, eigentlich noch total verpennt, auf dem Weg schaust du dir Leute an, doch die schauen weg, das kotzt dich richtig an.\"
(aus \"Alles Neu\")

Let There Be Rock

Am nächsten Tag erzählte ich allen von diesem Video. \"Was, das findest du gut?\" Es stellte sich heraus, dass sie alle schon von Mia gehört hatten und so ihre Zweifel hatten. Das sei ja so was von Eighties, \"dieser Ideal-Abklatsch.\" Ich war verzweifelt. Wie konnten es diese Menschen nur wagen, den Ekel-Begriff \"Retro\" auf so eine tolle Band anzuwenden? \"Ja, der Electro-Sound halt, total 80er. Und wie die singt. Und der schrille Style.\" Und natürlich wurde auch gleich noch Berlin-Mitte mitbeleidigt. \"Ich finde, es klingt nach der Gegenwart\", sagte ich und erntete nur sehr verständnislose Blicke. Ich ließ mich natürlich nicht von meiner Begeisterung abbringen. Und das Vorabtape zum \"Hieb Und Stichfest\"-Album bestätigte zum Glück meinen Eindruck.

Die Stücke darauf quengeln so ungeduldig und übermutig, und die Sängerin Mieze schreit sogar: \"Ich bin die Zukunft!\" (Siehe Platten-Review.) So was kann nie nur Retro sein. Tocotronic waren auch nicht Retro, nur weil sie 70er-Jahre-Trainingsjacken trugen und AC/DC zitierten. Es kommt mir eher so vor, als wäre Mias 80er-Jahre-Sound ihr normaler Grundklang, mit dem sie arbeiten. Man denkt ja bei einem Gitarrensolo auch nicht automatisch an die 70er. Vielleicht ist das jetzt halt so: Hallo, die Kinder der 80er sind erwachsen. Und es gibt immer wieder neu eine Jugend, die sich verschwenden will.

Der Ernst des Lebens

Und macht die Tatsache, dass Mias Mieze ein bisschen nach Ideals Anette Humpe klingt, sie schlechter? Außerdem kommt es ja auch aus der Seele, wie jemand redet und singt. Das ist ja nicht immer nur Attitude. Und noch ein Satz zum Unterschied zwischen Mia und Ideal: Während die Songs von Ideal oft nihilistisch davon handelten, alle Worte, Fragen und Gefühle schon tausendmal durchlebt zu haben, zeichnen sich Mia-Songs eher durch die spontane Freude an einem Anfang aus. Die Handlungsoption in Ideal-Songs speist sich nämlich oft aus dem Gefühl, alles satt zu haben, während sich Mia in einer Welt, in der alles gleich scheint, auf die Suche nach dem Neuen begeben. Was ja auch nicht so überraschend ist, wenn man bedenkt, dass Ideal wohl auf das Erfahrungsdiktat der 70er reagierten und Mia auf den Zwang zum noch neueren, noch cooleren Produkt, der die 90er ausmachte. Man ist halt doch immer von seiner eigenen Zeit geprägt.

Die Definition von Süss

Dann endlich das Interview. Es findet in Ingos Wohnung statt, in einer schönen Straße im Bezirk Prenzlauer Berg. Gleich nebenan ist ein Secondhand-Laden - und schon komme ich zu spät zum Interview. Aber was ist schon zu spät bei einer Band, bei der es scheinbar den ganzen Tag drunter und drüber geht. Mieze, Andy, Gunnar, Robert und Ingo sitzen in der Küche und reden über die Setlist fürs nächste Konzert. Der ganze Rummel um sie scheint ihnen Spaß zu machen. Allgemeiner Tenor: \"Scheiß auf Coolness. Sag lieber, was du denkst. Wir scheißen auch drauf, ob die Leute uns mögen. Das kann man ja auch beobachten, dass es ganz wenige gibt, die sich nicht davor fürchten, gehasst zu werden. Da gibt es im Moment sehr viel Coolness, sehr viel Understatement. Es ist gerade so eingerissen in der deutschsprachigen Rockmusik, dass man um den Punkt drumherum redet. Vielleicht ist das ja ganz schön und hat seine Nische - aber richtig interessant ist es nicht.\"

