Matador Records
Interview
14.01.2001, 22:49, Text: Autor unbekannt
? Wenn man die Geschichte Matadors betrachtet, dann ist es noch nicht so lange her, dass ihr begonnen habt, euch auch im größeren Ausmaß mit internationalen Künstlern zu beschäftigen. Wie kam es zu dieser Entwicklung?
C: Nun, so kann ich das nicht stehen lassen: Bailter Space aus Neuseeland gehörten mit zu den ersten gesignten Bands, oder auch Teenage Fanclub aus Schottland oder Pizzicato Five aus Japan.
? Aber wenn man den gesamten Labelkomplex betrachtet, dann stand Matador immer mehr für Gitarren-orientierten US-amerikanischen Indiesound.
C: Das stimmt, und dafür stehen wir heute noch. Das Label reflektiert eben den musikalischen Geschmack von Chris Lombardi [Gründer und Mitbesitzer von Matador Records und Leiter der Mutterfirma Matador Records USA] und mir.
? Aber es hat schon einen thematischen Wechsel bei euch gegeben. Früher eben hauptsächlich Gitarrenmusik, heute auch US-HipHop und elektronische Musik, wo dann Europa ins Spiel kommt.
C: Wir waren schon immer Fans der unterschiedlichsten Musikrichtungen. Wenn man sich die Geschichte Matadors anschaut, dann liegt der Schwerpunkt aber schon auf US-Indierock. Ausnahmen gab es immer wieder. Pizzicato Five stehen neben Unsane im Labelroster. Wenn du eine gemeinsame Ebene zwischen diesen Bands finden würdest, wäre ich überrascht. Was zum Beispiel elektronische Musik angeht, mag ich die Künstler auf Matador wegen ihrer Individualität und nicht, weil ich sie einer bestimmten Szene oder einem gewissen Genre zurechne. Es geht um deren Platten und um sie selbst, nicht darum, ob sich mit ihnen für uns neue Räume im Markt erschließen lassen. Ein Genre als Genre zu supporten macht für mich keinen Sinn. Deswegen: wenn wir ein US-Indierocklabel sind, dann stellt sich für mich nicht die Frage: „Ist Indierock tot?“ denn es ist scheißegal. Es ist Musik. Wen interessiert es, ob Indierock tot ist oder nicht. Wir denken nicht in solchen Kategorien. Es kommt nur auf die Platten und Künstler an.
Genauso verhält es sich mit HipHop. Seit langem eine unserer Leidenschaften. Es kam uns aber nie in den Sinn, HipHop rauszubringen, weil es einfach nicht unsere Welt ist. Mit den Indierockern sind wir befreundet, hängen mit ihnen rum, kennen uns aus. Indierock und Matador sind stark miteinander verwachsen. Was ich über HipHop weiß, weiß ich allerdings nur über Magazine. Ja, cool, wir signen Eric B. Ach so, der hat schon einen Plattenvertrag, hm ... Wir hatten es nicht vor, es war eher Zufall, dass die Arsonists bei uns unter Vertrag kamen. Chris und ich hatten uns dieselbe Single gekauft und waren von den Socken, als wir sie hörten. Wow, haben diese Jungs einen Plattenvertrag? Ach ja, natürlich werden sie einen haben ... Tja, und zwei Tage später saßen wir mit ihnen zusammen und sprachen darüber, ein Album zu veröffentlichen. So ähnlich sind wir zu Pavement gekommen. Wir waren Fans, liebten ihre Musik und konnten es kaum glauben, als wir erfuhren, dass sie keinen Plattenvertrag hatten. Es gab keinen Masterplan à la „Wir sind ein HipHop-Label, wenn wir die Arsonists signen.“ Sie haben uns gefallen, und wir hatten Glück. Das Signing der Arsonists zog dann mehr HipHop nach sich: „Hey, die haben die Arsonsists gesignt, vielleicht können die auch meine Platte rausbringen.“ Es ist gut, dass unsere erste HipHop-Veröffentlichung etwas Gutes und Eigenständiges war und nicht irgendein zusammengeflickter Scheiß. Dadurch haben wir in HipHop-Kreisen Geschmack bewiesen, und nun haben wir regelmäßig Kontakt mit anderen Künstlern, die wir auch bewundern.
