Like A Rolling Stone
05.07.2001, 15:51, Text:
Markus Koch,
Markus Koch
Früher, als die Zeiten noch anders - besser und härter - waren, zogen junge
Poeten, Maler und Musiker raus ins weite Land, um sich von der Muse
küssen zu lassen. Mit einem tollen Mädchen an der Seite, Hamburger
zusammenbetteln, Drogen nehmen und die akustische Klampfe schlagen. In
letzter Zeit ließ diese Tendenz etwas nach. Keine singenden Kerouacs
mehr, kein Bespringen fahrender Züge, um an der unendlichen Weite zu
wachsen.
Savvas Ysatis wagte Ende der siebziger Jahre, im unglaublichen Alter von fünfzehn Jahren, den Sprung von Griechenland nach New York.
Inspiriert von elektronischer Musik von Kraftwerk bis Jean-Michel Jarre war ihm das Angebot an elektronischer Hardware im Land, wo Ziegenmilch und Schafskäse fließen, zu dürftig: \"Ich wollte endlich mal die Geräte bedienen, über die ich immer nur gelesen hatte.\" Nachdem er einige Jahre mehr oder weniger erfolgreich in diversen Elektronik-Bands spielte, begann er unter diversen Pseudonymen zu veröffentlichen: Omicron, Seti, Arc, Futique, Skai und Allou nannten er und sein Freund Taylor Deupree, den er 1993 kennengelernt hat, sich damals.
Instinct oder KK hießen die Labels, auf denen sie neun Alben und eine EP veröffentlichten.
Zwischen Detroit-Techno und TripHop jagten die beiden alles Mögliche durchs analoge und digitale Maschinennirvana. 1997 zog es ihn dann zurück in die Sonne: Er begann aktiv am Aufbau der heimischen Athener Szene mitzuwirken, die nach seinen Aussagen, zur Zeit mächtig brummt. Zusammen
mit DJ Giannis Papaionnou gründete er das Label Sonar, auf dem experimenteller Techhouse erscheint. Mit dem Sänger und Texter Elias Aslanoglou startete er das Projekt \"Allou\", bei dem es ihm darum geht, seinen Sound mit griechischen Vocals zu fusionieren. Und Aslanoglou war es auch, der das Album \"Highrise\" an Tresor schickte - und es stieß auf offene Ohren, obwohl der Sound eigentlich besser auf Labels wie Mainstreet oder Basic Channel passt. Mittlerweile wurde das zweite Kapitel der Tresor-Geschichte aufgeschlagen: Das neue Album \"
Savvas Ysatis: Select\" groovt, dubbt und houst angenehm sonnig nach vorne (siehe Besprechung in Intro 85). Etwas verwirrend allerdings ist die Tatsache, dass Tresor das Album all jenen DJs andient, \".. die diesen Sommer (nicht nur) nach Ibiza reisen.\"
Nichts gegen Ibiza, aber diese Assoziation will sich mir nicht so recht erschließen. \"Select\" ist eleganter Dubhouse, allerdings und Gott sei Dank nicht so langweilig, wie vieles, was zur Zeit aus dieser Ecke kommt, denn Ysatis gelingt es, eigene Akzente zu setzen, Differenz zu schaffen. Und ganz nebenbei ist ihm auch noch eines der Sommeralben des Jahres gelungen - allerdings eher für die relaxten Badepartys und nicht die hedonistische Überdrehtheit einer gewissen Insel.
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