
Introducing 2001: Das Popkomm-Eröffnungskonzert
Nachlese mit ausführlichem Videomaterial
22.08.2001, 20:27, Text:
linus volkmann,
Matthias Hörstmann,
linus volkmann,
Matthias Hörstmann
[8 Kommentare]
Superlativen-Huberei und, mal ehrlich, vieles sieht man im Leben ja mittlerweile bereits zum mehr als zweiten Mal, vermeintlich alles hat man schon gehört. Aber dennoch - wie großartig kam dieser Abend denn? Performances, Sound, Licht, Visuals, Klima, Stimmung und und und ... \\\\\\\\\\"Introducing 2001\\\\\\\\\\" hat alles weggerockt. Wort. Und wer das bewiesen oder erinnert haben will, kann hier in allen Formaten bei uns nachklicken. Und auch wenn von den 2.600 Besuchern jeder Zweite aus dem Musik- & Medien-Business stammte, auch wenn nach dem Blumfeld-Set um 1 Uhr nur noch Hundertschaften die gefälligen Party-Sets der Spooks und Freestylers erlebten, auch wenn Goldfrapp gegen den Bass des DJ-Sets eines Towa Tei ankämpften oder der 2nd floor der DJs weniger Aufmerksamkeit erhielt als die Live-Sets - dieses Introducing schrieb Geschichte(n).
Eskobar:
Die hübschsten \\\\\\\\\\"Band-Aid-Girls\\\\\\\\\\" im Backstage gehörten den Schweden, wie aus
gut unterrichteter Quelle verlautet wird. Der erste Eindruck der Jungs
verweist auf ihre Frisuren und abgefahrenen Stiefel - bis die Musik losgeht.
Der Gig gibt einen verdammten Vorgeschmack auf das, was mit dem forthcoming
Album eingelöst werden wird. Gänsehaut meets Indie-Glamour. Diese Band wird,
pardon - ist groß. Wie viel Platz bietet der Pop-Olymp 2001? Diese Jungs
möchten wir da sehen, sie haben es sich verdient! [Video 300k] [Video 56k]
The (International) Noise Conspiracy:
Der Wagen, der rollte. Das, was die (International) Noise Conspiracy rauslassen, ist unglaublich und lässt hinsichtlich textlicher und musikalischer Intensität gar ein \\\\\\\\\\"never mind REFUSED\\\\\\\\\\" zu. In der Rezeption der Nummer wird später heiß darüber verhandelt, ob und wie sehr die Show von Make-Up geklaut war. Pah, kleingeistig. Durch die Backstage-Betreuerin erfährt man, dass die Band allesamt Veganer sind. So was bedeutet was. Die Show in dem
Konformitäts-Look und mit den Rebellions-Gesten ließ jedenfalls keinen Stein
auf dem anderen. Bonus: Auch hier erstmalig Material aus dem im Oktober
erscheinenden neuen Album \\\\\\\\\\"A New Morning\\\\\\\\\\" - hierüber wird in Kürze noch
einiges zu lesen sein. [Video 300k] [Video 56k]
Louie Austen:
Zwischen den Gigs erscheint ein älterer Herr im Trenchcoat auf der
Bühne und performed kurzweilige bis experimentelle Sets, ob zu
Pulsinger-Vibes, mit Sinatra-Covers oder House-Rhythmen. Abgehangenster Charme. Louie Austen. Die Jüngeren staunen und sind beseelt von soviel
Lebenserfahrung, die ihnen da zuteil wird. Alle beginnen, ihre Eltern zu
hassen, weil sie ihnen nicht das geben konnten, was hier so lässig von ein
paar Generationen drüber verteilt wird. [Video 300k] [Video 56k]
Phoenix:
DIE Band, sie beginnt. Jetzt geht es um alles, das hier ist allen wichtig,
merkt man sofort. Dröhnen und Vorhang auf. \\\\\\\\\\"Ich heiße Thomas\\\\\\\\\\", skandiert der
gleichnamige Sänger in astreinem französisch-deutsch. Was danach ist, ist
nur noch Staunen. Die Rock-Performance, die zwischen Hyper-Affirmation und
Ironie sich derart grazil bewegt, dass man gar nicht mehr kann. Das
Geklatsche ist groß. Derweil legen die Franzosen unglaubliche
Heavy-Metal-Live-Gesten mit dem Rücken zum Publikum hin. Nach dem AIR-Cover
\\\\\\\\\\"Playground Love\\\\\\\\\\" und dem gefeierten Hit \\\\\\\\\\"If I Ever Feel Better\\\\\\\\\\" im
umgemodelten Uptempo ist das Set dann vorbei und 'beeindruckt' ist mehr als
nur ein Wort. [Video 300k] [Video 56k]
Goldfrapp:
Mit Goldfrapp eröffnet sich danach eine eher konträre Performance.
