Antonio Negri und Michael Hardt

Die Ordnung der Welt

26.04.2002, 14:11, Text: Sven Opitz, Sven Opitz

Von der Unmöglichkeit, das Imperium zurückzuschlagen, ohne sich umzubringen: \\"Empire\\" von Antonio Negri und Michael Hardt ist das meistdiskutierteste politische Handbuch der Gegenwart. Es beschreibt den globalen Herrschaftsraum und Möglichkeiten der Revolution. Von Kapitalismus ist die Rede und auch von Kommunismus, Theorie spielt eine Rolle und ebenso die Praxis. Wir stoßen auf Probleme und finden Lösungen.

\\"Das Licht aus. Den Schalter um.
Hier ist das Imperium.
In meinem Blick gibt es kein Zurück
und kein Ende.\\"

(Tocotronic - \\"Dringlichkeit Besteht Immer\\")

I.

Leitmedium Handbuch
Lange Zeit war das Buch das Leitmedium der Moderne. Eigentlich im 20. Jahrhundert schon mehrfach totgesagt, feierte es seine großen Auftritte regelmäßig in den Geschichten um Walt Disneys berühmte Entenfamilie. Immer dann nämlich, wenn weder der geizige Großkapitalist Dagobert, noch der ausgebeutete Verlierer Donald weiter wussten, retteten Tick, Trick und Track die Situation mit einem gezielten Blick in ihr Pfadfinderbuch. Dabei bestand das Beeindruckende dieses Vorgangs weniger in der altklugen Gelehrsamkeit, die die drei Neffen an den Tag legten, sondern in der Ordnung des Wissens, derer sie sich bedienten: Ihr schlaues Buch besaß in etwa die Maße eines Merve-Bändchens, erlaubte jedoch den problemgenauen Zugriff auf ein schier unermessliches Archiv. Es war, mit anderen Worten, Handbuch und Enzyklopädie in einem; seine Leistung bestand in der situationsgerechten Verfügbarmachung der Welt.

Tatsächlich wurde die Ordnung des Wissens im 20. Jahrhundert auch über Entenhausen hinaus zu einer alles entscheidenden Frage. Während des Zweiten Weltkriegs musste der amerikanische Wissenschaftler Vannevar Bush, unter dessen Leitung das Radar und die Atombombe entstanden, mitansehen, wie sein Forschungsstab immer riesigere Mengen an Daten produzierte, die kaum noch zu überblicken waren. Als Lösung für das Informationsüberlastungsproblem entwarf er einen technischen Apparat zur Verwaltung des Wissens: den \\"Memex\\". Dieser war nicht nach dem Modell eines klassischen Index konzipiert, sondern sollte Dokumente über Pfade verknüpfen und so die Verbindungsfähigkeit der Information mechanisch erhöhen. Ähnlich wie das menschliche Gehirn sollte die Maschine ihre Auswahl durch Assoziation treffen. Damit hatte Bush eine theoretische Lösung für das Projekt des enzyklopädischen Handbuchs entworfen, die aber technisch erst Jahrzehnte später realisiert wurde. Hypertext und Internet-Suchmaschinen als die bekanntesten Beispiele für Systeme der nicht-linearen Organisation des Wissens stehen in seiner Tradition.

Jede mediale Umwälzung umfasst allerdings nicht nur das Aufkommen neuer Technologien, sondern auch deren Rückwirkung auf die herkömmlichen Medien. Das Buch ist demnach seit der Erfindung des Buchdrucks nicht das gleiche geblieben. Den ultimativen Entwurf des Buches in der Post-Gutenberg-Galaxis haben Gilles Deleuze und Felix Guattari bereits 1980 mit \\"Milles Plateaux\\" vorgelegt. Darin schreiben sie, dass man ein Buch nicht lesen soll, um seinen Inhalt zu verstehen, sondern um herauszufinden, womit es funktioniert.
\\"Milles Plateaux\\" verbindet sich ebenso mit Schallplatten und architektonischen Entwürfen wie mit politischen Bewegungen. Als unreiner Knotenpunkt mannigfaltiger Diskurse ist es in jeder beliebigen Reihenfolge lesbar und beschreibt die eigene azentrische Netzwerkstruktur mit dem botanischen Begriff des Rhizoms. Auch \\"Milles Plateaux\\" ist ein Handbuch für alle Fälle, jedoch in der Ordnungsform eines enzyklopädischen Wucherns unterschiedlichster Wissenstypen.

