10 Jahre Intro

Wort ab

28.10.2001, 13:16, Text: Matthias Hörstmann, Matthias Hörstmann

Zugegeben, so ein Jahrzehnt ist in Zeiten nach dem Millennium-Wahn kaum noch der Rede wert. Mit diesem Special möchten wir dennoch - entgegen unserer sonst so ausgeprägten Vorwärtsbewegung - kurz stehenbleiben, innehalten und zurückblicken. 1991 bis 2001 - das waren immerhin neunzig Intro-Ausgaben und fünf Festivalguide-Jahrgänge. Gemeinsam macht das mehr als 9.000 Magazin-Seiten, stolze 7.500.000 gedruckte Exemplare, 3.500 geführte Interviews, 17.500 Album- oder Konzert-Reviews sowie unzählige News und Veranstaltungstermine. Um Tim Jürgens aus Ausgabe #50 zu zitieren: \"Alles umsonst?\"

Neben den Zeitschriften haben wir mit unserem emsigen Treiben über die Jahre verstärkt auch die Medien Online, TV, Events und Tonträger genutzt, um unsere Anliegen zu kommunizieren und - wo nur eben möglich - den Dialog mit dir, geschätztem Leser, zu suchen. Dabei war \"Here we stay, here we go\" von Anfang an die undogmatische, geradezu euphorische Parole.

Von wegen Businessplan und Strategie - Leidenschaft war und ist stets der Motor unseres Tuns, Belastbarkeit die Anforderung unseres Alltags, der nicht selten auch Sonntage einbezieht. Schließlich gibt's immer irgendeine Deadline für irgendeine Produktion.

Da kommt es natürlich auch schon mal vor, dass aus dem Spaß an der Sache der Frust mit dem Job wird. So ist dieses Intro-Ding für mich in der persönlichen Retrospektive Selbstverwirklichung wie Dauerstress. Nur ein klassischer Fluch der Metapher vom Hobby, das zum Job wurde? Auf jeden Fall ist das von ganzem Herzen kommende und mit viel Leidenschaft betriebene Schaffen zwischen Idealismus und Integrität auf der einen und Business und Wirtschaftlichkeit auf der anderen Seite nach wie vor ein Drahtseilakt. Um ihn zu bestehen, war und bin ich bereit, verdammt viel zu geben. Auch wenn es mir einiges an Leichtigkeit, Glauben und Hoffnung genommen hat, so gibt es doch noch täglich diesen unbeschreiblich geilen Glücks-Kick, den einem ein einziger toller neuer Song bescheren kann. Das macht dann allen Alltags-Ärger wett und schafft Bereitschaft, sich gegen lästige Mechanismen und für die Sache einzusetzen - und sei es nur, um andere an der eigenen Begeisterung teilhaben zu lassen.

Geprägt von den aufregenden zehn Jahren, in denen Zersplitterung und Globalisierung auch die Welt des Pop-Biz beherrschten, hat es mich insbesondere ein hohes Gut zu schätzen gelehrt: Respekt. Ein Wert, dem allzuoft keine Bedeutung mehr zukommt. Und so möchte ich an dieser Stelle für alles, was aus unserem Hause an Wort und Tat als respektlos empfunden wurde, um Nachsicht bitten.

Ich verneige mich vor allen, die gerade auch in schweren Zeiten mit Schweiß, Blut und Tränen für Musik leben, egal, ob in exponierter Stellung oder mit unsichtbarer Tätigkeit. Dies gilt natürlich insbesondere auch für alle Leser, Wegbegleiter und Mitstreiter, die mit ihrer Lobby für unser Tun, ihrer Kritik oder direktem Engagement der Sache Intro weitergeholfen haben.

Mit tollen Menschen und für aufregende Musik gleichermaßen zu arbeiten - all das bringt Faszination und liefert erst den Drive. In diesem Sinne: weiter geht's!



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aus Intro #90 (Dezember 2001 / Januar 2002)
 
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