? Die HipHop-Künstler haben also gut auf euch reagiert?
C: Ich müsste lügen, wenn ich behaupten würde, es wäre einfach gewesen. Die Arbeitsbeziehung zwischen uns und den Arsonists funktioniert sehr gut, da sie schlaue Jungs sind und hart arbeiten. Sie sind sehr integer und nehmen ihre Sache genauso ernst wie jede andere Band auf Matador. Nur funktioniert der HipHop-Markt völlig anders als der, den wir kennen. Es gibt einige wenige unabänderliche Gemeinsamkeiten, aber abgesehen davon ... Der Markt ist unglaublich wettbewerbsorientiert, viel stärker als andere Märkte. Manchmal habe ich sogar den Eindruck, in der HipHop-Welt wird eine ganz andere Sprache gesprochen. Na ja, wir werden weiterhin mit Künstlern arbeiten, die ähnliche Werte und Ideen wie wir haben. Aus dieser gesamten Identitätskrise „Was ist HipHop, was nicht?“ halten wir uns raus. Wir werden nächstes Jahr eine Reihe Platten veröffentlichen, von denen die Leute sagen werden: „Das ist kein HipHop“, aber das ist okay. Soll sich jemand anderes den Kopf darüber zerbrechen.
? Wie kommt ihr denn zu den Künstlern? Gibt es immer noch diese raren Momente, wo man eine völlig unbekannte Band live sieht und denkt: „Wow, signen!“?
C: Nein, und ich glaube noch nicht einmal, dass das früher so war. Ich gehe nicht aus und schaue mir Bands an, die ich noch nie gesehen habe, auf der Suche nach einem Signing. Ich gehe überhaupt nicht mehr soviel aus. Früher fünf, sechs Mal die Woche, fast täglich, heute vielleicht noch alle zehn Tage. Es passiert eher, dass ich mir eine Platte kaufe und denke: die würden gut zu Matador passen. Das einzige Mal, dass ich nach einem Livegig ein Angebot machte, war, als ich Sports Guitar in New York sah. Die haben mich wirklich umgehauen, und ich dachte sofort: „Hey, let’s do some business!“ Das war wahrscheinlich ein Fehler, ich hätte sie mir ein zweites Mal anschauen sollen ...
? Ich denke, du und Chris, ihr seid beide ganz klar Indirock-sozialisiert und erst sehr spät mit anderen Musikrichtungen in Berührung gekommen. Gestern erst habe ich mir eine Neuveröffentlichung von euch angehört, von jega, und das klang wie eine Warp-Veröffentlichung von vor sieben Jahren. Gibt es einen Grund, warum ihr so spät zu elektronischer Musik gekommen seid? Wann habt ihr gedacht, es sei auch Zeit, neue Musik, die ihr mögt, aus dieser Richtung zu veröffentlichen?
C: Wenn ich Musik mag, dann nicht, weil ich die Musik als Teil irgendeiner Szene oder Kultur sehe, sondern weil ich eine persönliche Beziehung dazu aufbauen kann. Wenn man sich dann dafür entscheidet, solche Musik zu verlegen, dann macht man sich Gedanken, wer das Publikum sein könnte, das man damit erreichen möchte. Ich bin ehrlich, wenn ich sage, dass wir noch viel dazulernen müssen, wie man mit elektronischer Musik verfährt. Da befinden wir uns gerade in einem Lernprozess. Genauso ging es uns mit HipHop, als wir die Arsonists signten. Wir waren für eine derartige Herausforderung sehr schlecht ausgerüstet damals, heute haben wir viel dazugelernt. In drei Jahren werden wir auch mit elektronischer Musik weiter sein.
Ich stimme dir zu, wenn du sagst, dass elektronische Musik ein Phänomen ist, das zum Großteil aus Europa kommt. Ich erinnere aber an Detroit.
? Klar, aber die Sachen, die ihr so auf dem Label habt, sind europäisch geprägt bzw. aus Europa lizenziert?
