Feeder

File Under 'Honest Rock' (Videointerview)

23.04.2001, 13:38, Text: MichaelMKrumbein, MichaelMKrumbein


Das Genre, das bisher von Bands und deren Regeln dominiert wurde, die allesamt aus den 80er Jahren stammen, erlebt eine Art Wiederbelebung: der Rock. Dass dabei aber all die überlieferten Klischees nicht einfach nur wiederaufgewärmt werden, dafür tragen Bands wie Feeder Sorge. Der derzeitige Erfolg des in London lebenden Trios ist geradezu exemplarisch für den Wandel von Rock. Es gilt, genauer hinzuschauen und die Zeichen zu deuten, die auf Veränderung hinweisen.

Hinweis #1: Veränderte Berichterstattung

Ein untrüglicher Hinweis darauf, dass ein bestimmtes Genre (wieder) hip wird, ist die Berichterstattung der englischen Musikpresse, allen voran der NME.

Dieser hat Feeder jahrelang links liegen lassen, sich lieber um die Lads und die androgynen Typen gekümmert und ihnen zu Ruhm verholfen. \"Du musst einfach von einer Zeitung gemocht werden, um es zu schaffen\", erklärt Schlagzeuger John Lee, \"und wir waren immer im Kerrang!\" Das Fachblatt für Rock und Metall ist zwar eine Institution, auf der britischen Insel aber keineswegs tonangebend. Nach neun Jahren und zwei Alben aber sind Feeder plötzlich Thema im NME. Und auf einmal steigen auch ihre Songs hoch in den Charts ein: \"Buck Rogers\", erste Single vom Album \"Echo Park\", sogar auf Platz 5, \"Seven Days In The Sun\" immerhin auf Platz 14. Feeder fühlen sich natürlich bestätigt und freuen sich, dass britische Rockmusik, wie sie auch von Ash und den Stereophonics gespielt wird, endlich ihr Schattendasein beendet hat. [Video]

Hinweis #2: Die Typen Auf Der Bühne

Grant Nicholas, Songwriter, Gitarrist und Sänger von Feeder, entspricht dem Prototyp eines Rockers genausowenig wie Berti Vogts dem eines erfolgreichen Fußballtrainers. Nicholas Haare sind stylish gefärbt und frisiert, er trägt keinen dieser unnötigen Rock-Bärte, seine Kleidung ist zwar etwas abgerockt, aber dennoch schick. Nicholas redet überlegt, ohne jede Spur von Machismen oder Startum. Das liegt sicherlich auch daran, dass seine Sozialisation nicht der sonst üblichen im Rock entspricht: Seine Helden sind eben nicht AC/DC, Kiss oder Aerosmith, sondern Nirvana und The Police. Dabei waren seiner Meinung nach Nirvana für den Beginn des Wandels verantwortlich: Cobain, Novoselic und Grohl hätten eine ganz neue Entwicklung gestartet, eine, die den Rock der 80er Jahre langsam zurückgedrängt habe und es eben nun, zehn Jahre später, Bands wie Feeder ermögliche, Erfolg zu haben. Wenn Feeder sich als \"honest rock band\" bezeichnen (bisher ja eher ein Sakrileg), dann klingt das auch ganz anders als bei solch retardierten Menschen wie Thomas Gottschalk oder ähnlichen Fossilien einer hoffentlich langsam aussterbenden Spezies. [Video]

Hinweis #3: Die Typen Vor Der Bühne

Nicholas und Lee sind der Überzeugung, dass sich auch die Kids verändert haben: Rockfans tragen heute nicht mehr gestreifte Stretchhosen, Vo-Ku-Hi-La-Frisuren oder - ganz schlimm - Schnäuzer. Die Kids von heute haben günstigstenfalls nie etwas von den früheren Rockhelden mitbekommen, sie fahren Skateboard und mögen einfach Musik mit Melodien und einem gewissen Grad an Härte. Das Publikum hat sich halt genauso verändert wie auch die Musiker. Sollten Feeder hier recht behalten, dann ließe das ja hoffen - in letzter Konsequenz gar auf eine bessere Welt. Für den Anfang würde aber eine Welt mit klischeefreier Rockmusik genügen. Und dafür sieht es momentan ganz gut aus. [Video]

Von Feeder gibt es auf intro.de noch den Track \"Turn\" zum Vorhören und das Video von \"Seven Days In The Sun\".



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