Hemmungsloser Schönklang wird auf die Reise geschickt, ohne Pomp und sonst
was. Cinescope, epische Soundteppiche, Weiten, Leichtigkeit und doch
Präzision. Verträumt und verklärt - ist das nicht hübsch? Das Publikum war
größtenteils dieser Meinung, nur die \\\\\\\\\\"Künstler\\\\\\\\\\" selbst zeigten sich weniger
beseelt. Nach ihren umjubelten Singles und dem bereits auf der Winter-Tour gefeierten 80er Cover von Olivia Newton John namens \\\\\\\\\\"Physical\\\\\\\\\\"
verlässt Alison Goldfrapp höchst unzufrieden die Bühne. Sie nimmt an, dass
der von hinter der Bühne zu hörende Basslauf des pumpenden DJ-Sets vom
parallel performenden TOWA TEI auch im Publikum für Unruhe sorgt, was jedoch
weniger der Fall war. Und so waren Goldfrapp die einzigen Künstler, die sich
nach dem Set nicht zufrieden zeigten. [Video 300k] [Video 56k]
Blumfeld:
Blumfeld, trotz kontroverser Rezeption allerorts - irgendwie die
Konsens-Bands des Abends und darüber hinaus. Etwas fällt gleich auf: Jochen
Distelmeyer, JD, erscheint in einer hellblauen Jeans-Latzhose und mit einer
Opa-Brille mit Bändeln dran. Ja, das ist Peter Lustig, liebe community. Was
jeden anderen aber elend entstellt hätte, wirkt in der Aura Distelmeyers nur
wie ein weiteres irgendwie tolles Statement, das man bloß gerade nicht zu
begreifen in der Lage ist. Es kommen halt die ganzen Hits, unterstützt -
wie übrigens alle Bands - durch großartige Riesen-Projektionen der
Visual-Künstler von Lichtsport, die bei Introducing stets \\\\\\\\\\"Licht zum Ton
angeben\\\\\\\\\\". \\\\\\\\\\"Gebt endlich auf!\\\\\\\\\\". Es ist vorbei. Ach, dann hat sich's ja doch
rentiert.
Auf dem zweiten Floor pushten derweil die Dubuccaneerz, Shantel, Towa Tei und die Phoneheads mit ihren DJ-Sets um die Party-Atmosphäre. Auch wenn der Floor zu keinem Zeitpunkt wirklich gefüllt war, so bot er eine überaus willkommene Abwechslung und 90minütige Sets, die einige Ermüdungserscheinungen vergessen machten und Towa Tei als Sieger hervorgehen ließen, auch wenn dies einer Alison Goldfrapp zum Verhängnis wurde ...! [Video 300k] [Video 56k]
Bleiben noch die besagten Live-Sets der Spooks (mit 8 Leuten auf der Bühne) und Freestylers (in kleiner Version mit 2 DJs und MCs angetreten), die größere Beachtung verdient hätten. Beide manifestierten ihre Live-Qualitäten mit Charme, Pepp und Energie - und als um 03.30 Uhr das Freestylers-Set beendet war, bedankten sich die Jungs spontan höchstpersönlich bei der verbliebenen Party-Crowd. Ein schöner Abschluss für alle, die solange durchhielten.
Auf Viva Zwei gibt es an mehreren Tagen Berichte über das Introducing. Hier alle Termine zum Mitschreiben:
Donnerstag, 30.08., 17:00, Viva Zwei, Fast Forward; 19:00, Viva (noch fraglich)
Freitag, 31.08., 00:00 oder 01:00, Viva Zwei, Wiederholung von Donnerstag; 17.00, Viva Zwei, Fast Forward.
Sonntag, 02.09., 14.00, Viva Zwei, Wiederholung von Freitag.
Und jetzt noch mal an alle: D.A.N.K.E. für das Kommen, D.A.N.K.E. für das Feiern, D.A.N.K.E. für das Unterstützen. Und denkt dran: im Winter geht \\\\\\\\\\"Introducing 2001\\\\\\\\\\" mit angemessenem Programm (oh ja!) auf Tour und bringt Events nach Hamburg oder Bremen, Berlin, München und Köln. Auf Wiedersehen im Dezember/Januar!
Wir bedanken uns bei unseren Partner für den hervorragenden Support:
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Sören 23.08.2001 | 08:23:53
Tiki-Taka-Taliban.
Introducing-Tour hört sich gut an.. aber ein Termin in Münster müßte schon drin sein, wo doch hier das Herz der Community schlägt... :-)
Sören 23.08.2001 | 08:30:30
Tiki-Taka-Taliban.
Ach ja, und sind schon Verhandlungen mit Künstlern angelaufen? Sonst könnte man doch mal in der Intro-Community nachfragen, wer denn so gewünscht wird...
Sören 23.08.2001 | 08:32:53
Tiki-Taka-Taliban.
Oh, und noch was (Ja, versprochen, nächstes Mal überlege ich mir vorher, was ich alles sagen möchte): Blumfeld als Konsensband? Also ich hab mir die wohlweislich nicht angeschaut.....
Fand auch schade, daß wohl einige Zuschauer fast (?) ausschließlich wegen ihnen gekommen waren, gerade bei einem derartig homogenen (also, äh, von der Qualität her) Line-Up..
rocko 23.08.2001 | 08:38:07
hab mir blumfeld auch geschenk, war besser (für mich) nach towa tei ein schwätzchen mit den phoneheads im hintergrund (hinterher auch mit ihnen) beim intro in der loung zu halten....und nicht zu vergessen...ich konnte endlich sitzen!!
Stefan Lehmkuhl 24.08.2001 | 10:51:21
tach sören. eigentlich ja gerne, abba sach mir als altem münsteraner mal, welche location evt. auch für 2 floors geeignet wäre...und komm mir nicht mit jovel. außerdem ist es doch in ms so: wenn zb towa tei in der luna bar auflegen würde, würden maximal 10 leute kommen. mach mal vorschlag! grüße.
Jenson 28.08.2001 | 00:01:46
1) die disko hat tatsächlich die athmosphäre bei sämtlichen ruhigen stücken kaputt gemacht.
2) Louie Austen wurde von Teilen des Publikums laut kommunizierend mit dem Rücken zur Bühne im regen stehen gelassen. Er tat mir fast ein bischen leid.
Sören 28.08.2001 | 01:29:25
Tiki-Taka-Taliban.
@stefan: naja, wenn wirklich nur 10 leute kommen würden, könnten wir zumindest den 2nd floor bei mir zu hause machen... *g*
obwohl, die nachbarn würden sich wahrscheinlich noch weniger freuen als alison goldfrapp... :-)
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