Exakt 20 Jahre nach \\"Milles Plateaux\\" veröffentlicht wiederum ein Autorenduo ein weiteres großes Handbuch. Es trägt den nicht gerade bescheidenen Titel \\"Empire\\" und obwohl es sich um ein theoretisch anspruchsvolles Textkonvolut handelt, findet es beim Erscheinen der englischsprachigen Ausgabe reißenden Absatz. Die Autoren Antonio Negri und Michael Hardt dürfte das erfreut haben, schließlich soll ihr Buch, wie jedes Handbuch, seinen Bestimmungsort in der Praxis finden. Man könnte allerdings einwenden, dass es in der Post-Gutenberg-Galaxis keiner enzyklopädischer Handbücher mehr bedarf. Jemand müsste Tick, Trick und Track vielmehr ein UMTS-fähiges Mobiltelefon in die Flossen drücken. Memex kills the Gutenberg-Star, gewissermaßen. Das wäre aber nur bedingt richtig. In Wahrheit hat nämlich nur die Enzyklopädie das Buchformat verlassen. Selbst wer heute das ausgefallenste Detailwissen sucht, wird unter einer amorphen Informationsflut begraben. Die Aufgabe des Handbuchs ist es deshalb, Information zu vernichten und die relevante Restinformation in eine Ordnung zu übersetzen, die möglichst viele Anschlussstellen bereithält.

Genau darin besteht das Anliegen von \\"Empire\\". Negri/Hardt wollen nichts Geringeres als eine interdisziplinäre politische Theorie der Gegenwart präsentieren. Dazu schreiben sie die Geschichte des Abendlandes als facettenreiche Erzählung des Niedergangs der imperialistischen staatlichen Souveränität, des industriellen Kapitalismus und der modernen Erkenntnistheorie. An deren Stelle treten begrenzte militärische Polizeiaktionen im Namen des Friedens, ein grenzenloser Weltmarkt sowie ein postmodernes Denken der Immanenz - allesamt eingefasst in ein neuartiges Regime imperialer Souveränität, das Empire. Damit kein Missverständnis aufkommt: Auch das Empire verfügt über ungeheure Unterdrückungs- und Zerstörungspotentiale. Nur es unterdrückt und zerstört nicht mehr nach den Schemata der Moderne. Das Empire \\"ist dezentriert und deterritorialisierend, ein Herrschaftsapparat, der Schritt für Schritt den globalen Raum in seiner Gesamtheit aufnimmt, ihn seinem offenen und weiten Horizont einverleibt. Das Empire organisiert hybride Identitäten, flexible Hierarchien und eine Vielzahl von Austauschverhältnissen durch abgestimmte Netzwerke des Kommandos\\".
Negri/Hardt setzen durch die Beschreibung dieser neuen Ordnung ein komplexes Muster abstrakter Orientierungspunkte für das Leben in der Jetztzeit. Die Anhänger des enzyklopädischen Projekts führen sie dagegen über die Fußnoten aus dem Text hinaus in den weltweiten Kommunikationsraum des Empire.

