Jack Daniel's Rock Night

mit 4Lyn, Thumb und Therapy?

19.11.2001, 19:07, Text: Johannes Gehr, Johannes Gehr

15.11. – Osnabrück, Lagerhalle. Rock und Whiskey. Kaum auszumalen, was von beiden zuerst war. Und wie egal all das, wenn die Dosis steigt. Das alte Gemäuer der Osnabrücker Lagerhalle dehnte sich jedenfalls unter dem Ansturm der feiernden Masse und wurde zur Hüpfburg. Ausverkauft. Die Jack Daniel's Rock Night, Ladies and Gentlemen, geht direkt durch das Hosenbein an die Eingeweide.

Vornweg Deutschlands NuMetal Startup 4Lyn, der eine prima Gelegenheit bot, Hände im Foyer zu schütteln. Dann weiter bergab in der jüngeren Rockgeschichte. Manch einer mag Crossover erinnern, das NuMetal der Alten. Mittendrin: Thumb aus Gütersloh.

Das Quintett um Brüllberg Claus Grabke ließ das metallbehangene Publikum die Schwerkraft vergessen. Wie eine Dampframme gehen Thumb durch die Boxen, druckvoll und fordernd, im Dezember dann als Support für Machine Head auf UK-Tour. Gerade auf der Bühne beweisen sie, warum es lohnte, für ihr drittes Studioalbum \\"3\\" die Zähne aufeinanderzubeißen und bandinternen Problemen zu husten. Gute Liveband, geiler Sound – um in Floskeln zu sprechen. Prima auch die Ansagen für bessere Welt von Claus Grabke: Wenn ihr morgens Probleme beim Aufstehen habt, vergesst nicht, das Leben ist lebenswert. Wahlweise auch prima: Trotz Druck auf die Geldbörse oder den Schädel, verkauft euch nicht! Darauf ein Yeah und eine Flasche Alkohol.

Womit wir beim Headliner der zweiten Konzertreihe unter Jack Daniel's Flagge wären: Therapy? Wenn es eine Band versteht, Rock und Whiskey sinnvoll zu verschmelzen, dann die Iren. Seit über zehn Jahre dabei und mit dem sechsten Album \\"Shameless\\" wieder zum Punkrock gefunden. Therapy? versprühten mehr Spielfreude als das Legoland. Andy Cairns sang sich die Seele aus dem Leib, Schlagzeuger Graham Hopkins hatte diese längst an den Teufel verkauft und trommelte wie ein Kraken auf Koks. Dank Mut zur Ballade (das Hüsker Dü-Cover \\"Diane\\") konnte Gitarrist Martin McCarrick den Cellisten auspacken und die Gitarre mit dem Streicherbogen spielen. Michael McKeegan bediente den Bass und das Publikum mit humorvollen Ansagen. Großartige Band mit griffigen Songs und Schmiss. Nach drei Stunden dann Schluß mit schamlos dreckigem Rock. Zufriedene Gesichter packen sich und entschlummern in Gedanken an ihren Lieblingswhiskey. Prost.



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