Es geht viel Energie aus von dieser Band. Mieze ist sehr konzentriert bei sich und gleichzeitig total auf Draht und nach außen gehend. Die anderen auch. Aber Sängerin und Texterin Mieze ist schon der charismatische Wirbelwind von Mia. Sie haben gerade die Fotos für die Intro-Strecke gemacht, wollen aber nicht unbedingt über modische Aspekte reden. \"Wir machen Musik, das soll man nicht aus den Augen verlieren\", sagt Mieze sehr bestimmt. Und fügt trotzdem noch hinzu, dass die Designer, die sie tragen (Anne Schnüller, Olli 77), Freunde von ihnen sind. Denn Mia ist nicht nur eine Band, dazu gehört ein Netzwerk von vielen Leuten - dem u. a. Image-Designerin Inga Königstadt, Produzent Nhoah, das R.O.T.-Label, die Artwork-Tüftler Pfadfinderei etc. angehören. \"Alles Leute ohne viel Kohle, die ihren Traum leben.\"

Verrückt

Eure Songs strahlen soviel Übermut und Ungeduld aus. Ist das ein Grundgefühl der Band?

Mieze: Ungeduld und Übermut sind gute Worte, um zu formulieren, was wir in der letzten Zeit empfinden. Weil wir auch viel vorhaben, viel sehen wollen, da kann es manchmal gar nicht schnell genug gehen. Aber das kann sich auch wieder ändern. Wir kokettieren immer gerne damit, dass wir irgendwann mal Samba machen wollen und Dixieland und Country.

Worauf seid ihr eigentlich so wütend?

Mieze: Auf Leute, die einem nicht in die Augen gucken können, wenn man miteinander redet. Oder auf die Leute, die alles auf ihren Chef schieben: \"Ich muss das so machen, mein Chef hat das gesagt.\" Das sind die Leute, die auch schießen, am Ende. Gegen dieses \"Verantwortung ablehnen\" beziehen wir ganz bewusst Position. Wir stehen für Selbstbewusstsein. Es geht darum, nichts zu verstecken, sondern ganz klar zu dem zu stehen, was man will und was man ist.

Mia [Ich kann auf dem Interviewband leider die Stimmen der Jungs nicht auseinanderhalten. Darauf angesprochen, meinten sie, das sei okay, sie seien ja schließlich eine Band. Also fasse ich sie hier unter dem Bandnamen zusammen]: Neutralität ist scheiße, Gleichschaltung ist scheiße. Diesen Einheitsbrei gibt's ja momentan auf so vielen Ebenen: politisch, kulturell, musikalisch. Mach das Fernsehen an, dann siehst du, worauf wir wütend sind.

Mieze: Deshalb streben wir eine Veränderung an: im Bewusstsein und auch im Umgehen mit dem täglichen Umfeld. Aber trotzdem gehen die alten Werte - so was wie Liebe und Treue und Ehrlichkeit - nicht verloren.

Apropos Fernsehen: Seid ihr überrascht davon, dass \"Alles Neu\" so gut funktioniert hat?

Mieze: Es war so geil, uns zwischen Destiny's Child und Sugababes zu sehen. Leider habe ich im Moment gar keine Zeit mehr, es zu gucken. Aber überrascht hat es uns nicht. Wir machen ja alles sehr bewusst. Wir wollen schon erfolgreich sein. Von der Musik auch mal 'ne Miete bezahlen können, ein Käsebrot, einen Discobesuch. Wie jeder andere auch, der einen Job macht.

Cool Cat

Ist eure Message bei den Kids angekommen?