II. Disziplin und Kontrolle
Neben \\"Milles Plateaux\\" geben Negri/Hardt noch ein zweites Buch an, das ihnen als Vorbild diente: \\"Das Kapital\\" von Karl Marx. Statt Marx von den Füßen auf den Kopf zu stellen, machen sie sein Denken fruchtbar, indem sie den Produktivitätsbegriff ausweiten: Weil der postmoderne Kapitalismus von den Menschen verstärkt immaterielle Kompetenzen einfordert, geht die Produktion über die Herstellung materieller Güter hinaus und umfasst nun vor allem die Produktion von Kommunikation, Affekten und Subjektivität. Zudem wird erst unter den Bedingungen des Empire die von Marx nie verfasste marxistische Staatstheorie denkbar. Marx hat nämlich schon früh erkannt, dass Kapital und nationale Souveränität im Widerspruch zueinander stehen. Während letztere den Raum einkerbt und Grenzen errichtet, will ersteres seine Ströme im glatten Raum ungehindert zirkulieren lassen. Der Weltmarkt des Empire war deshalb das Ziel des Kapitals und ist zugleich die Bedingung einer marxistischen Staatstheorie: \\"Im Niedergang des Nationalstaats wird das Verhältnis von Staat und Kapital im eigentlichen Sinn vollständig realisiert. Kapital und Arbeit stehen sich direkt antagonistisch gegenüber. Das ist die Grundvoraussetzung jeder Theorie des Kommunismus.\\" Kapital und Herrschaft fallen heute in eins, was Negri/Hardt dazu verleitet, von der Aufhebung der kapitalistischen Produktionsweise innerhalb der kapitalistischen Produktionsweise zu träumen. Kein Wunder, dass der Philosoph Slavoj Zizek \\"Empire\\" vollmundig als das neue \\"Kommunistische Manifest\\" preist.

Die 420 Seiten über die neue Weltordnung werden jedoch noch von einem zweiten theoretischen Strukturmoment zusammengehalten: der Behauptung eines Wandels der gesellschaftlichen Machtkonfiguration von der \\"Disziplin\\" zur \\"Kontrolle\\". Michel Foucault hat in seinem 1975 erschienen Buch \\"Überwachen und Strafen\\" die Mechanismen der Disziplin beschrieben. Kurz gesagt handelt es sich dabei um einen Machttyp, der innerhalb von Institutionen normalisierend auf Körper einwirkt. Ob im Gefängnis, der industriellen Fabrik oder der Schule - überall produziert die Disziplin durch eine strenge Ordnung des Raumes fügsame Individuen, die eher als fixierte und formbare Objekte eingesetzt werden, denn als anzuhörende Subjekte. Oder genauer: Sie werden zu Subjekten im griechischen Wortsinn, der das Moment der Unterwerfung im Prozess der Subjektwerdung hervorhebt.

Im Empire sehen Negri/Hardt allerdings nicht mehr die Techniken der Disziplin am Werk. Damit schließen sie an eine These an, die Gilles Deleuze wenige Jahre vor seinem Tod in dem Text \\"Postskriptum über die Kontrollgesellschaften\\" vertreten hatte. Zwar wird in der Kontrollgesellschaft Subjektivität auf immer intensivere Weise hergestellt, verändert hat sich aber der Ort dieser Produktion. Die Einschließungsmilieus der Disziplin sind am Wegbrechen, so dass ihre Logik sich über das gesamte gesellschaftliche Terrain ausstreut. Weil sich die abgegrenzten Bereiche und Reglements aufgelöst haben, ist man in der Kontrollgesellschaft Arbeiter außerhalb der Fabrik, Schüler außerhalb der Schule und Mutter außerhalb der Familie. Waren die Subjekte der Disziplin wie standardisierte Maschinenteile der industriellen Massenproduktion, sollen sie im Empire hybrid und absolut flexibel sein.

Negri/Hardt verfolgen den Weg der Disziplin zur Kontrolle minutiös und binden ihn an einen Wandel der Produktion zurück. Sie falten gewissermaßen ihr marxistisches Instrumentarium auf die Machtanalyse von Foucault und Deleuze. Im Empire verschiebt sich nicht nur die Produktion quantitativ in den tertiären Sektor der immateriellen Dienstleistung; es wird auch jede materielle Fertigung als Dienstleistung konzipiert. Hinsichtlich des neuen Paradigmas der symbolanalytischen Wissensarbeit sprechen Negri/Hardt in diesem Zusammenhang von einer \\"Informatisierung der Ökonomie\\", mit der eine neue Art zum Mensch zu werden korrespondiert: \\"Heute denken wir zunehmend wie ein Computer, und das interaktive Modell der Kommunikationstechnologie gewinnt mehr und mehr zentrale Bedeutung für unsere Arbeitsaktivitäten.\\" Weil das Empire somit seinen Subjekten viel abverlangt, muss es sie pflegen. Um ihre Leistungsfähigkeit immer besser ausbeuten zu können, setzt die Kontrolle auf den Einsatz von \\"Biomacht\\" - einer Macht, die in das Leben selbst investiert und es verwaltet. Das gesamte Soziale wird nun als Körper betrachtet. Egal, ob im Hinblick auf Bildungsprogramme oder gentechnische Regulierungsphantasmen: In der biopolitischen Sphäre dient das Leben der Produktion und die Produktion dem Leben.

