Helgoland [Heimspiel]

aufhören, wenn alles gesagt ist

16.02.2001, 14:24, Text: Autor unbekannt

Das Prinzip erinnert natürlich schwer an John Zorn in den Achtzigern. Dieser hat die Band damals ordentlich beeindruckt, genau wie Melt Banana, Zeni Geva und die Ruins, mit denen die Hamburger später auch gemeinsam aufgetreten sind. So ein Helgoland-Gig anno '99 war aber nach 20 Minuten schon wieder vorbei. Gab's da nicht Ärger mit dem Publikum? \"Das war sehr hysterische Musik damals, irgendwo zwischen Skin Graft und Japan-Core. Die 20 Minuten haben meistens gereicht.\"

Das neue Album ist da wesentlich zugänglicher, ohne nur annähernd dem Mainstream verpflichtet zu sein. Ata Tak hört man raus, No Wave, Punkrock, Jazz, sogar Zirkus- und Varietémusik.

Und immer wieder fiese kleine Metal- und Hardcoreschnipsel, von denen sie einfach nicht lassen können oder wollen. Rudi Burr meint all diese musikalischen Zitate nicht wirklich ernst, hat vielmehr Freude an deren absurder Stilistik: \"Wenn eine Band wirklich richtig böse sein will, dann finde ich das tragisch.\" \"Media Music\" wirkt durch die unterschiedlichen Stücke wie eine Compilation verschiedener Bands. Ganz schön mutig in einer Zeit, in der ganze Labels komplett austauschbar klingen. \"Wir hatten schon überlegt, diesen Compilation-Charakter zu vertiefen und als drei verschiedene Bands an einem Abend aufzutreten.\"

Neben vielen traditionellen Bandstücken beinhaltet \"Media Music\" auch Computertracks. Bei Auftritten werden diese entweder im Halbplayback reproduziert oder gar nicht erst gespielt. \"Elektronische Musik hat eine ganz spezielle Atmosphäre. Das wollen wir gar nicht selbst spielen können.\" Helgoland sehen Elektronik so zwar als Bereicherung ihrer musikalischen Möglichkeiten, wollen aber unbedingt weiter als Gruppe mit handgespielten Instrumenten arbeiten. Rudi Burr: \"Wir verfolgen das Bandprinzip weiter, einfach, weil es eine schöne Sache ist, zusammenzuspielen und nicht nur Maschinen zu bedienen.\"

Abenteuerlustig ging die Band bei der Covergestaltung zu Werke. Die Hülle sieht aus wie ein handbeschriebenes CD-R-Inlet mit einem fetten Fuji-Aufdruck. \"Ich mag diese Copyright-Spielereien. Wir wollten ein Cover machen, das im Laden total auffällt, beim Käufer auf dem Tisch aber völlig unbedeutend aussieht.\" Wenn das mal gutgeht! Man erinnere sich nur an Pan(a)sonic oder das U2-Cover der Band Negativeland und die Querelen mit den jeweiligen \"Namensvettern\".

Auch nicht ganz ungefährlich, allerdings eher für den durchschnittlichen Viva-Zuschauer als für Helgoland selbst, gibt sich die Titelauswahl für das aktuelle Video der Band. \"Soft End\", ein superentspanntes, mindestens dreiminütiges Stück irgendwo zwischen Vorabendserien-Soundtrack und Siebzigerjahre-Softpornountermalung, wurde nach \"Sendefähigkeit\" ausgesucht. Wer die Platte kauft, hungrig nach mehr solch entspannten Klängen, hat echt verloren. Oder eben doch eher gewonnen.

www.helgolandmusic.de
www.stora.de



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aus Intro #82 (März 2001)
 
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