Mieze: Auf jeden Fall. Wir kriegen total viele Mails von Kids, die sagen, dass sie es toll finden, dass endlich mal jemand die Worte in den Mund nimmt, die sie schon die ganze Zeit denken. Oder dass sie's ganz scheiße finden. Aber auch die, die uns ablehnen, machen sich ja immerhin die Mühe, auf unsere Webseite [www.miarockt.de] zu gehen und das loszuwerden.

Welche Auswirkungen hat das?

Mieze: Ich habe keine Ahnung, was das für Auswirkungen haben kann, aber wir ermutigen sie, sich selbst zu begreifen, sich selbst nach außen zu kehren und zu sagen: Ich bin gut, so wie ich bin, weil genau so und nicht anders bin ich. Es ist viel schwieriger, sich zu verbiegen und zu verstellen und sich in ein Bild reinzupressen - oder reinpressen zu lassen.

Warum gibt es mehr Männer- als Frauenbands? Hängt es damit zusammen, dass von Mädchen eher erwartet wird, sich in ein Bild reinpressen zu lassen?

Mia: Interessante Frage: Es gibt ja genau so viele Männer wie Frauen in diesem Land.

Mieze: Das ist weder positiv noch negativ, es ist einfach genau so, wie es ist, und genau so ist es richtig. Es werden noch die verschiedensten und wildesten Formationen von Musikern auf uns zukommen. Und es gibt keine schwarz/weiß Frau/Mann-Trennung mehr. Damit muss man aufhören. Man muss die Gleichberechtigung leben, und dann gibt's so 'ne Frage auch nicht. Ich weiß nicht, ich hab' immer das Gefühl, es ist erst am Anfang von irgendwas, was noch kommt, und wer weiß, ey, was passiert, wenn Mia explodiert, was dann, ey, für wilde Mia-Coverbands an den Start kommen ...

Das Argument habe ich schon so oft gehört. Und am Ende verebbt der ganze Aufbruch dann wieder, und was übrig bleibt, sind die üblichen Ausnahme-Frauen.

Mieze: So dramatisch sehe ich das nicht. Wenn du sagst: als Mädchen ist es schwerer, dann lebst du auch, dass es als Mädchen schwerer ist. Wenn du aber einfach vorlebst, dass es keine Grenzen gibt, dann sehen die anderen Mädchen das und machen es auch so. Deshalb gibt es für mich auch keinen Grund, Feministin zu sein.

Mia: Feminismus bedeutet ja, dass man sich von den Männern abgrenzt. Das kann phasenweise vielleicht mal nötig sein, aber auf Dauer muss es sich doch mischen.

Feminismus hat nichts damit zu tun, dass man etwas gegen Männer hat, sondern dass man sich als Frau wohl fühlen will in der Welt.

Mia: Aber warum sagt man dann nicht gleich Humanismus dazu? Denn wenn die Frauen sich wohl fühlen, fühlen sich auch die Männer wohl.

Das ist wohl wahr: Ist die Katze gesund, freut sich der Mensch. Ich werde darüber nachdenken, wenn ich mal wieder bei der Frage angelangt bin: Wer eigentlich spinnt, die anderen oder ich? Und es wäre ja auch immerhin mal etwas Neues: sich NICHT als Feministin zu bezeichnen. Mieze: \"Man muss schon selbstbewusst sein, um sich mit unserem Selbstbewusstsein zu konfrontieren. Es ist nicht einfach, Mia-Fan zu sein.\"



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aus Intro #97 (August 2002)
 
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  • User: babsie
  • babsie 02.08.2002 | 16:06:42
    ich bin nicht kerstin grether.
    dazu hab ich keine meinung. "Ich werde darüber nachdenken, wenn ich mal wieder bei der Frage angelangt bin: Wer eigentlich spinnt, die anderen oder ich?" genau.

  • User: Lady Stardust
  • Lady Stardust 03.08.2002 | 02:58:08

    Was diese Frau für affirmative Scheiße von sich gibt, ist kaum auzuhalten.