III. Die Multitude
Jede Diskussion um \\"Empire\\" kreist früher oder später um den schillernden Begriff der Multitude, der in der deutschen Ausgabe mit \\"Menge\\" übersetzt ist. Negri/Hardt zufolge tritt die Multitude das erste Mal in der Renaissance auf, nachdem die Menschheit aus der festgefügten Weltordnung des Mittelalters entlassen wurde. Sie ist \\"eine Vielfalt, ein Feld von Singularitäten, das nicht homogen oder mit sich selbst identisch ist, sondern ein einschließendes Verhältnis zu denen, die außerhalb stehen, besitzt\\". Als solches stellt die Multitude eine Bedrohung für die Mächte der Moderne dar, die sich die ausgefeiltesten Techniken ausdenken, um ihre revolutionäre Kraft in geordnete Bahnen zu lenken. Sie wird mit Hilfe von Vertragstheorien in eine transzendente Staatsform gepresst, zur Nation transformiert oder, kaum weniger schlimm, zu einem homogenen Volk erklärt. Aber die Multitude lässt nicht locker. Das ihr eigene Potential der Veränderung und der Kreativität stellt den wahren Motor der Geschichte dar, die eine Geschichte von Kämpfen ist. Zuletzt praktizierte sie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine massenhafte Verweigerung des Normalisierungsregimes der Disziplin. Neue Formen von kooperativer Produktivität wurden ausprobiert, kulturelle Widerstandsformen erfunden und der Bereich des Politischen ausgeweitet. Die Multitude war damit erneut zum Initiator einer Umwertung der Werte geworden: Acht Sunden Arbeit am Tag, ein Leben lang und dazu ein Auto - was noch Jahrzehnte zuvor ein verlockendes Versprechen darstellte, enttarnte die Multitude als einengenden Lebensentwurf. Aber was bekam sie als Ergebnis dieses ökonomischen, kulturellen und politischen Experimentierens? Das Empire, zunächst.

Die Multitude markiert zugleich die Position, von der aus Negri/Hardt argumentieren und für die \\"Empire\\" geschrieben ist. Während die klassische Wissenschaft ihre Vorstellung von Objektivität nur dadurch aufrechterhält, dass sie behauptet, von nirgendwo aus alles sehen zu können, produziert \\"Empire\\" situiertes Wissen; im Gegensatz zu dem größenwahnsinnigen Blick Gottes erscheint Positionierung als die vertrauenswürdigere Praktik der Wissensbegründung. \\"Empire\\" wird auf diese Weise zu einem Manifest, das vom Standpunkt der Multitude seinen theoretischen Entwurf auf die Ebene politischer Praxis bezieht. Negri/Hardt pflegen dabei einen radikalen Begriff des Politischen: Politik verweist darauf, dass nichts bleiben muss, wie es ist. Das Empire kann durch das Handeln der Multitude zurückgeschlagen werden.

