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mit Jelenia Gora
14.01.2001, 17:07, Text: Autor unbekannt
Da stehe ich, ein schmales Mädchen - eingefallene Wangenknochen, Tasche, Hosenanzug und Hut -, nun mitten in den Klischees dieser längst begrabenen Ära zwischen Bankschalter-Waves (so Typen, bei denen die Joy-Division-Fresse immer nur fürs Wochenende gereicht, weil ja konsequente Verweigerung wirklich weh tun würde). Cave, Bargeld und der Schlagzeuger betreten die Bühne – und das Elend nimmt seinen Lauf. Während der von König Rocken gezeichnete Cave fahrig das Piano stimmt, beginnt meine Umgebung ehrfurchtsvoll Mantren auf den Meister vor sich hin zu sabbern. First appearance of “auweia”. Und dann beginnt Cave zu singen. “Hm, seltsam overdubbt”, schießt es mir noch durch den Kopf, da lässt mich der erhöhte Spuckesatz auf meiner fahlen Wange schlagartig die Situation richtig bewerten: der Typ neben mir meint, jede Silbe mitintonieren zu müssen.
Ich: “Ähmm, sorry, dass ich dich in deinem expressiven Gesang unterbreche, aber könntest du das dem Junkie am Flügel überlassen?”
Bankschalter-Wave [weinerlich, unangenehm betroffen und auf Verständnis bedacht]: “Entschuldige, ich wollte dich nicht stören.
Ich: “Sei einfach ruhig.”
Mission clear, denke ich gerade noch, da beginnt es auf meine Schulter geklopfte Props der restlichen Achtziger-Zombies zu hageln. “Jungs, ich habe das nicht getan, um neue Freunde zu finden. Schnauze jetzt.”
Ich befinde mich gerade in Minute zehn meines Martyriums, da startet Bankschalter-Wave#2 eine weitere Attacke auf meine gepeinigte Seele: “Das ist ja Blixa. Oh, mein Gott, da vorne steht ja wirklich der echte Blixa. Hey [er klopft so ziemlich alle Achtziger-Zombies in meiner Umgebung ab], das ist Blixa!” – “Ja, klar, du totaler Schwachkopf. Mal ehrlich, sieht sonst noch jemand dermaßen scheiße aus: aschfarben, pseudocool an der Zigarette ziehend und demonstrativ an seinem Weinglas, das auf der Box steht, nippend? Nein, natürlich nicht.” Spätestens jetzt schwingt eine Gewissheit durch den Raum: Das hier wird definitiv nicht mehr besser. Ich bin in die echte Retrohölle geraten - kein Scheiß, Mann, jeder weiß, Mann. Die absolute Vergötterungsclique quittiert jede noch so triviale Äußerung dieses zitternden Barmusikers (Cave: “Der nächste Song heißt auch irgendwie.” – Blixa: “Gute Wahl.”) mit debilem Gegrinse (wobei sie sich natürlich alle auch noch gegenseitig nickend bestärken), und selbst indiskutable Pannen wie das Vergessen von Akkorden (Cave) - für die Nachwuchsbands gesteinigt würden - stilisiert die Meute zur Inszenierung hoch. Wie tief kann frau eigentlich noch sinken?
Ganz unten – und das mit einer Horde männlicher Bettnässer, bei denen man vor lauter Gesabber jede Sekunde mit einem Ständer im Becken rechnen muss. Vertrauensselig, dass die Volksbühnen-Crew wirklich alles in den Saal ließ, was da eventgeil angekrabbelt kam. Daher auch: alles herrlich eng. Hat mir gezeigt, dass “mein Schweiß”, das kollektive Sich-aneinander-Kleben, keine Erfindung der Frankfurter Koks-Nase, sondern ein jahrhundertealter Konzertbrauch ist. Wieder eine Errungenschaft weniger, die Techno uns gebracht hat.
Gut, dass man nicht jeden Tag in solche Zeitlöcher fällt. Und: schön, wenn der Schmerz nachlässt.
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Mit ihrem Stilmix aus Punkrock, Ska und verschiedenen Folk-Einflüssen wurde Mutabor seit ihrer ersten Veröffentlichung (1997 Virgin) oft als deutscher Vertreter des Folk-Punk geführt. Mit ihrer zweiten Veröffentlichung (2001 Makanabeat / Soulfood) erweiterte die Band ihr musikalisches Spektrum in Richtung Pop und Reggae.