  • User: Lady Stardust
  • Lady Stardust 03.08.2002 | 03:52:18

    "Scheiße" oder "affirmativ"?

  • User: Stitch
  • Stitch 03.08.2002 | 03:56:46
    neoliberaler Verschwo:rer
    beides zusammen. im sinne von "was ist an scheisse affirmativ". ich verstehe das wort glaub ich in diesem zusammenhang nicht.

  • User: Lady Stardust
  • Lady Stardust 03.08.2002 | 04:10:27

    Scheiße ist als Wertung der Äußerungen zu verstehen. Vielleicht hätte ich auch schreiben sollen: Es ist erschreckend, daß sich jemand so affirmativ äußert und trotzdem für sich in Anspruch nimmt, jung und wütend zu sein. Aber vielleicht kann sie sich auch einfach nichts Schlimmeres als Leute, die einem nicht ins Gesicht sehen, vorstellen.

  • brotvielfalt 03.08.2002 | 04:41:37
    Flitzpiepe
    mieze - ick glob ick spinne.
    also politisch ist was anderes.

  • User: Stitch
  • Stitch 03.08.2002 | 14:35:48
    neoliberaler Verschwo:rer
    tja, da bin ich wohl mal wieder der einzige, der dazu eine andere meinung hat. ein ansatz wie "Wenn du sagst: als Mädchen ist es schwerer, dann lebst du auch, dass es als Mädchen schwerer ist." ist meines erachtens gar nicht so falsch. ich will gar nicht über einen wie-auch.immer gearteten feminismus-backlash diskutieren, aber in meiner persönlichen lebenswelt ist das eher richtig als falsch. hat was mit der psychischen haltung zu tun, mit der man an dinge herangeht.
    mieze mag nicht die intelligenteste frau auf diesem planeten sein, aber sie weiss, was sie will und artikuliert das so, wie es ihr möglich ist. geht o.k. mit mir. bei bands wie oasis regt sich darüber auch keiner auf...
    @babsie: wie war das noch seinerzeit? rockismus ist langweilig, weil er sich immer nur beschwert, statt wie pop das leben zu geniessen? oder so ähnlich jedenfalls...

  • User: Sören
  • Sören 03.08.2002 | 14:47:14
    Tiki-Taka-Taliban.
    die feminismus-ansichten von mieze kann ich auch vollkommen teilen. sehr viel sympathischer als so verkrampft wie bei grether und co., mir z.B. übel aufgestoßen in diesem "hamburger schule/ deutsche musik"-roundtable in einem der letzten intros, wo grether (hab vergessen, welche) und bernadette la hengst sich die ganze zeit drüber beschwert haben, daß ja kaum frauen dabei waren und sind.
    wenn man als frau die ganze zeit daran glaubt, daß frauen diskriminiert sind (wobei ich diesen zumindest teilweise zutreffenden fakt nicht leugnen will), dann kann das ja nix werden.

  • User: alienne
  • alienne 03.08.2002 | 17:22:47

    stitch, willst du keinen "feminismus-backlash diskutieren", weil du ihn gerade mitproduzierst?

    |nur weil sie sagen, ich sei paranoid, heisst das nicht, dass sie nicht hinter mir her sind|

    sören, genau: 'leichter, unproblematischer, nicht zu eckiger feminismus. junx habens drauf und die wertmassstäbe klarblabla' ;-(

    "lass rocken baby"
    http://www.radio-z.net/raumzeit/072001/20.html

    "lass rocken, baby II"
    http://www.radio-z.net/raumzeit/102001/18.html

    schneidet euch (alle) doch die kehle durch; ja ich bin (heute) wütend.