Hier stellt sich allerdings das grundsätzliche Problem der Adressierbarkeit der neuen Weltordnung. Die Autoren beschreiben das Empire eher als Herrschaftstechnik denn als Institution. Auf der Suche nach dem verlorenen Zentrum stößt man vor allem auf strukturelle Logiken, die global ihre Macht ausüben: ökonomische Logiken, Logiken der Kommunikation und Militärlogiken. Vermittelt über diese Logiken funktioniert Regierung heute indirekt. Versucht man dennoch das Empire institutionell zu beschreiben, gerät ein komplexes Geflecht ineinander greifender Organisationen in den Blick, dem Negri/Hardt die Form einer dreistufigen Pyramide zuordnen. An der Spitze befindet sich die USA, die vorzugsweise gemeinsam mit den Vereinten Nationen im Weltmaßstab über den Einsatz von Gewalt entscheidet. Außerdem steht sie in enger Verbindung zu einer Gruppe von Nationalstaaten, die mit ihr die monetären Institutionen kontrolliert. Auf einer zweiten Stufe wird die Einheit der weltweiten Kommandospitze durch transnationale Konzerne und die an sie angegliederten Kapital-, Technologie- und Migrationsströme verbunden. Außerdem treten hier auch die restlichen Nationalstaaten als disziplinierende Regler an den Nahtstellen des globalen Kommandos in Erscheinung. Auf der dritten Stufe findet sich schließlich ein Patchwork unterschiedlichster Nichtregierungsorganisationen. Sie sind die Filter, die die Multitude passieren muss, um in den Strukturen des Empire repräsentierbar zu sein. Aus der Analyse eines derart dezentrierten Systems leiten Negri/Hardt die Behauptung ab, dass das Empire ein Nicht-Ort sei. Ein Nicht-Ort allerdings, an dem die Akteure verblüffenderweise so handeln, als gäbe es eine zentrale Autorität rechtlicher Sanktionierung. Und falls dem mal nicht so sein sollte, führt das Empire eben einen \\"gerechten Krieg\\" im Namen universaler ethischer Prinzipien.
Erscheint das Empire aus dieser Perspektive äußerst mächtig, ist es aus eigener Kraft zugleich schwach. Denn es agiert parasitär, das heißt, es lebt von der Stärke anderer. Der Widerstand der Multitude wirkt für Negri/Hardt als primäre Kraft, das Empire wird nur durch die Zusammenstöße mit dem Widerstand vorangetrieben. Die konstitutive Macht geht von der Multitude aus: \\"Das Empire behauptet, Herr dieser Welt zu sein, weil es sie zerstören kann. Was für eine Illusion! In Wahrheit nämlich sind wir die Herren dieser Welt, weil unsere Begehren und unsere Arbeit sie fortwährend neu erschaffen.\\" Das Empire findet sich plötzlich in einer paradoxen Situation wieder. Denn es hat Bedingungen hergestellt, derer es zum Überleben bedarf, die aber zugleich die Bedingungen seiner eigenen Abschaffung sind. Dem Empire und seiner immateriellen Produktion genügen nämlich keine disziplinierten Subjekte mehr. Weil es ihre ganze Kreativität ausbeuten will, kann es das Begehren niemals negieren, ohne dadurch selbst zum Stillstand zu gelangen. Weil Intelligenz und Affekt zu primären Produktionskräften geworden sind, fallen Produktion und Leben zusammen. Kurzum: Das Empire benötigt eine an Schöpferkraft, Wissen und kooperativen Fähigkeiten reiche Multitude, aber diese Multitude bedarf des Empires nicht mehr. Die Zeit ist reif für die Wiederaneignung des globalen Raumes, für die Inbesitznahme der Lebenszeit und für die eigenständige Kontrolle über Wissen und Kommunikation. Inmitten des Nicht-Orts des Empire kann die autonom produzierende Multitude eine neue Wirklichkeit schaffen: \\"Wir setzen dem Elend der Macht die Freude am Sein entgegen. Diese Revolution wird keine Macht kontrollieren können - weil Biomacht und Kommunismus, Kooperation und Revolution in Liebe, Einfachheit und auch in Unschuld vereint bleiben. Darin zeigen sich die nicht zu unterdrückende Leichtigkeit und das Glück, Kommunist zu sein.\\"

Das sind die letzten Sätze in \\"Empire\\", die auf eine offene Zukunft verweisen. Und sie wurden bereits milde belächelt. Man kann aber einem theoretischen Werk nicht ernsthaft vorwerfen, dass es einen Raum öffnet. So lange das Denken eine produktive Beziehung zum Handeln unterhält, ist begründeter Optimismus eine kraftvolle Ressource. Denkend werden Möglichkeiten in die Welt gesetzt, Unwahrscheinliches wird wahrscheinlich gedacht. Die Philosophie kennt genug wichtige Texte in denen kein Licht geschienen hat. \\"Empire\\" ist lieber ermöglichend als entmöglichend. Ein helles Buch.



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