C: Okay, aber ich glaube, dass dieser Stil auf Matador sich weiterentwickeln wird. Es gibt außerdem nicht wirklich den EINEN Stil auf Matador. Schau dir unsere ersten drei 12-Inches an, die haben stilistisch nichts miteinander zu tun. Lesser und Steve Malkmus bedienen sich elektronischer Methoden, um ihre Musik zu machen. Es sind schon Gitarre, Bass und Schlagzeug drin, aber beide Sachen liegen so weit auseinander. Zugrunde liegt allen Produktionen eine bestimmte musikalische Idee. Man benutzt elektronisches Equipment zur Aufnahme. Ob man dann sogenannte elektronische Musik daraus macht, ist Sache des Künstlers. Lesser hört sich zum Beispiel nach kaputten CD-Playern an. Er bricht Musik auseinander. Von der Methodik her gibt es einige Ähnlichkeiten mit elektronischer Musik, aber stilistisch ist er näher dran an Death Metal oder Jazz-Improvisationen. Er versucht, die Sprache der Musik damit neu zu schreiben. Es gab Leute hier im Büro, die sagten: „Oh, ich weiß nicht, was es ist, aber es ist sehr musikalisch.“ Jemand hört Sensational und sagt: „Es ist kein HipHop.“ Wir entscheiden für uns, was HipHop oder Elektronik ist, was musikalisch ist. Wenn die Leute das nicht kaufen wollen, okay.
? Lass uns ein bisschen über Lizenzierungen sprechen. Die deutschen Sachen wie Console oder Pole, die du auf dem Label hast, sind lizenziert. Wie lief der Kontakt zu ihnen ab? Sind deren Labels mit dir in Kontakt getreten, um den amerikanischen Markt zu erschließen, oder ...?
C: Nein, es gab zwar Labels, die mit diesem Wunsch an mich herangetreten sind, aber nicht in diesen beiden Fällen. Ich war großer Fan des ersten Pole-Albums. Das war eine Platte, die von mir und anderen Leuten hier Besitz ergriffen hat. Das war eine jener Platten, die ständig bei einem laufen und die man ständig seinen Freunden vorspielt. In meinen Ohren klang es komplett neuartig. Die Platte macht gleichzeitig Spaß und stört dich. Das ist brillant. Ich nahm über die Faxnummer auf der Rückseite der Platte Kontakt mit Kiff SM auf. „Hey, wir sind Matador. Schön, euch kennenzulernen. Lasst uns über einen Lizenzvertrag sprechen.“ So ist das passiert. Mit Console ... Ich war lange Fan von Notwist, und ich glaube, sie waren und sind eine der größten Bands ever. Hier im Büro haben Chris Gillespie (International Label Manager bei Matador Records in New York City) und Chris Lombardi mich gefragt, ob ich Console kennen würde. „Ja, klar, ich habe schon einiges von denen gehört.“ - „Einiges, aber nicht diese Platte ...“, sie meinten die „14 Zero Zero“-Single. Als ich das hörte, standen mir die Haare zu Berge, weil ich das so großartig fand. Es hört sich wie New Order an, aber ...
Ich war gerade in London, als Console dort gespielt haben. Ich habe dort die Leute aus dem Payola-Umfeld getroffen. Man kam ziemlich schnell ins Gespräch über einen Plattenvertrag, und in diesem Fall wollten wir Console nicht nur für den nordamerikanischen Markt, sondern für so viele Gebiete wie möglich signen. Na ja, sie haben dann einen Deal mit Virgin unterschrieben, der uns eine Zeitlang in der Warteschleife hat fliegen lassen. Mit Jörg Burger haben wir auch zusammengearbeitet. Oder Couch. Die Couch-Platte ist eine meiner liebsten Platten des letzten Jahres. Eigentlich macht es keinen Sinn, ein älteres Album zu veröffentlichen, da man wahrscheinlich nicht viel davon verkaufen wird. Für mich war das irrelevant. Ich wollte nur Leute dazu bringen, sich diese Platte anzuhören.
? Console ist ein gutes Beispiel. Ist es manchmal schwer, eine Band, die man für den weltweiten Vertrieb möchte, für sich zu gewinnen?