  • User: Stitch
  • Stitch 03.08.2002 | 17:48:03
    neoliberaler Verschwo:rer
    @alienne: wenn du heute wütend bist, dann lass das doch besser da aus, wo deine wut herkommt. ich produziere gar nichts, ausser meiner meinung, und die ist eben, dass es, neben allen diskussionswürdigen thesen, eben auch frauen wie mieze gibt, die da aufgrund ihrer eigenen erfahrungen zu anderen schlüssen, kommen. wenn jemand dowas sagt wie "deine wahrnehmung wird extrem durch deine haltung beeinflusst", dann ist das für mich erstmal wahr. und wenn sie das auf ihr verhältnis zu feministischen ansichten überträgt, dann ist das ihre realität, und ihr da mit theoretischen erwägungen, die mit ihrer lebenswelt wohl wenig zu tun haben, zu kommen, führt zu gar nichts. das ist auch nichts weiteres als ein versuch, seine eigene sichtweise auf andere überzustülpen ohne sich darum zu scheren, ob das irgendetwas bringt (ausser vielleicht, seine eigene lebenswelt nochmal bestätigt zu sehen). nein, tut mir leid, aber diese art der herangehensweise hab ich über, darauf will ich mich gar nicht mehr einlassen. und schon gar nicht auf sätze wie "schneidet euch (alle) doch die kehle durch".

  • User: alienne
  • alienne 03.08.2002 | 18:50:46

    die wut bezieht sich schon auf (u.a.)dein posting, die kehle ist doch nur spass, also stell dich bitte nicht so an.

    dabei ging es nicht mehr um mieze, sondern darum, das es DEINER meinung nach mädchen auf grund einer psychischen haltung schwer haben und dabei sowohl die gesellschaftlichen verhältnisse die es mädchen schwer machen (u.a. junx) als auch zu der haltung führen ausklammerst, dann geht es auch für dich ok. klar dass du dich ja als teil dieser verhältnisse ebenfalls ausgeklammer hast.
    platt: 'mädchen sind selber schuld, und ich bins nicht gewesen klassikargument' geht als aussage ok für dich und darauf bin ich wütend; meine realität; unabhängig ob das zu was führt.

  • User: Anasca
  • Anasca 03.08.2002 | 19:03:11

    "deine wahrnehmung wird extrem durch deine haltung beeinflusst"?

    wird nicht andersrum ein schuh draus?


    und nur weil sie es so sieht, kann ich diese meinung trotzdem für inakzeptabel halten und mich darüber ärgern, dass solche meinungen in einer zeitschrift wie intro dargestellt bzw sogar apologisiert werden.

    und dass diese meinung jemandem sympathisch ist...nicht schwer nachzuvollziehen, ist als mann ja auch bequemer.


    der schlimmste bericht, den ich je in intro gelesen habe. und ich hab alle ausgaben gelesen.

  • User: Stitch
  • Stitch 03.08.2002 | 19:15:36
    neoliberaler Verschwo:rer
    @anasca: auf ersten teil geh ich gerne ein: meines erachtens wird andersrum eben kein schuh draus. ich würd mich noch drauf einlassen, dass es sich gegenseitig beeinflusst, aber ich bin definitiv der meinung, dass die grundeinstellung auf die wahrnehmnung einwirkt, bei jedem, immer. und du kanst dich natürlich drüber ärgern und aufregen, was dir an anderen ansichten nicht gefällt. darüber hab ich mich gar nicht ausgelassen. sondern nur über die art und weise, wie alienne darauf reagiert hat.

    die bemerkung, dass mir diese meinung deswegen sympathisch ist, weil sie für mich bequemer ist, überhör ich einfach mal...

  • User: Sören
  • Sören 03.08.2002 | 19:18:21
    Tiki-Taka-Taliban.
    natürlich wird deine wahrnehmung durch deine haltung beeinflußt. es gibt keinen objektiven blick auf die welt.

