Sugababes

die wirkung eines songs

28.01.2001, 10:37, Text: Autor unbekannt

Wirklich: da ist man doch glatt versucht, seinen feinsäuberlich mit lauter Madonnas, Surrogats, Björks, Coldplays, Jeans Teams oder Sigur Róses vollgepinnten Zettel zurückzufordern, um dieses eine Stück noch irgendwo unterzubringen. “Overload” ist POP as Pop can, und im Grunde habe ich bislang noch mit niemandem gesprochen, der dieser Hymne nicht zumindest Sympathien entgegenbringt. Könnte so was wie der nette kleine Konsens-Hit von schräg gegenüber werden, auf den sich letztendlich alle einigen. Und ich behaupte, dass dies allein über die Musik und nicht das Image oder die Show funktioniert. Da ist zunächst die alles richtig zu machen scheinende Produktion, die die alte Phil-Spector-Weisheit “achte darauf, dass sich das Klangbild auch im Mittelwellen-Radio durchsetzt” beherzigt und trotzdem immer mal wieder neu zu entdeckende subtile Spielereien bereithält.

Da ist der Beat, der sich im Sounddesign in erster Linie an R’n’B-Produktionen orientiert, mit seinen übereinandergeschichteten Percussion-Spuren aber letztendlich in eine ganz andere Richtung geht. Da ist der unwiderstehliche Basslauf, da ist die Melodieführung, die in ihrer Catchyness bekannt scheint und dennoch beim ersten Hören durch auseinanderstrebenden mehrstimmigen Gesang und unerwartete Harmoniewechsel überrascht. Und da ist zu guter Letzt das Gitarrensolo, irgendwie swampig und dirty, ganz und gar nicht slick und virtuos und dennoch das, was ich in meiner ersten Euphorie mal “die beste Gitarre in einem POP-Song seit mindestens ‘When Doves Cry’” nennen musste. Das Debütalbum “One Touch” ist dann auch sicherlich unspektakulärer, als die alles überragende Single zu versprechen versucht, ist im Vergleich dazu auch viel tiefer und offensichtlicher im R’n’B geerdet (letzten Endes sogar mehr, als mir eigentlich lieb sein kann). Nennt es durch meine Vorschuss-Sympathien induziert, nennt es Euphorisierung durch die Wirkung eines Songs, nennt es Verblendung durch den sagenhaften Auftritt bei “Top Of The Pops”, aber auch ich, der mit R’n’B eigentlich nicht besonders viel anzufangen weiß, vermag dieser Platte gute Seiten abzugewinnen.



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aus Intro #81 (Februar 2001)
 
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