C: Wenn wir über ein anderes Label an die Band rankommen, dann versuchen wir nicht, denen die Band wegzunehmen. Ich habe massiven Respekt vor Leuten wie Kitty-Yo, Kiff SM, PIAS, all diese unterschiedlichen Labels haben wir schon lizenziert. Das sind Labels, mit denen wir befreundet sind. Wir sind auf einer Ebene. Was Künstler angeht, mit denen wir persönlich zu tun haben: natürlich würden wir sie gerne so weitreichend wie möglich repräsentieren. Und solange sie keinen Plattenvertrag haben, werden wir versuchen, sie für uns zu gewinnen.
Wir sind für einen weltweiten Auftritt besser gerüstet als noch vor fünf oder sechs Jahren, wir haben weltweit Vertriebspartner, wir haben ein Büro in London ... Weltweit zu arbeiten ist schon ein Ziel von Matador. Natürlich sagen wir nicht: „Wenn wir diese Band nicht weltweit bekommen, dann arbeiten wir nicht mit ihnen zusammen.“ Es ist Ermessenssache.
? Ist es heute für eine Plattenfirma wichtiger als vor zehn Jahren, global zu arbeiten?
C: Natürlich möchten wir uns nicht auf ein Gebiet beschränken, sondern weltweit agieren. Es geht aber nicht nur um Umsätze und Profit, sondern in erster Linie um Kommunikation. Obwohl ich nur Englisch kann, möchte ich gerne überall mit jedem kommunizieren können. Vielleicht geht das auch am besten über Musik. Man teilt dasselbe Gefühl für eine Art Musik und kommuniziert über dieses Verständnis. Man fliegt beispielsweise mit Yo La Tengo nach Japan oder nach Australien oder nach Wyoming und teilt sich den Menschen dort über die Musik mit. Umgekehrt gibt es auch ausländische Bands, die wir mögen und gerne in die Staaten bringen würden.
? Denkt ihr über mehr Auslandsbüros nach? In einem Gespräch mit Daniel Miller von Mute sagte mir dieser, dass er leider gerade erst sein Büro in Deutschland eröffnet habe, es aber schon vor zehn Jahren hätte tun sollen, dann hätte er den Werdegang bestimmter Musiker besser begleiten und sie auch rechtzeitig signen können.
C: Das ist eine interessante Argumentation. Ich glaube, Daniel ist reisefreudiger als ich. Ja, ein interessanter Gedanke, der auch uns schon gekommen ist. Weißt du, Matador wird von Chris und mir geleitet, und wir können maximal an zwei verschiedenen Plätzen sein. Es ist schwer, eine Person zu finden, die ein Büro für uns führen könnte. In London hatten wir mit Mike Holdsworth (General Manager von Matador Europe) viel Glück, er ist unglaublich qualifiziert für seinen Job, wir vertrauen ihm und trauen ihm zu, dasselbe wie wir an einem anderen Ort zu machen. Ich sage nicht, dass das unmöglich ist, aber für weitere Büros ist uns noch niemand untergekommen. Mute ist eine größere Company als Matador und hatte schon größere Erfolge als wir. Für einen derart großen Laden macht es Sinn, in Deutschland ein Büro zu eröffnen, vor allem, wenn man mit soviel deutschen Künstlern zusammenarbeitet wie Mute. Mute ist in seinem Business Development weiter, als wir es sind. Sie haben sich das durch harte Arbeit verdient, keine Frage. Aber wenn man sich den Mute-Katalog der letzten Jahre so anschaut: Depeche Mode, Erasure, Yazoo, JSBX, Moby ... Mute hatte auf der ganzen Welt Top-10-Hits, wir sind einfach nicht auf diesem Level ...
? Es müsste ja nicht gleich ein großes Büro sein. Wenn man sich bestimmte US-Labels anschaut, zum Beispiel Touch & Go, die verkaufen nichts in Deutschland, weil sie zu wenig investieren, dem Vertrieb zu wenig Promotionmöglichkeiten geben, dabei würden ein, zwei eigene Leute ja schon reichen, um eine Vertretung zu eröffnen.