  • User: Sören
  • Sören 03.08.2002 | 19:30:13
    Tiki-Taka-Taliban.
    @alienne: nein, bitte nicht verallgemeinern. es geht doch nicht darum, daß frauen selbst schuld sind. aber es gibt eben frauen, die sich unterdrückt fühlen und, daraus resultierend, in ihre klassische rolle zurückziehen. das ist ein völlig verkehrter ansatz, da sind wir uns ja wohl einig.


    es geht hier doch nicht um feminismus ohne ecken. es geht um gelebten feminismus statt bloß propagiertem feminismus.

  • User: Lady Stardust
  • Lady Stardust 04.08.2002 | 01:49:40

    Aliennes Wut kann ich gut nachvollziehen.
    Und Sören: Doch genau darum geht es. Welchen anderen Sinn, als Personen die Schuld an ihrer Situation zu geben, hat denn diese "Man muß etwas nur wirklich wollen, dann bekommt man es auch"-Haltung bitte?

  • User: alienne
  • alienne 04.08.2002 | 11:50:20

    ich kann meine wut auch verstehen ;-)
    und ich finde sie gehört hier auch hin, aber nicht so, dafür eine entschuldigung.
    danke stitch für die PN

    mir geht dies hier weiter durch den kopf.

    Da ist dieser artikel, darin interviewaussagen von mia/mieze und da ist die diskussion darüber. gleich drei dinge auf einmal.

    Ich kann kertins begeisterung nachvollziehen, stichwort übermut.

    Ich finde mia/miezes aussagen sehr zweischneidig, in bezug zu feminismus lassen sie sich sowohl anti/postfeministisch lesen als auch als 'weiterführung' (gelebt, vermischung von kategorien, ...)
    ich finde die aussage, dass mieze dumm ist, unpassend (nicht die intelligenteste).

    zur diskussion:
    ich kann verstehen, wennn sich lady stardust über die aussagen aufregt, ich finde das gehört hier hin.
    ich finde die problematischen aussagen zum teil durch die haltung die kerstin beschreibt gebrochen, mia hat trotzdem was.
    in der art wie stitch und sören ladys kritik/ärger widersprechen und miezes ambivalente argumente aufnehmen vollziehen sie genau die problematische lesart der argumente: einen (für junx) entspannten feminismus.
    = wut

  • User: bizmark73
  • bizmark73 04.08.2002 | 14:00:50

    ich finde es tewas arrogant, anderen frauen vorzuschreiben, was der "echte"§ feminismus ist. madonna z.b. ist bestimmt nicht deswegen so ein pop-star geworden, weil sie sich zeit ihre lebens von männern unterdrückt fühlte.
    vielleicht
    unter anderem auch, aber es war nicht ihr hauptmotiv. trotzdem ist sie nachweislich ein beliebtes role-model für feministinnen.

  • User: constanze
  • constanze 04.08.2002 | 14:46:25

    ich finde es sowieso nicht besonders toll, dass in allen Artikeln über Bands, in denen (mindestens) eine Frau mitwirkt, sofort wieder zum Hauptthema gemacht wird "wie ist es als Frau in einer Band/ was hältst Du von Feminismus". Ist sowas nicht auch auf irgendeine Weise sexistisch, weil man die Bandmitglieder so stark auf ihr Geschlecht reduziert?

  • User: babsie
  • babsie 04.08.2002 | 15:43:18
    ich bin nicht kerstin grether.
    wäre mitze ein typ würde ich schreiben, dass er auf allen fotos scheisse aussieht. sich vor solchen offenen aussagen zu drücken ist auch irgendwie sexistisch...

  • User: aldo moro
  • aldo moro 04.08.2002 | 20:04:19

    dazu passend der satz bei den leserbriefen von fee magdanz:

    "Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied"

    ich könnte kotzen.

  • User: Sören
  • Sören 04.08.2002 | 20:13:47
    Tiki-Taka-Taliban.
    reicht es vielleicht noch zu einer etwas reflektierteren aussage, herr moro?

  • User: Maja Strent
  • Maja Strent 04.08.2002 | 20:15:50

    in der tat interessant, welche real-life machos hier zu verteidigern des weiblichen geschlechts werden...

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