Yeah Yeah Yeahs

Hype Hype Hypes

22.03.2002, 16:49, Text: Felix Scharlau, Felix Scharlau

Um knapp 14 Minuten Musik wurde wahrscheinlich schon lange nicht mehr so ein Wind gemacht. Aber mit Yeah Yeah Yeahs ist eine neue Rockband in the house, und weil die aus New York kommt, macht das Ganze derzeit natürlich Sinn. Ich sage nur The Strokes und der Vorteil der späten Geburt. Mit The Strokes hat das so heiß gehandelte Trio aber nun wirklich nichts zu tun, außer mit ihnen Konzerte gespielt zu haben, die sie direkt ins Vorprogramm der Jon Spencer Blues Explosion bugsierten. Man darf gespannt sein.

Und die Roadies erleichtert, denn auch die Vorgruppe der Jon Spencer Blues Explosion lässt den schweren Bass-Amp ums Verrecken lieber im Laden rosten, als noch ein viertes Bandmitglied für die weite Reise zu rekrutieren.
Yeah Yeah Yeahs, das sind Nick an der Gitarre, seine Mitbewohnerin Karen singt, und ein Kumpel namens Brian spielt Schlagzeug. So weit, so klassisch, aber zum Glück noch lange nicht alles. Ihre selbstbetitelte EP stellt das in aller Kürze klar. Neben Reminiszenzen an Boss Hog (schon wieder Jon Spencer) oder die straighteren Brassy (jetzt auch noch seine Schwester) enthält sie außer einem geilen Schuss Pop sogar eine Grind-Core-Passage, auf die Nick besonders stolz zu sein scheint, als er betont, Napalm Death hätten dafür Pate gestanden.

New York steht wieder so was wie Kopf - diesmal wegen einer Band, die es erst seit eineinhalb Jahren gibt. Jetzt sollen es auch alle anderen mitkriegen: Hier kommt was auf uns zugerollt. Fast schon gespenstisch, dass Yeah Yeah Yeahs in \"Our Time\" auch gleich den vermeintlichen Kommentar zu ihrem eigenen Hype raushauen. \"It`s our time to break on through, so glad that we made it, it`s the year to be hated\", lässt Karen hier nämlich wissen. So gut das manch einem wahrscheinlich reinlaufen würde, schon einen Satz später soll mit dem coolen Antistar-Habitus Schluss sein: \"Ja ja, auf die Zeilen sprechen uns alle an. Dabei war das gar nicht so gemeint, es geht mehr ums Underdogsein generell, auf keinen Fall um uns als Band\", macht Nick klar und bedauert, dass Karen gerade nicht in der Nähe ist, \"die könnte dir da bestimmt mehr zu sagen\".

Man sieht schon, the Rechtfertigungs-pressure is on, die nächste Hürde, das Debüt-Album, dafür aber auch schon genommen, bzw. im Kasten. Es soll im Spätsommer kommen. \"Ob auf Indie oder Major, wissen wir selbst auch noch nicht. Es gibt Angebote und wir sind noch am Überlegen.\" Die Sache wird ihren Weg gehen, soviel Prophetie darf erlaubt sein. Nick ist da verständlicher- und sympathischerweise noch etwas zurückhaltend: \"Wir hatten schon erwartet, dass es für uns okay laufen würde. Was bis jetzt aber schon alles passiert ist, hat uns wirklich überrascht. Unglaublich!\" Und wo sehen sie sich optimistisch gedacht in zwei Jahren? \"Ich für meinen Teil wäre gern aus den Schulden raus. Ich habe mich in letzter Zeit etwas übernommen.\" Ein Tipp: Mach weiter so. Dort, wo du bald verkehren könntest, gehört Schuldenmachen zum guten Ton.



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aus Intro #93 (April 2002)
 
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