C: Das ist ein interessanter Gedanke, ja. Muss man sich mal durch den Kopf gehen lassen. Ein guter Vorschlag.
? Manche Bands scheinen eher auf dem französischen Markt zu bestehen, manche mehr auf dem australischen. Gibt es große Unterschiede zwischen verschiedenen Ländern?
C: Es gibt eine Menge Stereotypen: ja, das mögen sie in Land xy, das mögen sie nicht. Ich glaube, es gibt sehr viele Gründe, warum eine Platte hier gut und dort nicht so gut ankommt. Catpower zum Beispiel sind in Frankreich so beliebt wie sonst nirgends und verkaufen sehr viel Platten. Warum? Weil sie in einer großen TV-Show in Frankreich aufgetreten sind. Die Macher der Show waren Catpower-Fans und wollten sie unbedingt haben. Das hätte genausogut in den Staaten passieren können. Auf der anderen Seite ist die Reaktion des Publikums auch nicht statisch: vielleicht mag man Catpower in Frankreich nicht mehr so gerne, aber dafür haben sie woanders mehr Erfolg.
? Siehst du da gar keine Tendenzen? Was weiß ich: eine Band hat unglaublichen Erfolg in Israel, und du fragst dich, warum?
C: Wir sollten wirklich mehr Platten in Israel verkaufen. Nein, ich glaube, dass das eine gute Frage ist, ich weiß nur nicht genau, wie ich sie beantworten soll. Darüber habe ich mir noch nicht wirklich Gedanken gemacht. Unterschiedliche Kulturen, unterschiedliche Währungen, unterschiedliche Auffassungen von Humor, unterschiedliche Businesspraxis, unterschiedliche soziale Praxis, ja, das alles kommt wohl zusammen, aber inwiefern das was mit den Platten zu tun hat, die wir veröffentlichen, kann ich schlecht abschätzen.
? Noch mal der Kommunikationsaspekt: Wie wichtig ist es dir, Kontakt zu den eigenen Bands zu haben? Hast du Kontakt zu allen Bands auf Matador?
C: Nicht so sehr, wie es sein sollte. Wir tun das, was in unseren Möglichkeiten liegt. Es ist unnötig zu erwähnen, dass Chris und ich mit manchen Künstlern ein engeres Verhältnis haben als mit anderen. Verschiedene Leute gehen unterschiedlich mit Kommunikation um. Es gibt Leute, die sind großartig darin, den Hörer abzunehmen und Leute anzurufen, eine E-mail zu schreiben oder ein Fax zu schicken, und andere gehen anders mit Kommunikation um. Es gibt Künstler, die in Japan, Deutschland oder Neuseeland sitzen, mit denen wir eine regere Kommunikation pflegen als mit Künstlern, die an der Ostküste Amerikas leben. Es geht in der Hinsicht nicht wirklich um Länder. Räumliche Distanz bildet natürlich ein Handicap, deswegen müssen sowohl Künstler als auch Label sich Mühe geben, die Kommunikation aufrechtzuerhalten. Ich wünschte, wir hätten eine besser funktionierende Kommunikation mit unseren Bands, aber der release schedule ist so umfangreich, und wir haben so viel vor ... Für mich wird es immer schwieriger, sofort zu reagieren, wenn mich jemand anruft oder anschreibt, ich finde die Zeit einfach nicht. Ich wünschte, der Tag hätte noch zehn Stunden zusätzlich, um mit jedem den Kontakt pflegen zu können. Unser Job macht großen Spaß, und es macht viel Spaß, neue Musik zu entdecken und damit zu arbeiten. Wir werden nicht aufhören, Bands zu signen, aber mit der Zeit werden wir unseren Schwerpunkt wohl auf die Arbeit mit den Künstlern legen, die schon bei Matador sind. Es gibt bei uns eine Tendenz, überall unsere Finger im Spiel haben zu wollen, auf einem Businesslevel, der dafür nicht so gut geeignet ist. Diese Art ist bestimmt auch nicht die schlaueste, um Freundschaften zu erhalten ...
Oktober 2000, New York, geführt von Thomas Venker & Christian Linnemeyer
Lange Version des Beitrags in Intro #81
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