
Borneo & Sporenburg
Erinnern an gestern und heute
29.11.2001, 17:50, Text:
Markus Koch,
Markus Koch
Die wunderbare Welt der Popmusik. Platten aufsaugen. Von allem etwas. Da die geschmacklichen Vorlieben leitend sind, ist für Borneo & Sporenburg (a.k.a. Daniel Varga und Frank Wössner) Pop kein Widerspruch zu House. Fan-Sein ist für beide ein Grund, überhaupt Musik zu machen: \"Wir spielen uns oft erst einmal Platten vor, die wir gut finden. Dann legen wir irgendwann los\", sagt Wössner. Nachdem sie bereits diverse Maxis veröffentlicht haben, kommen uns die beiden Stuttgarter diesmal mit dem Album \"Remember Today\".
Und da fließt alles ein, was zwischen Beach Boys, Prefab Sprout und French House nicht schnell genug die Bäume hochgekommen ist.
Bei all den musikhistorischen Plündereien geht es ziemlich slick zur Sache - im Gegensatz zu Daniel Vargas anderen Projekten Soda (ebenfalls Italic) und vor allem Rework (Playhouse). Die Tracks wurden konzentriert gebaut, wie Gebäude. Wössner war während seines Architekturstudiums länger in Zürich und schwer erreichbar, also musste man planen: \"Eine ganz andere Arbeitsweise, die für mich auch recht interessant ist. Sehr diszipliniert, nach Plan\", sagt Varga. Die Tracks sind daher sehr konstruiert und konzentriert; einfach die nächtlichen Inspirationen raushauen geht bei nur temporären räumlichen Zusammenkünften eben nicht. Mit der ganzen Planmäßigkeit wurde auch viel Dreck entsorgt, die Samples sollten nicht rauschen. Als anvisiertes Sound-Vorbild dienten da auch Pop-Produktionen. Aus ihrer gesunden Sichtweise auf Mainstream-Appeal machen die beiden kein Geheimnis: \"Wir kommen vom Club, haben aber ein Faible für Pop, für perfekte Produktionen, und vor allem die Lust, auch diese Welt mal auszuchecken.\"
Als Duo leben sie von ihrer Unterschiedlichkeit. Während Varga den klassischen Part des Musikers ausfüllt, kommt Wössner die Rolle des Architekten, Ideengebers und Kommunikators zu. Der eine geht Musik eher bauchig an, der andere redet gerne darüber und sieht stets fruchtbare Dialektiken. Wössner: \"Pop kann man nicht planen, trotzdem planen wir.
'Remember Today' bedeutet zum einen, sich an vergangene Höhepunkte der Popkultur zu erinnern. Trotzdem ist es wichtig, hier und jetzt Ideen festzuhalten, aktuelle Musik zu hören, sich auf Grund einer träumerischen Grundhaltung gerade noch an heute erinnern zu können. Ein Titel, der sowohl ästhetisch gut funktioniert als auch durch seine Schwammigkeit zum Nachdenken animiert.\" Das riecht nach Konzept. Die Musik zumindest ist klar, satt produziert, und mit \"Wiedersehen\" und \"Roxy\" sind potentielle Hits vertreten. \"This Is Music Added To My Day\" bietet 12-Inch-erprobte Melancholie mit verklärtem 80s-Flair. Und der Sack mit den Dance-Roots wird wieder zugemacht durch die ebenfalls in Kürze erscheinende 12-Inch mit Remixen zu \"Wiedersehen\", die sie selbst produziert haben. Im Januar folgt die Club-Tour, bei der die beiden wieder gemeinsam hinter den Plattentellern stehen werden.
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